An Gefährliche Allianz sind nicht nur zehn Autoren, sondern auch ein ganzes Dutzend Zeichner bzw. Tuscher beteiligt. Hat etwa das Mastermind der Reihe, Jed MacKay, das Handtuch geschmissen? Nein. Panini hat vielmehr den US-Ausgaben 19 bis 22 der X-Men-Reihe, das One-Shot Hellfire Vigil vorangestellt.
Jed MacKay konzentriert sich zunächst auf das weitere Schicksal von Revelation. Der ist nicht irgendein Mutant, sondern soll(te) in die Fußstapfen von Apocalypse treten. Kein Wunder, dass darauf einige Kreise nervös reagieren und ihn ausschalten möchten. Derweil gerät Cyclops mit Agent Lundquist aneinander und wird aus dem Verkehr gezogen. Dementsprechend sind die jungen X-Men auf sich allein gestellt und starten eine gefährliche Mission.
Die Geschichte von Jed Mackay ist gewohnt spannend und abwechslungsreich inszeniert. Sie bietet genau die richtige Mischung aus Action sowie Charakter- und Storyentwicklung. Letztere wird zum neuen Event Age of Revelation führen. Am Ende gibt es zudem einen Cliffhanger, der zur weiteren Lektüre einlädt.
Bei der visuellen Umsetzung darf Netho Diaz ein weiteres Mal die Feder schwingen. Gut so, denn der Zeichner hatte bei der Reihe schon letztes Mal gute Arbeit abgeliefert. Er erhält allerdings noch durch weitere Artists wie Livesay, JP Mayer und C. F. Villa Unterstützung. Packend sind vor allem die actionreichen Sequenzen – um den Mutanten Revelation sowie die Auseinandersetzung zwischen Cyclops und Lundquist – gestaltet. Dabei erhält der Nachfolger von Apocalypse einige stimmige, coole Auftritte, die sein neues Selbstvertrauen widerspiegeln. Da lässt sich über einige merkwürdige Designentscheidungen – etwa ein Diner mit Schachbrettmuster an Decke und Boden – hinwegsehen.
Die Schwäche des Bandes, für die MacKay freilich nichts kann, ist das einleitende Kapitel »Hellfire Vigil«. Hier gehen zahlreiche Autoren auf die Ereignisse während einer Gedenkfeier zum Jahrestag der Vernichtung von Krakoa ein. Das Ergebnis ist aber leider recht langweilig, teilweise ziemlich weitschweifig und unzusammenhängend geraten. Es richtet sich eher an die Teile des Lesepublikums, die eher an X-Men-Gossip und -Liebesbeziehungen interessiert sind. Statt einer verbindenden Handschrift gibt es immer neue Schlaglichter. Zu viele Köche bzw. Autoren – hier sind es satte neun – verderben eben manchmal den Brei. Gelungen ist immerhin das Ende, das wieder zu den aktuellen Ereignissen hinüberleitet. Die zahlreichen beteiligten Künstler lassen den One-Shot erst recht uneinheitlich wirken, wobei die Stilunterschiede glücklicherweise wenig gravierend ausfallen. Allerdings gibt es hier auch deutlich weniger Hingucker als im zweiten Teil des Bandes.