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Ghost in the Shell, S.A.C. 2nd GIG, Vol. 7

Rezension von Oliver Kotowski

 

Rezension:

Sektion 9 hat Kuzes Plan durchschaut: Mittels zweier Atombomben soll die Unabhängigkeit der Flüchtlinge gesichert werden - indes: Hat Kazundo vom Innenministerium schon seinen letzten Zug gemacht?

 

Jahrzehntelang lebten die asiatischen Flüchtlinge des 3. und 4. Weltkrieges auf der japanischen Insel Dejima ohne integriert zu werden - beide Seiten hatten sich mit der Situation abgefunden. Dann begann eine Terroristengruppe, "Die Unabhängigen Elf", mit Gewalt gegen die Flüchtlinge vorzugehen. Die Anschläge erfüllten zwei Funktionen: Einerseits isolierten sie die Flüchtlinge weiter von der japanischen Gesellschaft und andererseits schufen sie ein Gruppenbewusstsein. Kuze, der Einzige der Gruppe, der kein Selbstmord beging, setzte sich danach an die Spitze der Flüchtlingsorganisation und versucht für sie ein besseres Leben durch Unabhängigkeit von Japan zu erstreiten. Die Cyberbrains der Terroristen waren mit einem Computervirus infiziert, der sie zu diesen Taten antrieb - so auch Kuze. Es stellt sich die Frage, ob er unabhängig vom Virus agiert oder nur die Marionette des intriganten Kazundos ist, der anscheinend andere Pläne für Japan hat als die Premierministerin Kayabuki. Es gilt für die Sektion 9 den Terroristen Kuze aufzuhalten, damit er nicht dem Verschwörer Kazundo weiter in die Hände spielt.

 

Dieses ist die siebente von acht DVDs der zweiten Staffel der Anime Serie Ghost in the Shell - Stand Alone Complex. Sie enthält die Episoden 20 bis 22. Episode 20 Verwirrung im Norden: Der Sektion 9 wird zugespielt, dass Kuze sich mit einem ehemaligen Agenten treffen will, der jetzt für die russischen Mafia arbeitet. Anscheinend ist der Russe im Besitz von waffenfähigen Plutonium und bereit dieses den Flüchtlingen zu verkaufen. Der Deal soll auf der Insel Ororastafu, nahe der russischen Grenze stattfinden. Dort geht man verschiedenen Spuren nach: Anscheinend sind die Verschwörer um Kazundo in die Sache verwickelt. Dann wird Kuze aufgespürt. Episode 21 Flucht: Bei der Übergabe taucht nicht nur die Sektion 9 auf, sondern auch gepanzerte Kampfanzüge. Es entwickelt sich eine wilde Schiesserei. Die Flüchtlinge flüchten mit einem Schmugglerboot; sie erleiden selbst zwar einige Verluste, können aber die Sektion 9 ebenfalls hart treffen. Mit starkem Handicap nimmt Major Kusanagis Truppe die Spur wieder auf - doch es scheint, als wären sie stets einen Schritt zu spät. Episode 22 Geisterstadt: Fukuoka muss evakuiert werden: Dort wurde eine Atombombe gefunden. Das Innenministerium geht davon aus, dass die Flüchtlinge hinter diesem terroristischem Anschlag stecken. Nicht so Chief Aramaki. Er kann zwar die Premierministerin Kayabuki davon überzeugen, dass Sektion 9 in diesem Fall die Ermittlungen übernimmt, doch das Kriegsrecht bleibt über Dejima verhängt. Während Borma und Paz die Bombe untersuchen, konfrontiert Batou Kazundo: Wie weit ist er in die Vorgänge verstrickt - und wie weit wird er noch gehen?

 

Die ersten zwei Episoden hängen eng zusammen. Schnell geht es zum Schauplatz und die gezogenen Waffen machen das Bedrohliche der Situation unübersehbar. Schließlich brechen Gewalttätigkeiten aus - und Episode 20 endet in einem Cliffhanger. Episode 21 nimmt dann den Faden direkt auf und wenngleich es noch einige Zeit bedrohlich bleibt, klingt die Gewalt nach einem weiteren Höhepunkt ab. Damit folgen die beiden Episoden einem ungewöhnlichem Schema: Zunächst scheint es sich um einen recht üblichen Polit-Thriller zu handeln, der dann schnell in einen Action-Film umschlägt: Es gilt Hinweise zu finden, wie der Terrorist Kuze beim Atombombenkauf aufgehalten werden kann; diese fallen den Ermittlern quasi in den Schoß und bald werfen die Feuerwaffen vollautomatisch die Patronenhülsen aus. Soweit so normal; doch statt des klärenden Showdowns gehen die Parteien wiederum auseinander, ohne dass eine endgültige Entscheidung gefallen ist. Sektion 9 muss wieder zu den Ermittlungen zurückkehren, was doppelt frustriert: Einerseits war man der Zerschlagung der Terroristen schon so nahe und andererseits waren die Feinde beim verwischen der Spuren sehr gründlich. Die Spannungsquellen liegen klar auf der Hand: Es sind der sich rasant entwickelnde Plot, die Eskalation der Gesamtsituation, bedrohliche Ausbrüche von Gewalt und ein paar Hinweise im politischen Rätselspiel. Episode 22 ist dann wieder ganz Polit-Thriller. Chief Aramaki diskutiert mit der Premierministerin die politische Lage und inwiefern Teile der Regierung an der Eskalation beteiligt sind und Batou konfrontiert in einem Katz-und-Maus Spiel den eigentlichen Gegenspieler Kazundo; die Entschärfung der Atombombe ist für einen Polit-Thriller ein ungewöhnliches Plot-Element; so etwas tritt eher in Action-Krimis auf. Doch von der Funktion her passt es wieder gut zur Folge, denn spannend ist weniger die eigentliche Entschärfung, sondern die Frage, ob sich die Bombe als Beweismittel gegen die politischen Verschwörer verwenden lässt.

