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Galaxy Trucker

Rezension von Christel Scheja

 

Schon die Märchenfilme aus Tschechien, die gerade in den 1978 und 1980ger Jahren verstärkt im Deutschen Fernsehen liefen, zeichneten sich durch eine besondere Atmosphäre aus. Zwar merkte man auch ihnen den Geist des Sozialismus an, aber die Geschichten banden auch sehr westlich kapitalistische Elemente in ihre Geschichten mit ein und betrachteten das Aufeinandertreffen der Kulturen mit einem beschwingten Augenzwinkern.

Ein wenig hat sich dies auch auf das erste Spiel von Czech Games übertragen, das auch in einer deutschen Edition erhältlich ist und sogar auf der Empfehlungsliste für das „Spiel des Jahres 2008“ landete.

Wer „Per Anhalter durchs All“ und andere Romane von Douglas Adams kennt, wird den skurrilen Humor, der im Spiel immer wieder auftaucht, zweifellos gleich wiedererkennen.

 

 

Spielidee:

 

Da die CORPORATION, ein interplanetares Konsortium von verschiedensten Handels- und Produktionsunternehmen feststellen musste, dass es einerseits gefährlich und andererseits wenig lukrativ ist, Waren in die Peripherie der Galaxis zu bringen, da Meteoritenstürme, Piraten und Sklavenhändler oder Schlimmeres den Schiffen zu schaffen machten, ersannen sie, als sie bereits nahe am Bankrott waren, ein wesentlich kostensparenderes Konzept. Sie errichteten überall in der Galaxis Lagerhallen mit Raumschiffteilen und ermutigten Abenteurer aller Couleur, sich als freie Unternehmer an die Auslieferung der Waren an die Randplaneten zu wagen. Man versprach ihnen durch die mit der CORPORATION geschlossenen Verträge lukrative Gewinne, Reichtum und Ruhm ...

Es ist nun an den Spielern in die Rolle dieser mutigen Männer und Frauen zu schlüpfen, sich selbst ein Raumschiff zu bauen und sich auf eigene Faust in die Weite des Alls zu begeben. Die Corporation verlangt nur Geld für das, was auf den Reisen verloren wird, den Gewinn darf man selbst behalten.

Doch oft genug sorgen äußere Umstände dafür, dass man sich verschuldet, und die Kosten, die geringen Gewinnspannen schließlich auffressen. Nur mit einer gehörigen Portion Glück und Geschick kann man es schaffen, in die zehntausend Milliarden der High Society aufzusteigen. Bis dahin darf man zumindest träumen, hoffen und arbeiten.

 

Man spielt in drei Etappen, um die Spielmechanismen zu verinnerlichen. In der ersten baut man sich ein Raumschiff aus den einzelnen Teilen zusammen, in der zweiten unternimmt man einen Probeflug, um die Gefahren und Tücken einer Reise kennen zu lernen und erst in der dritten geht es richtig zur Sache – hier geht es in erster Linie darum, den entsprechenden Profit zu machen, in dem man möglichst unbeschädigt als erster ans Ziel kommt und die besten Waren mitbringt.

 

 

Ausstattung:

 

Die Ausstattung von Galaxy Trucker kann sich sehen lassen. Alles was nicht aus Plastik ist, wurde auf stabilen Karton gedruckt, was gerade bei den Raumschiffteilen sehr wichtig ist, da man diesen in der ersten Phase ja geradezu nachjagen muss. Zwar sollte man sie nicht gerade mit triefenden Fettfingern anfassen, aber ansonsten halten sie einiges aus. Die Spielpläne sind handlich und nehmen nicht so viel Platz auf dem Tisch weg, da man diesen durchaus für die anderen Teiles des Spiel benötigt.

Bei den Plastikteilen sollte man allerdings darauf achten, dass diese nicht in die Nähe von Kleinkindern geraten, da gerade die Figürchen und Energiesteine sehr leicht verschluckt werden können. Gerade letztere sind so winzig, dass sie auch verloren gehen könnten.

