Zurück zur Startseite


  Platzhalter

Good as gone von Amy Gentry

Rezension von Marianne Labisch

 

Verlagsinfo:

Tom und Anna haben das Schlimmste erlebt, was sich Eltern vorstellen können: Ihre 13-jährige Tochter Julie wurde entführt, alle Suchaktionen waren vergebens, die Polizei hat den Fall längst zu den Akten gelegt. Acht Jahre später taucht plötzlich eine junge Frau auf und behauptet, die vermisste Tochter zu sein. Die Familie kann ihr Glück kaum fassen. Doch schon bald spüren alle, dass die Geschichte der Verschwundenen nicht aufgeht. Anna hegt einen furchtbaren Verdacht. Sie macht sich auf die Suche nach der Wahrheit über die junge Frau, von der sie inständig hofft, dass es ihre Tochter ist, die ihr gleichzeitig aber auch fremd erscheint und das gesamte Familiengefüge gefährlich ins Wanken bringt …

 

Rezension:

Good as Gone ist ein von Anfang an atemberaubend spannendes Buch darüber, wie wenig wir die kennen, die wir lieben. Amy Gentry spielt grandios mit verschiedenen Erzählperspektiven und führt die Leser auf zahlreiche falsche Fährten – bis zum fulminanten Finale.

 

Handlung:

Eine ganz normale Familie zerbricht daran, das eine der Töchter im Alter von 13 Jahren entführt wird. Die Mutter Anna trinkt, um zu vergessen, der Vater stürzt sich in Aktivitäten, um die Tochter zu finden, die zweite Tochter wird nicht mehr wahrgenommen und protestiert stumm. Die Mutter gibt ihr unterschwellig die Schuld am Verschwinden der anderen Tochter.

Die verbliebenen drei Familienmitglieder leben nebeneinander her und haben sich mit der Situation abgefunden. Zwar hat Anna den Alkohol aufgegeben, aber trotzdem nie versucht, mit Mann oder Tochter über die Situation zu sprechen und sie so zu verarbeiten. Mitten in diesen Status platzt die vermisste Julie hinein. Sie steht vor der Tür und bricht dort zusammen.

In diesem Moment beginnt der Roman und der Leser wird Zeuge, wie die Eltern ganz langsam wieder Boden unter den Füßen gewinnen und eine normale Zukunft in greifbare Nähe rückt.

Doch dann kommt ein Privatdetektiv ins Spiel, der Zweifel weckt, ob es sich bei der jungen Frau wirklich um Julie handelt.

In Rückblenden, die vom jetzt bis zur Entführung rückwärts eingeschoben werden, erfährt der Leser, was die Person, die wahrscheinlich Julie ist, in den vergangenen acht Jahren durchgemacht hat. Zum Ende hin spitzt sich die Situation dann zu und mehr kann ich nicht verraten, ohne die Handlung vorweg zu nehmen.

 

Was gefiel?

Mir persönlich gefällt sehr gut, dass Anna, die Hauptprotagonistin, nicht auf die Tränendrüse drückt und auch mit keiner Silbe versucht Mitleid zu wecken. Sie schildert schlicht, was passiert ist, lässt nichts aus, was sie unsympathisch machen könnte und fügt nichts hinzu, was zumindest erklären würde, warum sie so gehandelt hat. Sie weiß, dass sie Fehler gemacht hat, indem sie versuchte ihre Trauer mit Alkohol zu ersäufen. Sie weiß, dass sie ihren Mann so gut wie verloren hat und sie weiß auch, dass sie die andere Tochter vernachlässigt. Aber in ihr nagt der Vorwurf, den sie bisher noch nicht laut ausgesprochen hat, dass ihre jüngere Tochter die Entführung womöglich hätte verhindern können, wenn sie geschrien hätte, oder sich zumindest sofort gerührt hätte, als der Entführer und Julie das Haus verlassen hatten, statt geschlagene drei Stunden starr vor Angst im Wandschrank zu verharren.

Ebenso wie Anna, weiß Tom, ihr Mann, dass er sich in Aktivitäten gestürzt hat, indem er Hilfsfonds und -gruppen gründete, um Julie zu finden, statt Gespräche mit seiner Frau zu führen und zu versuchen, gemeinsam die Situation zu bewältigen. Er vernachlässigt die jüngere Tochter zwar nicht so sehr wie Anna, aber auch ihm entgleitet sie Stück für Stück.

Ich mag, wie die Autorin den Leser daran teilhaben lässt, wie Anna versucht in eine reale und heile Welt zurückzukehren und wie dann doch langsam Zweifel hochkommen. Und ganz besonders gefällt mir, dass ich nie den Eindruck hatte, dass Anna Julie verstoßen würde, egal, ob sie nun ihre Tochter ist oder nicht.

Dass sie dann zu ihrer Tochter steht und sie beschützt, ist eigentlich die logische Folge.

Die Rückblenden, in denen Julies Leidensweg erzählt wird, fand ich sehr spannend, denn hier erfährt der Leser einiges über das Leben in Amerika abseits des Normalen. Hier sehen wir die schmutzigen Ecken, bekommen Einblick in das Leben der Obdachlosen, der Junkies und Überlebenskünstler. Wir erfahren, wie man sich möglichst unsichtbar macht, um nur ja nicht von den falschen Leuten bemerkt zu werden. Wir sehen die Risiken und erfahren, dass in diesem Milieu keine Freundschaften existieren. Wir sehen eine Frau, die keine gute Meinung von sich hat. Eine, die meint, sie habe zumindest eine Mitschuld an dem, was ihr widerfährt.

Auch die Rückblenden erzählen nur, was passiert. Hier wird auch nicht versucht, den Leser für sich zu gewinnen, aber meiner Meinung nach, macht diese Distanz die ganze Sache noch schlimmer. Ich kam mir vor, als lese ich einen Tatsachenbericht, der mich erschüttert, weil es immer wieder grausam ist, zu sehen, was ein Mensch dem anderen antun kann.

Achtung Spoiler, nicht lesen, falls das Buch noch gelesen werden soll.

In Anbetracht der zahlreichen Skandale, die in den letzten Jahren im Zusammenhang mit Kirche und Missbrauch herausgekommen sind, fand ich die Auflösung mit dem Prediger und Kirchengründer, dem die Massen hinterherlaufen, sehr passend. Auch hier zeigt uns die Autorin ein Bild von den Menschen in Amerika, die sich nach Halt, Geborgenheit und eine Aussicht auf bessere Zeiten sehnen und dafür auch Blendern folgen.

 

Fazit:

Mir hat das Buch ausnehmend gut gefallen, weshalb ich eine eindeutige Leseempfehlung ausspreche.

Zum Seitenanfang

Eure Meinung:

botMessage_toctoc_comments_9210
Platzhalter

Buch:

Good as gone

Originaltitel: Good as Gone, 2016

Autorin: Amy Gentry

Taschenbuch, 320 Seiten

Bertelsmann Verlag, 27. Februar 2017

Übersetzerin: Astrid Arz

Cover: Sonja Losberg

 

ISBN-10: 3570103234

ISBN-13: 978-3570103234

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B01NGTIZI9

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition

Weitere Infos:


Platzhalter
Platzhalter
Erstellt: 30.04.2019, zuletzt aktualisiert: 03.04.2021 13:26