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Geistergeschichten von Rhoda Broughton

Reihe: Bibliotheca Arcana, Bd. 4

Rezension von Christel Scheja

 

Der Verlag Lindenstruth hat es sich zur Aufgabe gemacht längst vergessene Perlen der Phantastik auszugraben und einen interessierten Publikum zu präsentieren. Dabei kommen überraschende Werke und interessante Autoren zum Vorschein, die man entweder gar nicht mehr oder nur durch Zufall vom Namen her kennt.

 

Eine davon ist Rhoda Broughton, einer Nichte des viktorianischen Romanciers Sheridan LeFanu, die von 1840 bis 1920 lebte und einundzwanzig Romane veröffentlichte.

Die hier vorliegenden Kurzgeschichten und Novellen repräsentieren die verschiedenen Phasen ihres Schaffens. Allen ist gemein, dass in die scheinbar heile Lebenswelt ihrer Protagonisten leise und unerwartet das Unerklärliche einbricht.

Eine Dame der guten Gesellschaft fühlt sich krank, was einerseits an einer Erkältung liegen kann, andererseits aber auch an einem Traum, der sie in den letzten Tagen mehrfach gequält hat. Deshalb – und auch um ihren all zu fürsorglichen Töchtern zu entgehen – beschließt sie „Mrs. Smith von Longmains“ aufzusuchen, mit der ihre Alptraumvisionen zu tun haben. Sie macht bei dem Besuch allerdings keine gute Figur und erweckt den Anschein nicht ganz richtig im Kopf zu sein. Erst ein Jahr später erweist sich, dass sie einen grausamen Mord verhindert hat. Um ähnlich düstere und verhängnisvolle Todesahnungen geht es in „Bettys Visionen“ und „Der arme hübsche Bobby“.

„Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit“ teilen sich zwei Freundinnen in einem angeregten Briefwechsel mit, in dem ein verwunschenes Zimmer eine besondere Rolle spielt, das den Tod bringt, wenn man nicht aufpasst. Ähnlich aufgebaut ist „Sind Träume Schäume?“

Abgerundet wird das Buch mit einer kurzen Biographie über Leben und Werk von Rhoda Broughton.

 

Geister und düstere Visionen, Todesahnungen und Alpträume sind die Elemente, mit denen die Autorin eine schaurige und unheimliche Atmosphäre heraufbeschwört, die unvermittelt und dann für eine gewisse Dauer das Leben ihrer Heldinnen beeinflussen.

Diese sind ungewöhnlich selbstbewusste Frauen, die sich selbst innerhalb der strengen gesellschaftlichen Grenzen des viktorianischen Zeitalters zu behaupten wissen. Sie stehen im Mittelpunkt der Handlung, machen sich Gedanken, kombinieren und handeln, anstatt sich an jemand anderen zu wenden und helfen zu lassen. „Geistergeschichten“ bietet zudem einen interessanten Einblick in die weibliche Lebenswelt der viktorianischen Epoche ohne jedoch melodramatisch oder all zu kitschig gefühlvoll zu wirken.

Die Geschichten brechen damit aus dem klassischen Schema vieler Romane dieser Epoche aus und versprühen trotz ihrer manchmal etwas antiquierten Erzählweise einen immer noch modernen Charme und lassen das Talent der intelligenten und eigenwilligen Autorin in hellem Licht erstrahlen.

 

Die „Geistergeschichten“ mögen vielleicht nicht sehr viel Grauen verbreiten, sie schlagen aber dennoch durch ihre Lebendigkeit der Erzählung den Leser in ihren Bann und sind ein Leckerbissen für alle Freunde der phantastischen Literatur des 19. Jahrhunderts.

Eure Meinung:

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Geistergeschichten

Reihe: Bibliotheca Arcana Bd. 4

Autorin: Rhoda Broughton

Broschiert, Paperback, 144 Seiten

Verlag Lindenstruth, Gießen erschienen 2004

Übersetzung aus dem Englischen von Michael Siefener, Hubert Katzmarz und Helene Mordaunt

ISBN: 3-934273-04-1

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 17.12.2006, zuletzt aktualisiert: 03.04.2021 13:26