 

 

Spielregel

 

Die Spielregel lädt zumindest im ersten Teil gleich zum Losspielen ein. Denn der Verlauf des Spiels wird gleich anhand von Beispielen erklärt, die man am besten verinnerlicht, wenn man die Sachen selbst ausprobiert.

Bilder helfen nicht nur dabei, die Raumschiffteile zu erkennen, sondern auch die Art und Weise, wie man sie aneinander legen muss. Es ist sehr gut heraus gearbeitet, worauf man zu achten hat, und was zum Beispiel nicht möglich oder so einfach zu bewerkstelligen ist.

Die Beschreibungen sind humorvoll und locker gehalten, so dass zur Information auch noch ein wenig Unterhaltung kommt (wenn man sich etwa vorstellt, einen trödelnden Spieler mit der Schachtel verprügeln zu dürfen). Es lohnt sich gerade am Anfang, die Regeln gemeinsam durchzugehen und die einzelnen Etappen gemeinsam nach zu verfolgen, um gemeinsam in sie hinein zu wachsen.

Alles in allem ist die Spielregel sehr ausführlich und umfassend, auch für jüngere leicht verständlich und mit vielen Bildern versehen, die das Verständnis zusätzlich erleichtern. Allerdings weist sie kleine (wenn auch vernachlässigbare) Lücken auf: So wird die Bedeutung der „wundersamen Raumschiffteile“ leider nie erklärt.

 

Spielspaß

 

Geht es wirklich in erster Linie darum, möglichst immer die Nase vorne zu haben und den größten Profit zu machen, um am Ende als Sieger da zu stehen? Nicht unbedingt. In Galaxy Trucker ist tatsächlich der Weg das Ziel – beginnend mit dem Spaß, das erste eigene Raumschiff zusammen zu bauen. Denn die Teile werden verdeckt ausgelegt und müssen einzeln gezogen, dürfen aber erst über dem Spielbrett umgedreht werden. Und meistens bekommt man nicht das Teil, was man eigentlich braucht oder gerne haben möchte.

Da man zudem unter dem Druck arbeitet, als Erster fertig sein zu wollen, kommt man schon ins Schwitzen. „Galaxy Trucker“ erweist sich in der Hinsicht als sehr aktives und bis zu einem gewissen grad körperaktives Spiel.

Auch in der zweiten Phase kommt man nicht unbedingt zur Ruhe, da man nie weiß, wer als nächster dran ist, da immer der am Zug ist, der am weitesten vorne ist. Aber leicht können äußere Umstände wie die Landung auf Planeten (um Ware aufzunehmen oder abzugeben), verlassene Raumstationen und Schiffe(dito), Meteoriten und feindliche Angreifer dafür sorgen, dass man nicht nur Raumschiffteile und Besatzungsmitglieder verliert, sondern auch in der Flugzeit zurück geworfen wird.

Jetzt zeigt sich, ob man klug gebaut und mit entsprechenden Schutzschilden, Kanonen und Motoren vorgesorgt hat. Je umsichtiger man war, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit ohne Verluste davon zu kommen. Auch in der dritten Phase – um vollständigen Spiel wird man gefordert, denn hier bestimmt bereits beim Raumschiffbau eine Sanduhr, wie lange man brauchen darf. Letztendlich ist man die meiste Zeit immer irgendwie beschäftigt und kann sich dabei amüsieren.

Das Spiel selbst hat eigentlich nur ein wirkliches Manko: Es gibt nur wenig vorgesehene Interaktion zwischen den Spielern. Gerade einmal, wenn es darum geht, die Raumschiffe nach dem Bau zu überprüfen, kann man die anderen auf Fehler aufmerksam machen (und sich damit vielleicht einen Vorteil verschaffen, da man in der Startreihenfolge aufrückt). Später agiert man die meiste Zeit für sich alleine. Je nach Naturell der Spieler kann man sich zwar dennoch unterstützen oder anfeinden, aber direkte Kämpfe zwischen den Teilnehmern sind nicht vorgesehen, auch die Gefahren müssen immer alleine bewältigt werden.

