Gefangene der Zyklopeninsel (Autor: Hans Joachim Alpers; Rhiana die Amazone Bd.6)
 
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Gefangene der Zyklopeninsel von Hans Joachim Alpers

Reihe: Rhiana die Amazone Bd.6

Rezension von Christian Lange

 

Der sechste Band der Serie "Rhiana, die Amazone" aus dem Piper-Verlag ist im April 2006 unter dem Titel "Gefangene der Zyklopeninseln" erschienen. Autor des Bandes ist Hans Joachim Alpers, der sich das Konzept der Serie ausdachte und bereits Band 1 und Band 4 schrieb.

Der vorliegende Band hat ca. 340 Seiten. Abgesehen vom eigentlichen Roman findet man im Buch eine kurze Inhaltsangabe, eine Kurzbiographie des Autors und die alte Aventurienkarte.

Sehr lobenswert ist ein 2 ½-seitiger Rückblick auf das Geschehen der Vorgängerbände, denn selbst wenn man alle Romane der Serie gelesen hat, liegen diese doch mindestens Monate auseinander.

Im Anschluss an den Roman findet sich ein Glossar, das recht ausführlich ist, aber auch einige Begriffe unerklärt lässt. Ein Personenverzeichnis gibt es nicht.

Das Cover zeigt ein Schiff unter Segeln, welches aber auch mit Rudern ausgestattet ist. Die Segel zeigen das Bild eines Drachen, im Hintergrund sieht man steile Felsen. Auch wenn das Bild nicht konkret mit dem Inhalt zu tun hat, so ist es thematisch doch sehr nah dran. Über den Titel kann man sich streiten, aber im Vergleich mit den Vorgängerbänden sind sowohl Cover als auch Titel recht gut gelungen.

Schlecht geplant ist die Inhaltsangabe, die sich auf dem Buchrücken und auch im Buch findet, da sie in Kurzform den Inhalt des Buches über die Mitte hinaus verrät.

 

Inhalt: Während Rhiana mit ihren Gefährten Richtung Perricum unterwegs ist, um Ritter Mortenberg zu finden, ereilt sie ein Hilferuf ihres Volkes. So machen sich die Gefährten auf den Weg zu den Zyklopeninseln. Doch auch der Flammenbund ist nicht untätig….

 

Die Erwartungshaltung an einen Roman dieser Serie hat sich bisher mit jedem Band abgeschwächt. Das lag zum einen am Konzept der Serie, welches bis dato nicht wirklich überzeugen konnte, und zum anderen auch an den qualitativ verschiedenen Fähigkeiten der Autoren. Hans Joachim Alpers hat bisher den Durchschnitt eher gedrückt.

Umso mehr kann man überrascht sein, dass er ein erstaunlich gutes Buch verfasst hat.

 

Aber der Reihe nach: Durch den Rückblick auf die Vorgängerromane ist man als Leser schnell wieder im Geschehen. Trotzdem verlässt sich der Autor nicht darauf und baut in seine Handlung immer wieder Beschreibungen von Personen und zurückliegenden Szenen ein, um dem Leser gedanklich auf die Sprünge zu helfen. Herr Alpers hat hier aber kein gutes Maß gefunden. Seine Methode funktioniert zwar und lässt Zurückliegendes wieder lebendig werden, aber seine Herangehensweise ist gleichzeitig auch sehr offensichtlich. Immer wieder merkt man als Leser, dass bestimmte Szenen, bestimmte Dialoge nicht der Handlung des Buches dienen, sondern einzig für die Erinnerungsauffrischung des Lesers bestimmt sind.

Die Charakterisierung der Figuren ist halbwegs geglückt. Anfangs beschränkt sich der Autor auf das bloße Nennen von Eigenschaften, die in den Vorgängerromanen ausführlicher ausgearbeitet waren, erst später werden die Figuren durch ihre Handlung charakterisiert.

Trotz des Versuches, ein möglichst breites Charakterbild der Hauptfiguren zu zeichnen, kommt es immer wieder zu Szenen, in denen die Figuren außerhalb dieses charakterlichen Spektrums handeln und man als Leser zumindest die Stirn runzelt. Dies ist aber wiederum auch ein konzeptionelles Problem, da die Figuren von verschiedenen Autoren entwickelt wurden.

