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Fury of Dracula

Rezension von Andre Vieregge

 

„Eine Gruft gab es noch, die herrschaftlicher war als die übrigen; sie war riesig und von vornehmen Ausmaßen. Nur ein Wort stand darauf: DRACULA.“

[Bram Stoker, Dracula]

 

Bram Stoker lässt seinen Grafen Dracula ins viktorianische London ziehen, um dort neue Jagdgründe für seine Blutgelüste aufzutun. Aber der schreckliche Untote wird entdeckt, und seine Pläne werden vereitelt. Aus seiner finsteren Zuflucht auf Fairfax Abbey vertrieben, flieht er zurück in die transsylvanische Heimat. Doch Abraham Van Helsing, Dr. Seward, Quincy Jones, Lord Godalming, Jonathan und Mina Harker verfolgen den Untoten bis auf sein unheiliges Schloss. Erst dort kommt es zum Showdown bei Sonnenuntergang.

Fantasy Flight Games präsentiert mit Fury of Dracula ein an Stokers Roman orientiertes Brettspiel, bei dem sich vier seiner Protagonisten daran machen, den Vampirfürsten in den verschiedensten Städten Europas ausfindig zu machen, bevor sechs Nächte verstrichen sind oder Dracula zu viele weitere Blutsaugerinnen erschaffen hat. Über Straßen, Schienen und Seewege führt sie dabei ihre Mission, doch immer scheint ihnen der finstere Schatten des Vampirs einen Schritt voraus.

Kreuzen die Jäger doch einmal die verborgenen Wege Draculas, treffen sie auf Ratten, Saboteure, Mörder oder andere Überraschungen, die von dem Reißzahnaristokraten für sie zurückgelassen wurden. Mit Glück entdecken sie auch die Bräute des Nosferatu, bevor diese in ihren Särgen erwachen und unter den Menschen ihre Opfer suchen können. Dabei sollten die tapferen Verfolger stets darauf achten, bei Tag auf den Grafen oder auf seine Diener zu treffen, da bei Nacht die Macht der Vampire wächst.

Eine stilvolle Landkarte Europas dient als Spielbrett. Über 200 nicht weniger ansprechend gestaltete Ereignis- und Gegenstandskarten sorgen für ein abwechslungsreiches Spiel. Die Plastikspielfiguren sind detailliert gearbeitet, so dass diese leicht den entsprechenden Charakteren zuzuordnen sind. Für jeden Spieler gibt es eine Übersichtskarte, auf der Lebenspunkte, sowie sämtliche Vor- und Nachteile seiner Figur vermerkt sind. Stimmungsvolle Bilder und Verschnörkelung fördern auf jedem Gegenstand das viktorianische Ambiente.

Fury of Dracula kann von zwei bis fünf Spielern gespielt werden, wobei die Anzahl der Charaktere stets gleich bleibt. Bei zwei Spielern übernimmt einer die Rolle Draculas, der andere die von Van Helsing, Dr. Seward, Lord Godalming und Mina Harker. Bei drei Spieler gibt es wieder einen Vampir und die anderen übernehmen je zwei Jäger. Mit vier Spielern wird also die Verteilung also etwas ungleich. Dies ist aber nicht von Belang, da die Verfolger als Gruppe gewinnen oder verlieren. Die Vampirhatz ist halt nichts für Individualisten.

Nicht nur Van Helsing musste sich durch unzählige Seiten vergilbten Papiers arbeiten, um sein unschätzbares Wissen über nahrungsrestringierte Nocturnalwandler zu erwerben. Auch mindestens einer der Spieler sollte sich sorgfältig vorbereit haben, denn bis die 30 Seiten starke englischsprachige Anleitung gelesen ist, könnte bereits der nächste Morgen grauen. Zwar ist die Sprache durchaus einfach gehalten, die eine oder andere Minute kann aber dennoch unter Verständnisschwierigkeiten verstreichen.

Haben sich die Teilnehmer der Hatz dann durch jenen umfassenden Almanach des Wissens gekämpft, werden die Karten verteilt. Der Dracula- Spieler kann sich schon mal ordentlich Platz auf dem Tisch freischaufeln, denn er erhält nicht weniger als fünf Stapel. Die Karten mit den Orten, durch die der Vampir flieht, müssen stets in alphabetischer und numerische Reihenfolge gehalten werden, um ein zügiges Auffinden zu erleichtern. Vor dem Hintergrund dieses Kartenwirrwarrs ist es recht lästig, dass im Verpackungskasten keine Fachablagen eingefügt wurden. So darf man nämlich nach jedem Transport erneut bürokratische Sortierarbeit leisten.

Hat nun jeder einen Charakter (oder deren mehrere) gewählt und seine Ausrüstung erhalten, kann es losgehen. Alle Spieler suchen sich jeweils einen Ort auf der Karte, von dem aus sie ihre Suche beginnen. Dann eröffnet Dracula mit seinem Zug die erste und jede weitere Runde. In der Tradition eines Mister X bewegt es sich verdeckt, und mit jedem weiteren Ziel seiner Reise wird auch der Tag-/ Nachtanzeiger ein Feld weiter gestellt.

