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Garfield 1986 bis 1988 von Jim Davis

Garfield Gesamtausgabe Bd. 5

Rezension von Christian Endres

 

Inzwischen sind fünf Bände in Ehapas Garfield-Gesamtausgabe erschienen, während parallel zu dieser eine abgespeckte Softcover-Version zum Sparpreis erhältlich ist. Zeit für einen ersten runden Geburtstag in der Hardcover-Edition, ein kleines Resümee der ersten zehn Jahre und natürlich 320 Seiten neue und alte Gags mit dem verfressenen Kultkater aus der Feder von Jim Davis.

 

Zunächst gibt es wenig Neues im Westen: Auch nach zehn Jahren hasst der fettfaulfilosofische Lasagne-Freak Montage noch aus tiefster Seele, liebt quali- und vor allem quantitative Speisen und Fressorgien, verabscheut strapaziöse Diäten und vorlaute Waagen und quält sein Herrchen Jon samt tierischem Mitbewohner Odie mit hämischer Freude – die ihm jedoch nichts von seiner „Liebenswürdigkeit“ nimmt. Neu ist, dass Garfield anno 1986 erstmals längere Zeit von Zuhause fort läuft und sich am Ende mit Odie beim Zirkus wieder findet, wo sie sogar ihrem TV-Helden Binky dem Clown begegnen. Auch baut Garfield Ende der 1980er seine Aversion gegenüber Spinnen aus und wird von den heimischen Mäusen, mit denen er im Vorgänger-Band eigentlich einen Friedens- bzw. Nichtbeachtungspakt geschlossen hat, plötzlich mit Krieg bedroht.

 

Dieser kurze Überblick zeigt schon: Es tut sich in der Summe wieder ein bisschen was bei Garfield und Co. – und das wiederum tut dem fünften Band dieser Werkausgabe gut. Wohlwollend stellen wir fest, dass die Redundanz, die sich über die ersten zehn Jahre hinweg hie und da doch etwas eingeschlichen hat, aufgelockert und durchbrochen wird, ohne den Strips die Vertrautheit zu nehmen – das Spektrum wird einfach breiter. Dadurch gewinnt auch die generelle Dramaturgie und Struktur (sprich: Gag-Abfolge) des Strips.

 

Selbst im Artwork legen Jim Davis und sein verhinderter Vogeljäger zu, obwohl Garfield grafisch bereits jetzt auf seinem Zenit scheint, ja manchmal gar etwas festgefahren wirkt – letztlich stark vereinfacht und reduziert, aber in dieser Schlichtheit doch durch und durch homogen. Und hin und wieder brechen Davis und sein Kühlschrank-Terrorist sogar immer wieder einmal perspektivisch aus dem gängigen Schema aus oder erweitern die Palette an Hintergründen und Schauplätzen.

 

Homogen indes ist auch nach wie vor die schöne Aufmachung der Reihe im für Strip-Sammlungen dieser Art mittlerweile eingebürgerten Querformat. Zu Beginn des fünften HC-Bandes gewährt Übersetzer Wolfgang J. Fuchs – der mit seiner Neuübertragung ins Deutsche den Ton inzwischen deutlich öfter trifft als noch im ersten Band – einen Einblick in die Entstehungszeit des Garfield-Magazins, schrammt dabei trotz allem dargebotenen Insiderwissen jedoch einmal mehr haarscharf an der Selbstbeweihräucherung vorbei.

 

Garfield ist auch mit zehn Jahren selten so philosophisch oder nachdenklich wie seine tierischen Zeitungscomicstrip-Kollegen Snoopy oder Hobbes, und politisch oder sozialkritisch sind er und sein Schöpfer Davis im Vergleich mit Schultz oder Watterson letztlich ebenfalls viel zu selten. Den dicken Kater deshalb aber direkt als harmlos oder langweilig abzutun, wäre dennoch nicht richtig. Denn nicht nur der Erfolg seines Strips gibt Jim Davis und Garfield Recht. Auch ist letzterer mit all seinen Schrullen, Ticks, Macken und katzenhaft-menschlichen Eigenheiten so liebenswert, dass man ihm einfach gerne durch das Jahr folgt. Besonders natürlich an Montagen.

 

Eure Meinung:

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Comic:

Garfield: 1986-1988

Reihe: Garfield Gesamtausgabe 5

Autor/Zeichner: Jim Davis

Ehapa, November 2007

Hardcover Album,

Querformat, 320 Seiten

ISBN-Code: 3770431529

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 27.11.2007, zuletzt aktualisiert: 18.02.2021 18:53