Hat man durch Phase I und II des Spiels erst einmal den Spielmechanismus verinnerlicht, kann man mit dem vollständigen Spiel die unterschiedlichsten Abenteuer erleben, da die Karten immer wieder anders gemischt werden und mit unangenehmen Überraschungen aufwarten mögen, selbst wenn man sich noch so vorbereitet. Alles in allem sollte man als Gruppe jedoch am Ball bleiben und es häufiger spielen, um nicht immer bei den Regeln bei Null anfangen zu müssen.

 

 

Fazit

 

„Galaxy Trucker“ ist nicht unbedingt ein ernstzunehmendes Strategiespiel, in dem es gilt, Ruhm, Ehre und Reichtum zu gewinnen und am Ende glänzend da zu stehen. Tatsächlich ist hier der Weg das Ziel – das Abenteuer sich erst einmal ein flugfähiges Schiff zusammen zu bauen, dass einen Flug auch überstehen kann – und sich dann in den unterschiedlichsten Gefahren zu bewähren, die es in sich haben können. Allerdings verlaufen diese meistens nicht tödlich und laden hin und wieder auch schon einmal zum Schmunzeln ein, wenn man sich die Regel dabei genauer durchliest.

Dabei wird von den Spielern sehr viel Aktion gefordert – da man immer am Ball bleiben muss und sich weniger als erwartet zurück lehnen kann. Allerdings gibt es nur wenig Interaktion zwischen den Spielern, da man die meiste Zeit für sich allein auf die äußeren Gefahren reagieren muss.

Da die Regeln doch umfangreicher sind, als man zunächst denkt, eignet sich das Spiel vor allem für die, die gerne und häufiger Brettspielabende unternehmen und weniger für Gelegenheitsspieler.

Da man für jede Runde durchaus 45 – 60 min rechnen sollte, ist „Galaxy Trucker“ kein Spiel für zwischendurch. Man sollte deshalb gleich einen ganzen Nachmittag oder Abend einzuplanen, um in dieses Universum einzutauchen, das in seinem schrägen, manchmal sarkastisch-zynischen Humor den Welten eines Douglas Adams gar nicht einmal so unähnlich ist.

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Brettspiel:

Galaxy Trucker

Autor: Vlaada Chvatil

Übersetzung: Katerina Girgenson

Illustrationen und Grafik: Radim “Finder” Pech, Tomas Kucerovsky

Verlag: Heidelberger Spieleverlag

Material: Karton/Papier (Hauptsächlich), Plastik

Spielerzahl: mind. 2-4

Spielmotivation: Familie; Strategie

Sprache Spielanleitung: DE

Altersempfehlung: 10 - 99 Jahre

Spieldauer: mindestens 60 Minuten

Modellnummer: A08RGG

ASIN: B000XLU8H6

 

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:

Inhalt:

 

  • 1 Flugplan
  • 8 beidseitig bedruckte Schiffspläne
  • 60 Flugkarten (je 20 für die Etappen I-III
  • 64 Credits in verschiedenen Werten
  • 144 Raumschiffteile (davon 4 Grundteile)
  • 4 Spielmarken mit Zahlen (Startreihenfolge)
  • 40 graue Menschenfiguren
  • 8 Figuren von Aliens in zwei Farben
  • 8 Raumschiff-Figuren in vier Farben
  • 36 Energiesteine
  • 56 Warenwürfel in vier Farben
  • 1 beidseitig bedruckte Regelkarte für die II. und III. Etappe
  • 2 Würfel
  • 1 Sanduhr

 


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Erstellt: 24.04.2009, zuletzt aktualisiert: 16.02.2018 17:50