Mangelte es den Vorgängerromanen teilweise an zusammenhängender Handlung, so ist dies hier kaum zu spüren. Alles was in diesem Roman passiert, hat auch konkret mit diesem Roman zu tun. Sicherlich werden Handlungsfäden gestartet, die wohl in den folgenden Bänden wieder aufgegriffen werden sollen, aber diese offenen Enden stören nicht so sehr. Trotzdem gibt es auch hier Kritikpunkte. Der Autor hat in seiner Handlung große Lücken gelassen. Zwischen zwei Kapiteln Rhiana betreffend, liegen Wochen in denen, wie man aus Rückblicken erfährt, viel passiert ist. Diese Auslassungen sind schade, zumal andere Szenen eher überflüssig erscheinen.

Leider kommt die Story der Serie auch nicht wesentlich weiter. Zwar gibt es einen Fortschritt, aber der ist für den Leser noch nicht bewertbar, da es eher ein Aufhänger für den Folgeroman ist.

Somit macht sich der Autor teilweise auch seinen Spannungsbogen kaputt. Trotzdem funktioniert dieser aber in weiten Teilen. Als Leser nimmt man sowohl an den Erlebnissen Rhianas, als auch an denen ihrer Gegenspieler Anteil und hat so ein umfassendes Bild der Vorgänge. Trotzdem bleibt die Spannung erhalten. Leider verschenkt der Autor viel Zeit an Figuren, die in Folge wohl ohne Interesse bleiben werden. Mag sein, dass die entsprechenden Szenen zur bewussten Irreführung des Lesers dienen sollen, es weckt aber den Unmut des Lesers, wenn dafür an anderen interessanteren Schauplätzen gespart wird.

Sehr seltsam mutet die Tatsache an, dass der Autor mal eben Mächte aus dem Hut zaubert, die in Aventurien unbekannt sind. Ohne weiter ins Detail gehen zu wollen, scheint es doch so, als wolle man sich mit der "Rhiana"-Serie ein wenig von der doch stark reglementierten Welt des DSA-Rollenspiels absetzen und eigene Elemente einbauen. Wie auch immer, es bleibt zu hoffen, dass Herr Alpers als Konzeptgeber der Serie in den folgenden Romanen gute Erklärungen bereithält, die seine extravaganten Ideen wieder in die Welt des Schwarzen Auges integrieren können. Schließlich sind wohl hauptsächlich DSA-Spieler die Leser dieser Serie, und vermutlich wollen diese Leser Romane, die in Aventurien spielen und nicht in Aventurien plus Fremdfantasy.

 

Mit diesem Buch hat Herr Alpers das Ruder der Serie wohl noch einmal herumgerissen. Trotzdem bleibt es nach wie vor fraglich, wie es weitergehen soll. Die Autoren der Serie haben einen kleinen Kreis von Protagonisten und Antagonisten ins Leben gerufen, aber jene entwickeln sich kaum noch. Auch die Gesamthandlung kommt scheinbar wenig voran. Das Versprechen, Rhiana als Tochter Rondras zu zeigen, und sie als große Kriegerin darzustellen, ist bisher nicht eingelöst worden. Mag sein, dass das Konzept langfristiger angelegt ist, und jene Entwicklung noch gezeigt wird, aber nach sechs Bänden einer solchen Serie hätte man schon etwas mehr erwarten können.

Das größte Manko bleibt aber, dass die aventurische Geschichtsschreibung nichts von Rhiana, dem Flammenbund und einigen seltsamen Begebenheiten in deren Umfeld weiß, obgleich die Handlung der Serie gerade einmal 100 Jahre in der Vergangenheit liegt. Zwar ist Rhiana noch weit davon entfernt, wirklichen Einfluss auf Aventurien zu nehmen, aber als Tochter Rondras wäre dies zu erwarten. Bislang bietet die Serie aber noch keine Erklärung für diesen Umstand.

Das ist schade und vermittelt einmal mehr den Eindruck, als wolle man sich mit dem Konzept der Serie vom Aventurien des Rollenspiels absetzen.

 

Fazit

Hans Joachim Alpers hat mit Band 6 der "Rhiana"-Serie ein akzeptables Buch geschrieben. Obwohl es an mancher Stelle deutliche Mängel hat, ist es im Grossen und Ganzen doch ein gelungenes Buch, das die Serie wieder interessant macht. Wer Rhiana bis Band 5 treu geblieben ist, sollte auch dieses Buch lesen.

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202306031316388dfb8522
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Gefangene der Zyklopeninsel

Reihe: Rhiana die Amazone Bd.6

Autor: Hans Joachim Alpers

Broschiert

346 Seiten

Piper

Erschienen: April 2006

ISBN-10: 3492291066

ISBN-13: 978-3492291064

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 16.05.2006, zuletzt aktualisiert: 07.08.2022 14:43