Gefährten des Zwielichts (Autor: Alexander Lohmann)
 
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Gefährten des Zwielichts von Alexander Lohmann

Rezension von Christel Scheja

 

Der in 1968 in München geborene aber heute in Leichlingen ansässige Alexander Lohmann ist durch den Herrn der Ringe mit der Fantasy infiziert worden und auch heute noch passionierter Rollenspieler. Bereits für das Rollenspiel „Das Schwarze Auge“ verfasste er mehrere Romane, doch der große Durchbruch gelingt ihm erst jetzt mit „Gefährten des Zwielichts“, das gänzlich auf einer eigenen Welt spielt und Auftakt zu einer dreiteiligen Reihe ist. Nichtsdestoweniger kann man den Roman auch als eigenständige Geschichte lesen, da er in sich geschlossen ist.

 

Vor langer Zeit stürzte in einem feurigen Stern Leuchmadan auf die Welt und zögerte nicht lange, um sich zum Herrn der Finsternis aufzuschwingen. Nur mit vereinten Kräften konnten ihn Elfen, Menschen, Zwerge und Wichtel schließlich bezwingen, ihn und seine Vasallen wie Trolle, Goblins und Alben in die finsteren Lande zurücktreiben. Damals verlor Leuchmadan seine Macht, da es einem der heldenhaften Kämpfer gelang, das von seinem Körper getrennte Herz des „Herrn der Finsternis“ an sich zu nehmen und zu verbergen.

Über viele Jahrhunderte bliebt dieser Schatz verborgen und beide Seiten – das Gute wie das Böse leckten sich die Wunden. Es herrscht Waffenstillstand, aber die Finsternis ist noch nicht besiegt.

Als das Herz Leuchmadans wieder gefunden wird, macht sich eine Schar von tapferen Helden unter der Führung von Perbias dem Elfenkönig und dem Zauberer Gulbert auf den Weg, es ein für alle Mal zu vernichten. Das allerdings kann nur an der Quelle des Blutes geschehen. Doch folgen wirklich alle von ihnen ehrenhaften Zielen? Oder trägt einer der Auserwählten bereits den Verrat im Herzen?

Zur gleichen Zeit bricht noch eine andere Schar auf, um genau dies zu verhindern.

Baskon der Wardu, der gnomische Meuchelmörder Danamur, die Nachtalbe Daugrula, der Troll Gibrax, die Gnome Skerna und Wito, aber auch der Goblinkrieger Werzaz begeben sich ohne Rücksicht auf Verluste auf diese schicksalhafte Mission. Denn von ihnen hängt es ab, ob die finsteren Lande eine Überlebenschance haben, oder nicht.

Zwar machen sie auf der Reise ihrem Ruf alle Ehre, aber als es im Hort eines Drachen zu einem Aufeinandertreffen mit der Gruppe der Helden kommt, beginnen sich die Fronten zu verschieben.

 

Die Grundlage der Geschichte ist klassisch und dem Herrn der Ringe entnommen – eine Gruppe Auserwählter soll das Artefakt, dass den dunklen Herrscher ein für alle Mal ausschalten kann an den einzigen Ort bringen, an dem es vernichtet werden kann – nicht aber die Umsetzung.

Sehr schnell stellt sich heraus, dass die sogenannten Helden alles andere als hehre Gestalten voller guter Absichten sind. So arrogant wie der Elfenkönig auf die anderen hinabblickt, so misstrauisch und vorurteilsbelastet betrachten die Menschen die anderen Rassen, was vor allem die Wichtel zu spüren bekommen. Und man hat schon früh das Gefühl, dass der Zauberer eigentlich sein eigenes Süppchen kocht und dabei längst nicht so gute Absichten hat wie Saruman.

Im Gegensatz zu ihnen stehen die Helden der Dunklen Seite. Die „Gefährten des Zwielichts“ erweisen sich als weitaus sympathischer als ihre lichten Gegenstücke. Zwar agieren sie auch so, wie man es von ihnen erwartet – halten sich an einem Menschendorf schadlos und schenken einander nichts, aber sie besitzen ebenso gute Gründe und Motivation, um zu verhindern, dass Leuchmadans Herz zerstört wird. Dabei begeht der Autor zudem nicht den Fehler, sie all zu sehr mit menschlichen Verhaltensweisen auszustatten. Wenn die Gnome Goblins oder Trolle etwas verschonen, dann geschieht dies eher aus nüchternem Pragmatismus und nicht unbedingt aus Mitgefühl – obwohl man nicht allen der Düsterhelden diese Regungen immer absprechen kann.

So spielt der Roman mit den Erwartungen der Leser und weiß sie immer wieder durch überraschende Wendungen zu überraschen. Das alles bettet Alexander Lohmann in eine abenteuerliche und actionreiche Handlung mit ein wenig Humor ein, die allen Fans rasanter High Fantasy gefallen dürfte.

 

„Gefährten des Zwielichts“ hebt sich wohltuend aus der Masse der vielen anderen „Völker“-Romane heraus, nicht nur, weil er eine andere Sichtweise wählt, sondern auch mit so manchem eingefahrenen Klischee spielt, dass die moderne Fantasy und das Rollenspiel zementiert haben. Auch wenn die Geschichte klassisch ist, so beweist das Buch, dass es nicht unmöglich ist, auch heute noch ansprechende Variationen zu schreiben, die immer noch zu überraschen wissen. Es bleibt zu hoffen, dass der Roman die Aufmerksamkeit findet, die er eigentlich verdient.

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202404140956396693c0d2
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Gefährten des Zwielichts

Autor: Alexander Lohmann

Broschiert, Paperback, 476 Seiten

Bastei-Lübbe, erschienen April 2008

Titelillustration von Hildendesign

ISBN-10: 3404285271

ISBN-13: 978-3404285273

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 24.04.2009, zuletzt aktualisiert: 13.02.2024 15:29, 8633