Gottesstreiter (Autor: Andrzej Sapkowski)
 
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Gottesstreiter von Andrzej Sapkowski

Rezension von Heike Rau

 

Prag, im Jahre 1427. Auf dem Weg vom Spital nach Hause wird der junge Medicus Reynevan verfolgt. Das ist nicht das erste Mal und Reynevan versucht wie immer die Verfolger loszuwerden. Sein Freund Rodim, eine Magier, der damit beschäftigt ist, einen künstlichen Menschen zu schaffen, rät ihm allerdings, nicht zu flüchten, sondern die Verfolger mit Alltagsroutine einzuschläfern. So gehen die beiden erst einmal in den „Roten Krebs“. Am Tisch mit vier Polen sitzend, geht es um den bevorstehenden Kreuzzug. Als Reynevan überraschend aufbricht, ist von den Verfolgern niemand mehr in Sicht. Und doch lauern zwei Ganoven auf ihn, verlangen von ihm, ihnen zu folgen. Herr Neplach, genannt Filou, Oberhaupt von Spionage und Gegenspionage der Taboriten und Prokop dem Kahlen unterstehend, hat die beiden geschickt. In der Stube des Hauses, in welches Reynevan geführt wird, hängt ein Toter am Balken. Der Tote hat sich aufgehängt, bevor Filou ihn befragen konnte, nun soll Reynevan ihn identifizieren. Aber er ist nicht der, der in Schlesien an der Verschwörung um den Breslauer Bischof beteiligt war.

 

Am 4. August 1427 wird der Sieg Bruder Prokops und seiner Standarten gefeiert. Die Kreuzfahrer wurden bei Tachau besiegt. Aber später kommen 500 Berittene in die Stadt, um Prag, die Hauptstadt des Königreichs Böhmen, einzunehmen. Raynevan soll im Auftrag von Filou beobachten, wer flieht,und den Gesuchten endlich finden. Er beobachtet, wie die Bürger sich gegen Hynek von Kolšejn wenden. Er hat keine Chance. Tatsächlich macht Reynevan auch den Gesuchten, Ritter Jan Smiřický, ausfindig und überwältigt ihn zusammen mit seinem, im falschen Körper steckenden, Freund Samson Honig. Der Ritter weiß nicht nur von dem Verrat, sondern auch, wer Reynevans Bruder ermordet hat: der Berater des Bischofs Birkhart von Grellenort. Reynevan will nach Schlesien zurückkehren, um sich zu rächen. Seine Reisepläne sind für Prokop interessant. Er braucht Reynevan in Schlesien zur Vorbereitung einer geheimen Mission.

 

„Gottesstreiter“ ist ein opulenter historischer Fantasy-Roman, über den man nur staunen kann. Für den Medicus und Magier Reynevan läuft von Anfang an alles schief, so schief, dass es schon wieder nach Plan nach Plan läuft. Auch wenn ihm ständig Folter, Tod und weitaus Schlimmeres drohen, behält er durch die Intrigen und Streitereinen seiner vielen Gegner, darunter die Inquisition, immer wieder die Oberhand. Reynevan geht äußerst geschickt vor und spielt seine Gegner schonungslos gegeneinander aus, dass es eine Freude ist. Dementsprechend lebhaft ist die Handlung. Es spielen sich unglaubliche Szenen, gespickt mit deftigen Dialogen und derben Scherzen ab. Immer geht es hoch her, so dass man als Leser kaum zum Luftholen kommt. So witzig das auch sein mag, man wird schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Der Grundtenor im Buch ändert sich schlagartig. Schließlich herrscht Krieg. Da wird gemordet und gefoltert, dass es einem übel werden kann.

 

Schwer im Magen liegen auch die historischen Hintergründe. Was der Autor da an Taten und Fakten präsentiert, ist schwer in Reihenfolge zu bringen. Schade, dass ein aufklärendes Nachwort fehlt. So muss man selbst nachschlagen. Das Nachschlagen beherrscht man nach der Lektüre des Buches aber ohnehin besonders gut, da fremdsprachige Begriffen und Textpassagen hinten im Buch nachgesehen werden müssen, was den Lesefluss erheblich stört.

Dennoch ist das Buch empfehlenswert. Das Besondere ist, dass der Autor viele Legenden, die das Gruseln lehren, wieder auferstehen lassen hat. Auch so manche Figur, wie Reynevan, ist mit magischen Fähigkeiten ausgestattet. Diese Dinge werden im Buch so selbstverständlich präsentiert, dass man sie fast schon glauben mag. Und das will was heißen.

 

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Buch:

Gottesstreiter

Autor: Andrzej Sapkowski

Gebundene Ausgabe: 820 Seiten

Verlag: Dtv (November 2006)

ISBN: 3423245719

Erhältlich bei Amazon


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Erstellt: 16.11.2006, zuletzt aktualisiert: 13.02.2024 15:29, 3063