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George A. Romero’s Survival of the Dead (BR; Horror; FSK 18)

Rezension von Torsten Scheib

 

Rezension:

George A. Romero. Muss man über diesen Mann tatsächlich noch Worte verlieren? Er ist Wegbereiter und Visionär; Kreativer und Kritiker in einer Person. Und neben Stephen King wohl der Erschaffer des modernen Horrors. Was Romero 1969 mit Nacht der lebenden Toten begann und mit Filmen wie Crazies (1973) oder Dawn of the Dead (1978) konsequent und unbeirrbar fortgeführt hat, hallt bis heute in literarischen wie cineastischen Elaboraten nach, wenngleich es nur äußerst wenigen bislang gelungen ist, die Mischung aus knallhartem und zumeist bluttriefendem Schrecken mit Metaphern beziehungsweise subtilen, aber durchaus nachvollziehbaren Gesellschaftskritiken ähnlich überzeugend nachzustellen. Sicher, man könnte Romero eine gewisse Eindimensionalität vorwerfen, indem er seit über vierzig Jahren überwiegend Filme in jenem Genre inszeniert, dass er praktisch eigenhändig erschaffen hat. Andererseits: Warum machen die australischen Rock-Titanen AC/DC seit fast vier Dekaden das Gleiche? Weil sie darin am Besten sind. Und was für Angus Young & Co. der Rock and Roll, sind für den gebürtigen New Yorker Romero eben die Zombies.

Wobei Romero in seiner bewegten Karriere alles andere als ein Freund des Mainstreams gewesen ist und diesen Status in den letzten Jahren von neuem gehegt hat. War seine triumphal-unterhaltsam-garstig-zeitgemäße Rückkehr in die Welt der Untoten, Land of the Dead (2005) noch von einem der großen Studios unter die Fittiche genommen worden, hatte sich Romero bereits mit seinem Nachfolgewerk, Diary of the Dead (2007) schon wieder davon abgewandt und ganz im Geiste eines Independent-Filmschaffenden gearbeitet. Demzufolge niedriger fiel aber auch das Budget aus; ein, nicht gerade geringer, Makel, mit dem der Regisseur auch bei seinem aktuellen Werk, Survival of the Dead zu kämpfen hatte. Oder etwa doch nicht?

 

Die Ausgangslage dürfte bekannt sein: Die lebenden Toten haben den Planeten überrannt und die Menschheit bis auf wenige Überlebende praktisch vollständig dezimiert. Wer weiterhin sein Dasein als Mensch fristen und nicht als Zombiefutter enden oder den marodierenden Banden zum Opfer fallen will, der muss hart sein. Gegenüber sich selbst und jedem anderen. Eine Maxime, die sich auch der grimmige Sarge (Alan Van Sprang) und der verbliebene Rest seiner Truppe auf die Fahnen geschrieben haben. Längst haben sie ihre Bestrebungen, die fragile Winzigkeit einer Ordnung aufrecht zu erhalten, aufgegeben. Wozu auch auf Befehle hören, wenn diese selbst von den eigenen Vorgesetzten bewusst missachtet werden? Doch mit Plündern und Überleben ist es nicht getan; sucht die bunt zusammengewürfelte Truppe nach einem dauerhaft sicheren Unterschlupf, einer zombiefreien Zone.

