Ghibliverse (Autoren: Michael Leader und Jake Cunningham)
 
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Ghibliverse von Michael Leader und Jake Cunningham

Ein inoffizieller Guide zu einer magischen Welt

 

Rezension von Ingo Gatzer

 

Michael Leader und Jake Cunningham lassen sich mit Fug und Recht als Ghibli-Spezialisten bezeichnen. Das Duo bietet nicht nur seit sechseinhalb Jahren mit der Ghibliotheque einen erfolgreichen Podcast zum wahrscheinlich berühmtesten Filmstudio Japans an. Die beiden haben auch bereits mehrere Bücher zu diesem Thema veröffentlicht. Mit Ghibliverse widmen sie dich quasi dem »Drumherum« um die erfolgreichen Animationsfilme.

 

Dabei ist vor allem das erste Kapitel Bevor es Ghibli gab für Fans des Filmstudios aufschlussreich. Hier geht es allerdings nicht um den Film Nausicaä aus dem Tal der Winde, der ja eigentlich vor der Gründung des Studios entstand, aber dennoch im Allgemeinen dennoch als Ghibli-Film gilt. Diesen haben sich die beiden Podcaster ja auch bereits in ihrem lesenswerten Werk Ghibliothek behandelt. Thema des Auftaktkapitels sind vielmehr die ersten Arbeiten der Aushängeschilder des Animationsstudios – nämlich Hayao Miyazaki und Isao Takahata. Zu jedem ihrer Filme gibt es gut recherchierte und ansprechend bebilderte Texte, die sich mit den Werken befassen, aber auch Verbindungen zu späteren Ghibli-Werken aufzeigen. Das reicht von The Little Norse Prince im Jahr 1968 – der ersten Zusammenarbeit von Miyazaki und Takahata – bis zur Serie Die Abenteuer des Sherlock Holmes (1984), bei der Hayao Miyazaki die ersten Folgen inszenierte. Einer der wenigen Kritikpunkte ist die Tatsache, dass sich die Autoren immer wieder auf (fehlende) Veröffentlichungen auf dem britischen Markt beziehen. Viel spannender wäre für hiesige Leserinnen und Leser allerdings die Situation in Deutschland. Das ist den britischen Autoren selbst zwar kaum vorzuwerfen, da sie sich auf ihren Heimatmarkt beziehen. Ein paar Erläuterungen von Panini für das deutsche Publikum wären hier aber durchaus wünschenswert gewesen.

 

Der zweite Teil Ghibli für Kenner enthält Projekte, die nicht zum eigentlichen Ghibli-Kern zählen. Das beginnt bei dem berühmten Dokumentarfilm Die Geschichte der Yanagawa-Kanäle und umfasst auch einige Kurzfilme, die teilweise nur im japanischen Ghibli-Museum und dem Ghibli-Park zu sehen sind. Dabei stellen die Autoren mit Ronja Räubertochter auch einen Film-Geheimtipp von Hayao Miyazakis Sohn Goro vor. Disney+-Abonnenten können Zen: Grogu und die Rußmännchen immerhin kostenlos sehen. Dabei ist der in diesem Buch enthaltene Text dazu allerdings fast unterhaltsamer als der ziemlich kurz geratene Film selbst.

 

Im dritten Kapitel widmen sich Michael Leader und Jake Cunningham dem Sound Ghiblis. Dabei gehen die Autoren (natürlich) kenntnisreich auf die Arbeit von Joe Hisashi ein, der zu Recht als legendärer Haus- und Hofkomponist des japanischen Filmstudios gilt. Sie belassen es zum Glück nicht nur bei einem Vergleich mit der Komponistenlegende John Williams, sondern gehen auch auf die Entwicklung von Hisashis Kunst in den einzelnen Ghibli-Filmen ein. Zudem thematisieren sie die besten Ghibli-Soundtracks, die nicht von Hisashi stammen – etwa die musikalische Untermalung von Der Mohnblumenberg von Satoshi Takebe. Den Abschluss bilden Vorschläge für ein Ghibli-Mixtape, das für Fans zahlreiche Ohrwürmer bieten dürfte.

 

Das Kapitel Ghibli im Alltag geht für Filmfans als schmückendes Beiwerk durch. Immerhin gibt es hier einige spannende Informationen zu Orten wie dem Ghibli-Museum oder dem Ghibli-Themenpark zu erfahren. Auch Dinge wie die von Hayao Miyazaki entworfene »Ni-Tele Really Big Clock« oder die Theateradaptionen von Chihiros Reise ins Zauberland oder Mein Nachbar Totoro sind Thema. Ähnlich ist auch der Stellenwert des Kapitels „Der Ghibli-Buchklub“, bei dem es um die vom Studio adaptierten Romanvorlagen geht.

 

Die letzten beiden Kapitel werden dann wieder richtig spannend. Thema sind hier zunächst die Ghibli-Dokus. Leider sind die meisten der Dokumentarfilme zum japanischen Filmstudio schwer zu erhalten. Darüber trösten die ausführlichen Texte von Michael Leader und Jake Cunningham aber hinweg.

 

Anime-Fans kommen vor allem im Abschlusskapitel Ghiblis Vermächtnis auf ihre Kosten. Denn hier gehen die Autoren auf zahlreiche Filme im Geiste der Ghibli-Werke ein. Hier finden sich etwa Highlights wie Mary und die Blume der Hexen von Hiromasa Yonebayashi.

Fazit

»Ghibliverse« ist für Fans des (japanischen) Animationsfilms vielleicht kein Must-have wie der Band »Ghibliothek«. Aber es ist für Ghibli-Anhängerinnen und -Anhänger dennoch eine gut recherchierte, ansprechend geschriebene und unterhaltsame Ergänzung. Zu kritisieren bleibt lediglich die an einigen Stellen spürbare Ausrichtung auf eine britische Leserschaft. Hier wären Ergänzungen (des Verlags) für ein deutsches Publikum ein schöner Service gewesen.

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Buch:

Ghibliverse

Ein inoffizieller Guide zu einer magischen Welt

Original: Ghibliverse. Studio Ghibli Beyond the Films, Oktober 2024

Autoren: Michael Leader und Jake Cunningham

Übersetzung: Martin Gericke

Panini Verlag, 10/2024

Gebundene Ausgabe, 192 Seiten

 

ISBN-10: 3833245492

ISBN-13: 978-3833245497

 

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 06.12.2024, zuletzt aktualisiert: 18.01.2026 10:13, 23959