 

Die Figuren werden in diesen Folgen kaum charakterisiert. Die Sektion 9 Mitglieder sind Vollprofis, die ihren Job mit kalter Effizienz machen - nur Major Kusanagi und Batou weichen davon etwas ab. Der Major ist zwar nach wie vor das militärische Genie der Gruppe, doch unter dem permanenten Druck beginnt ihr Nervenkostüm Risse zu zeigen. Batou dagegen ist mit Verve bei der Sache: Wenn der Krieger mit der Vollkörperprothese seinen Feinden gegenübertritt sprechen Zorn aus seiner Stimme und Selbstbewusstsein aus seiner Haltung - Ehre und Loyalität sind für den modernen Samurai keine leeren Floskeln. Der Terrorist und Flüchtlingsführer Kuze ist ein würdiger Gegner: Er ist ein kluger Stratege, hervorragender Taktiker und exzellenter Krieger - aber auch er macht aufgrund des ständigen Drucks Fehler. Kazundo schließlich ist ein politisches und strategisches Genie. Eiskalt manipuliert er alle Faktoren um rücksichtslos seine Vision umzusetzen. Am Ende bleibt die Frage, ob es Kuze oder Major Kusanagi gelingen kann aus seinem Machtspiel auszubrechen.

 

Die Serie spielt in einem futuristischen Japan mit vielen Elementen des Cyberpunks, was vom Setting widergespiegelt wird: Die Handlung pendelt zwischen den kalten Hochglanzbüros der Machtzentren und heruntergekommenen Großstadtslums. Die düsteren Farben unterstreichen den Charakter der grimmigen Handlung. Wie üblich gibt es kaum stille Bilder: Wenn Elemente zu sehen sind, die sich bewegen sollten - wie z. B. Personen - dann bewegen sie sich auch. Der Stil ist generell sehr realistisch, ausgenommen der Figuren. Diese weisen deutliche Anklänge an den typischen Anime-Stil (Big Eyes/Small Mouth) auf, auch wenn Mimik etc. bei weitem nicht so überzogen sind.

 

Tonspuren sind die obligatorischen: japanisches Original und deutsche Übersetzung; deutsche Untertitel sind auch möglich. Ein kleiner heiterer Sketch, Das Leben der Tachikoma, folgt jeweils einer Episode. Als Extra gibt es ein Gespräch zwischen dem Regisseur Kenji Kamiyama und den Sprechern Koichi Yamadera (Togusa) und Taro Yamaguchi (Borma), sowie eines mit Osamu Saka (Aramaki) und Yoshiko Sakakibara (Premierministerin Kayabuki) die sich über ihre Figuren und ihrem Verhältnis zur Serie unterhalten. Die Trailer weiterer Animes von Panini Video bilden den Abschluss.

 

 

Fazit:

Kuze versucht sich waffenfähiges Plutonium zu beschaffen um die Unabhängigkeit der Flüchtlinge mit Nachdruck verkünden zu können und Kazundo forciert den Militäreinsatz gegen Dejima - gelingt es der Sektion 9 ausreichend Beweise zu sammeln um einen Bürgerkrieg verhindern zu können? Philosophischen Tiefgang haben die Folgen nicht, aber sie treiben rasant den spannenden Metaplot voran - das Ende naht.

 

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Ghost in the Shell, S.A.C. 2nd GIG, Vol. 7

Regisseur(e): Kenji Kamiyama

Format: Dolby, DTS, PAL, Surround Sound

Sprache: Deutsch

Region: Region 2

Bildseitenformat: 16:9

FSK: Freigegeben ab 16 Jahren

Studio: SPV

DVD-Erscheinungstermin: 4. Mai 2007

Spieldauer: 75 Minuten

DVD Features:

ASIN: B000NP9FP8

Erhältlich bei: Panini

Weitere Infos:


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Erstellt: 25.06.2007, zuletzt aktualisiert: 19.11.2018 18:04