Etwa zur selben Zeit beginnt eine lange auf Sparflamme gehaltene Fehde auf der kleinen Insel Delaware, irgendwo im Nordosten dessen, was einstmals die Vereinigten Staaten waren, erneut aufzulodern. Auslöser sind auch dort die zurückgekehrten lebenden Toten. Für den einen Clan, den O’ Flynns sind sie seelenlose Monster, die man nur auf eine Art und Weise dezimieren kann: mittels dem endgültigen Tod. Das sieht das Oberhaupt des anderen Insel-Clans, Shamus Muldoon (Richard Fitzpatrick) jedoch ganz anders. Für ihn sind die Zombies – oder „Deadheads“ wie sie im Film genannt werden – nach wie vor Menschen. Einstige Freunde und Verwandte, die sich zwar zugegebenermaßen in Kannibalen verwandelt haben mögen, doch deren „Flausen“ man auch durchaus wieder aus den madenverseuchten Schädeln treiben kann. Und zwar nicht mit einem gut gezielten Kopfschuss und auch keiner Enthauptung. Zähmung und Domestizierung lauten die Zauberworte. Doch dafür muss man bereit sein, die Deadheads, wenngleich auch in sehr eingeschränktem Maße, wieder zu einem Teil der Gesellschaft werden zu lassen. Eine Vorgehensweise, für die Patrick O’ Flynn (Kenneth Welch) keinerlei Verständnis hat und sich mittels Feuergewalt auch Verhör verschaffen möchte.

Leider unterliegen O’ Flynn und seine Handvoll Gefolgsleute und werden von Delaware aufs Festland verbannt. Doch so leicht gibt der alte Haudegen nicht auf. Mittels Internet sendet er regelmäßige Podcasts, die Überlebende dazu auffordern sollen, seine einstige Heimat aufzusuchen. Denn nur dort sei ein Leben in Frieden und dauerhafter Sicherheit gewährleistet.

Dank eines aufgegabelten Jungen (Devon Bostick) erfahren schließlich auch der Sarge und seine Leute von der sagenumwobenen Insel Delaware. Gemeinsam wird beschlossen, es auf einen Versuch ankommen zu lassen. Doch schon im Hafen versuchen O’ Flynns Männer den einstigen Soldaten in den Nacken zu fallen. Ein Vorhaben, das gründlich in die Hose geht und mit Patrick O’ Flynn nur einen Überlebenden vorzuweisen hat. Dieser macht gute Miene zum bösen Spiel und verbündet sich mit dem Feind. Zusammen und auf einer kleinen Fähre wird schließlich Delaware angesteuert. Doch die vorherrschende Idylle ist trügerisch …

 

Eins gleich vorweg: Man sieht dem Film das doch arg limitierte Budget stellenweise an. Besonders in den Gore- und Splatterszenen wurden doch reichlich Federn gelassen. So originell und neu Romeros Zombietötungseinfälle auch sind, mit schlechter CGI wirken sie manchmal einfach nur lächerlich. Ohnehin: warum so viel Rot aus dem Computer? Gerade im Vergleich zwischen handgemachten und per Rechner erzeugten Effekten stinkt letztere Variante nicht selten ganz schön böse ab – und so viel teurer kann doch hausgemachtes Kunstblut nicht sein, oder? Doch dieser Mangel ist im Grunde nur marginal, da Romero weiterhin ein exzellenter Erzähler ist und dank seiner Story diese Unzulänglichkeiten größtenteils überdeckt. Und dazu zählt auch seine relativ schlichte, aber dennoch hochgradig gehaltvolle Bildsprache, die nicht selten ganz wenig benötigt, um maximale Aussagekräftigkeit zu erreichen. Eine Eigenschaft, die auch schon in „Nacht der lebenden Toten“ deutlich auszumachen war. Und wie auch schon damals konzentriert sich Romero nicht auf das globale Ausmaß der Untoten-Pandemie. Vielmehr gilt sein Fokus einer kleinen Gruppe; liegt sein gesamtes Augenmerk auf einen ganz speziellen Mikrokosmos. Eine weitere, ganz besondere Stärke des Altmeisters … eigentlich. Denn diesmal wirkt Romeros Werk stellenweise überraschend langatmig und seine Pro- und Antagonisten und deren zugesprochene Sprechzeilen oftmals arg klischeehaft und überzeichnet. Selbst wenn es von Romero bewusst so gehandhabt sein soll: zuviel ist einfach zu viel. Andererseits ist solch eine Übercharakterisierung; eine dermaßen klare Trennlinie zwischen Schwarz und Weiß ein wichtiges Element des klassischen Westerns – denen Romero in „Survial …“ deutlich Tribut zollt. Dadurch entstehen auch, besonders für das Zombie-Subgenre, bislang neue Bilder: tolle und ausgeprägte Aufnahmen von weiten, offenen Landabschnitten etwa. Oder friedliche Abschnitte von ländlichen Gegenden bei Tage, bis die ersten Untoten daherwanken. Zombies im nebligen Morgengrauen oder am helllichten Tage – derlei sieht man auch relativ selten. Und wie schon in „Land of the Dead“ angedeutet, fährt Romero fort, seine verwesten und madenverseuchten Lieblinge eingehender zu studieren; ihnen jenen Raum zuzugestehen, der ausreichend genug ist, um sich weiterzuentwickeln. Ist diesmal also Evolution die prägnante Aussage Romeros? Eigentlich nicht. Wer genauer hinschaut, der entdeckt nämlich hinter den Muldoons und O’ Flynns eine ganz andere Parallele, stellen die beiden verfeindeten Clans nichts anderes als die Demokraten auf der einen und die Republikaner auf der anderen Seite dar. Und beide mögen zwar ihre Standpunkte haben, doch im Grunde führt weder das eine noch das andere zu nichts. Ganz wie man es eben aus der Politik kennt.