Danach sind die Jäger am Zug. Im Gegensatz zu Dracula dürfen diese auch auf dem Schienenweg reisen und somit Zeit sparen. Treffen sie in einer Stadt ein, die noch vampirfrei geblieben ist, können sie sich dort regenerieren, mit Ausrüstung versehen oder untereinander handeln. War der finstere Knoblauchallergiker bereits da, müssen sie kämpfen - entweder gegen den Grafen selbst oder gegen einen seiner Diener.

In einem solchen Kampf kommen bis dato gesammelte Gegenstände wie Kruzifixe, Messer, Pistolen oder Pflöcke zum Einsatz, die den Ausgang der Konfrontation maßgeblich beeinflussen. Je nach Würfelglück wird der Vampir getötet, ein Jäger gebissen oder einer der beiden kann fliehen. Im letzteren Falle ginge die Jagd weiter.

Der mächtige Vampir besitzt jedoch einige besondere Fähigkeiten, mit deren Hilfe er sich bei Nacht in einen Wolf, eine Fledermaus oder Nebel verwandeln kann, um seinen Verfolgern unbemerkt zu entkommen. Bei Tage jedoch stehen ihm nur wenige seiner Kräfte zur Verfügung. Vergleicht man jedoch die Macht, die Bram Stoker seiner Schöpfung verlieh, mit den Möglichkeiten, die ihm im Spiel zur Verfügung stehen, wünschte man sich doch mehr Durchschlagskraft für Dracula im Kampf gegen einen einzelnen Jäger. Im Zweikampf mit Lord Godalming ist der arme Halsfetischist nämlich auch bei Nacht nahezu chancenlos.

Das Spiel endet mit dem Sieg der Jäger, wenn es diesen gelingt, den Blutsauger zu töten oder mit einem Sieg Draculas, wenn dieser sechs Punkte gesammelt hat. Selbige erhält er mit jedem neuen Tag, mit jeder erschaffenen Vampirbraut oder jedem getöteten Jäger. Es ist also jederzeit Vorsicht geboten. Zahlreiche Ereigniskarten bescheren dabei oft eine unvorgesehene Wendung.

In den ersten Spielen kommt man um den wiederholten Blick unter den Sargdeckel der Spielanleitung nicht herum. Wenn die Regeln aber erst mal verinnerlicht wurden, ist Fury of Dracula einfach zu spielen. Allerdings gibt es auch dort die aus Tabletops hinlänglich bekannten Regellücken, die der einen oder anderen Handlungsmöglichkeit die Erklärung schuldig bleiben.

Die Altersfreigabe mag für einen englischsprachigen 10-jährigen angemessen sein, ansonsten können durchaus sprachbedingte Verständnisschwierigkeiten auftreten. Englisch sollte jedem Vampirjäger ebenso vertraut sein, wie der Umgang mit dem Holzpflock.

Hat man sämtliche Regeln gemeistert, bietet Fury of Dracula eine wahrhaft gotische Atmosphäre, die selbst Bram Stoker das Blut in der Halsschlagader hätte gefrieren lassen. Die Hatz auf den berühmtesten aller Vampire erfordert Kombinationsvermögen und taktisches Geschick. Von dem Grafen verlangt es dagegen eine gewisse Kaltblütigkeit, um die Fänge im richtigen Moment in den Hals geschwächter Jäger zu schlagen.

 

Fazit: Spannung bis aufs Blut.

 

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Fury of Dracula

Hersteller: Fantasy Flight Games / Sprache: Englisch

Autor: Stephen Hand

ISBN: 1-58994-276-0

Spieler: 2-5 Spieler

Spieldauer: 2-3 Stunden

Altersempfehlung: ab 10 Jahre

Erhältlich bei: Amazon

 

Hinweis:

Spielregeln als Download gibt es hier!

 

Inhalt:

 

  • 1 Rule Book
  • 1 Game Board
  • 5 Plastic Miniatures
  • 1 Dracula Sheet
  • 1 Dracula Reference Map
  • 4 Hunter Sheets
  • 2 White Hunter Dice
  • 1 Black Dracula Die
  • 1 Red Train Die
  • 220 Cards
  • 75 Event Cards (25 Dracula,50
  • Hunter)
  • 70 Dracula Location Cards
  • 40 Item Cards
  • 5 Reference Cards
  • 12 Hunter Tactics Cards
  • 8 Dracula Tactics Cards
  • 5 Agent Tactics Cards
  • 5 Dracula Power Cards
  • 81 Cardboard Tokens/Markers
  • 45 Encounter Markers
  • 15 Blood Tokens
  • 4 Health Markers
  • 4 Bite Tokens
  • 3 Heavenly Host Markers
  • 1 Consecrated Ground Marker
  • 3 Continue Markers
  • 2 Time Markers
  • 1 Roadblock Marker
  • 1 Dracula Vampire Marker
  • 1 Hunter Resolve Marker
  • 1 Day/Night Marker

 

 

 


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Erstellt: 21.03.2006, zuletzt aktualisiert: 16.02.2018 17:50