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Gegen die Finsternis von Melissa Marr

Hörbuch

 

Rezension von Christel Scheja

 

Rezension:

Mit „Gegen das Sommerlicht“ tauchte Melissa Marr schon einmal in die magischen Gefilde der Anderswelt ein, die enger mit der unseren Welt verbunden ist als man denkt. Sie führt damit die Tradition der ersten Urban Fantasy-Autoren weiter, die auch schon Helden und Schurken keltisch-britannischer Sagen in der modernen Welt agieren ließen und dabei daran erinnerten, dass Elfen und Feenwesen nicht unbedingt die zarten und harmlosen Libellengeschöpfe sind, welche die Kinderbücher aus der viktorianischen Zeit in den Köpfen vieler Leser zementiert haben.

 

Und nun geht sie in „Gegen die Finsternis“ noch einen Schritt weiter. Ashlyn, die Heldin aus dem ersten Band ist nun nur noch eine Nebenfigur. Im Mittelpunkt der Geschichte steht nun Leslie, die aus einer zerrütteten Familie stammt. Ihre Mutter ist bereits vor einigen Jahren fortgegangen und hat die Kinder bei ihrem alkoholabhängigen Mann gelassen. Da ihr Bruder den Schmerz über den Verlust durch die Einnahme von Drogen kompensiert hat, musste Leslie vor der Zeit erwachsen werden. Und so ist sie reifer als viele andere, jobbt neben der Schule als Kellnerin um Geld für Miete und Essen ins Haus zu bringen und versucht vor den anderen die Fassade einer Familie aufrecht zu erhalten, in der alles in Ordnung zu sein scheint. Dabei hat sie selbst schon am eigenen Leib erfahren, dass dem ganz und gar nicht so ist, denn sie wurde bereits einmal vergewaltigt.

Um sich selbst zu beweisen, dass ihr Körper immer noch ihr selbst gehört, spart sie eisern, um sich ein besonderes Tatoo zu leisten, nicht ahnend, das bereits Kräfte und Wesen auf sie aufmerksam geworden sind, die genau diese Erfahrungen für sich nutzen wollen. Irial, der Herrscher des „Dunklen Hofes“ sorgt dafür, dass das Tatoo mit einer besonderen Tinte gestochen wird, die ein Band zu ihm schafft. Mit ihren düsteren Gefühlen wie Schmerz, Verzweiflung, Einsamkeit und Trauer soll sie ihn und die anderen nähren.

Aber dann zeigt sich, dass Niall auch noch ein Wörtchen mitzureden hat. Auch der ehemalige Vertraute des Dunklen Königs, der jetzt eine tiefe Freundschaft mit Keenan vom Sommerhof pflegt, der Ashlyn für sich gewinnen konnte, hat ein Auge auf Leslie geworfen und versucht zu verhindern, dass sie alles verliert und am Ende sogar stirbt. Doch damit zieht er das Mädchen nur in einen Krieg, der schon lange zwischen den einzelnen Höfen schwelt und alles scheint verloren.

 

Wieder gerät ein Mädchen in den Bann der Elfenhöfe und gerät zwischen die Fronten, während sich zwischen ihr und einem der Männer aus der Anderswelt eine Liebesgeschichte entspannt. Allerdings trifft es Leslie um einiges härter als Ashlyn, denn wirkliche Zuneigung erhält sie am Ende nur von einem.

Melissa Mar spielt wieder mit den Elementen aus britschen Sagen und zeigt, dass Elfen und Feen nicht gerade freundliche wesen sind. Allerdings nimmt auch die Liebesgeschichte einen breiten Raum ein, so dass trotz aller Grausamkeit auch eine Art von düsterer und melancholischer Romantik aufkommt.

Letztendlich kann die Autorin diesmal aber nicht ganz so verzaubern wie mit „Gegen das Sommerlicht“, denn einerseits nimmt sie sich zu viel Zeit um die tragische Heldin einzuführen, andererseits wird auch vieles zu dick aufgetragen. Natürlich ist Leslie nur dadurch die Auserwählte, weil sie aus einer zerrütteten Familie kommt und genug gelitten hat, und natürlich ist der „Hof der Finsternis“ um einiges zerrissener als die anderen Elfenhöfe und Irial erinnert eher an einen Dämonen oder Vampir.

Alles in allem bleibt die Geschichte aber doch in einem erträglichen Maß, da all zu unangenehme Grausamkeiten ausgeblendet werden.

Das Hörbuch gewinnt durch die Kürzungen. Es ist etwas spannender und dynamischer als das Buch, da sich die Handlung auf das wesentliche konzentriert. Wiebke Puls liest nüchtern und übertreibt nur selten, gerade einmal bei zwei oder drei Elfen versucht sie deren Natur hervor zu heben. Aber das schafft auch die passende Atmosphäre. Sie sorgt dafür, dass man der Handlung gut folgen kann.

 

Fazit:

„Gegen die Finsternis“ ist durch seine düstere Handlung eher für ältere Mädchen interessant, die melancholische Geschichte mit geheimnisvollen Männern und düsteren magischen Kräften mögen und denen es nicht so sehr auf das Abenteuer ankommt. Allerdings kann das Buch nicht mehr die Spannung und Tiefe seines Vorgängers erreichen.

Eure Meinung:


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Hörbuch:

Gegen die Finsternis

gekürzte Lesung

Autorin: Melissa Marr

Übersetzerin: Birgit Schmitz

Sprecherin: Wiebke Puls

Umfang:4 CDs

Laufzeit: ca. 308 Minuten

Silberfisch/Hörbuch Hamburg, März 2008

Titelbild von Sonja Pletes

Alter: 16

 

ISBN-10: 3867420300

ISBN-13: 978-3867420303

 

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 05.09.2009, zuletzt aktualisiert: 15.10.2018 10:58