 

Das Romero diese Parabel erneut dezent und nicht mit dem Holzhammer vorträgt, spricht für ihn. Das „Survival of the Dead“ im Romero’schen Schaffen allerdings eher im Mittelfeld rangiert, weniger. Doch selbst dann lohnt sich noch immer ein Besuch in der Postapokalypse, da guter Romero-Durchschnitt noch immer ersprießlicher ist, als ein Großteil dessen, was die vermeintliche Konkurrenz auf Zelluloid bannt. Bleibt zum Abschluss noch die Qualität der besprochenen Blu Ray, die sich in punkto Farbentiefe und Bildschärfe deutlich vom Kollegen DVD abhebt. Dadurch ändert sich der Low Budget-Faktor von „Survival of the Dead“ zwar nur marginal, lässt aber insbesondere die hübsch eingefangenen Groß- und Landschaftsaufnahmen sehr gut hervortreten. Einen kleinen Abzug gibt es dagegen bei den Extras. Das durchaus schon als selbstverständlich zu erachtende Making-Of darf nicht fehlen, wozu aber die internationalen Shout-outs (also die gleichen Ansagen, nur in anderen Sprachen) auf die blaue Scheibe gebannt wurden, entzieht sich dem Rezipienten völlig.

 

Fazit:

Mit „Survival of the Dead“ bleibt Altmeister Romero sich selber treu. Neben reichlich Zombies und jeder Menge Gore kommt selbst der schwarze Humor nicht zu kurz und eine subtile kritische Note darf natürlich auch nicht fehlen. Leider kränkt der Film aber auch an einem oftmals uninspiriert wirkenden Drehbuch und dem geringen Budget. Sehenswert ist der Film aber dennoch allemal.

Eure Meinung:


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BR:

George A. Romero’s Survival of the Dead

Originaltitel: George A. Romero’s Survival of the Dead

USA/Kanada, 2010

Regie: George A. Romero

Format: Widescreen

Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bildseitenformat: 16:9 - 2.35:1

FSK: 18

Splendid, 29. Oktober 2010

Spieldauer: 90 Minuten

 

ASIN: B003U65894

 

Erhältlich bei Amazon

 

Darsteller:

Alan van Sprang

Kenneth Welsh

Kathleen Munroe

Devon Bostick

Richard Fitzpatrick

Athena Karkanis

Joris Jarsky


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Erstellt: 27.11.2010, zuletzt aktualisiert: 27.03.2020 10:23