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Gralszauber von Wolfgang und Heike Hohlbein

Reihe: Gralszauber, Band 1

Rezension von Christel Scheja

 

Es gibt Sagen, die schon so oft nacherzählt wurden, dass man sich immer wieder wundert, wie Autoren immer noch eine neue Variation der Geschichte einfallen kann, ohne dabei jedoch den Kern des Mythos außer Acht zu lassen. An der Spitze der auserwählten Legenden steht wohl eindeutig die Geschichte von König Artus und den Rittern der Tafelrunde.

Nicht nur anglo-amerikanische Autoren haben sich der Saga angenommen, auch Wolfgang und Heike Hohlbein präsentieren nun ihre Variante der altbekannten Ereignisse.

 

Dulac ist als Findelkind im Schatten von König Artus Hof aufgewachsen. Als Schankjunge dient er in der Königsburg. Auch wenn er von einem Wirt aufgezogen wurde, so ist es doch Dagda der königliche Koch, der seine Hand schützend über den Knaben hält und dafür sorgt, dass er alles genau mitbekommt.

Und so kennt Dulac den König und seine Ritter persönlich ohne von diesen wirklich wahrgenommen zu werden. Trotzdem hält ihn das nicht davon ab, davon zu träumen, eines Tages einer von ihnen zu werden. Aber er weiß, dass er von zu niedriger und zweifelhafter Abstammung ist, um je eine Chance zu bekommen. So versucht er sich auch die Gefühle gegenüber der jungen Gwinneth aus dem Kopf zu schlagen, die mit ihrem Gemahl König Uther an den Hof gekommen ist.

Doch dann überstürzen sich die Ereignisse. Dagda stirbt, und Mordred, der Artus schon immer skeptisch gegenüberstand, enthüllt seine schurkischen Pläne. Mit Hilfe der Pikten will er sich das Reich des Königs untertan machen.

Dulac weiß nicht, was er tun soll. Als er sich in seiner Verzweiflung zurück zieht, entdeckt er im Wasser des nahegelegenen Sees eine silberne Ritterrüstung. Er spürt, dass das seine einzigste Chance ist. Er schlüpft in sie und wird zu Lancelot du Lac, dem Ritter vom See. Damit steht er König Artus mehr als einmal bei und enthüllt die Machenschaften von Mordred und der Hexe Morgan le Faye. Dabei muss er aber auch erkennen, dass sein Doppelleben einen hohen Preis hat, denn die silberne Rüstung ist ihn nicht aus reiner Freundlichkeit gegeben worden...

 

Schon seit vielen Jahren stehen die Namen Wolfgang und Heike Hohlbein für spannende, aber sehr geradlinige Abenteuer-Fantasy. Das Abenteuer-Team verbindet auch in „Gralszauber“ altbekannte Versatzstücke routiniert mit einer klassischen Abenteuerhandlung und schafft es doch, durch kleine Abweichungen von den den mit der Sage einhergehenden Klischees neugierig zu machen.

Zwar sind die vertrauten Konstellationen vorhanden: Artus und Merlin, Mordred und Morgan le Faye, aber das Dreiecksverhältnis Artus, Guinevere und Lancelot entwickelt sich gerade erst - da der Ritter erst viel später als üblich zu den Angehörigen der Tafelrunde stösst und sich erst noch selbst bewähren muss.

Beim Setting orientiert sich das Autorenpaar an den moderneren Vorstellungen - der Hof wie auch die Gesellschaftsstruktur sind eher frühmittelalterlich und keltisch als dass sie den Romanzen späterer Epochen folgen. Das Szenario wirkt realistisch ohne es zu sein und bietet Raum für die üblichen Intrigen- und Beziehungsgeflechte, die aufgrund der angepeilten Zielgruppe eher einfach und überschaubar gehalten wurden.

Die Figuren sind wie so oft ebenfalls schlicht gehalten und auf wenige Charakterzüge reduziert. Gut und böse sind klar voneinander getrennt, einzig Dulac alias Lancelot wird ein wenig Ambivalenz zugestanden.

Die Magie - auch wenn sie immer präsent ist - bleibt doch sehr verhalten und äußert sich allenfalls in Begegnungen mit der Anderswelt und Artefakten wie dem heiligen Gral, spielt für die eigentliche Handlung aber nur selten eine Rolle.

Das mit einem Aufkleber versprochene Bonus Material entpuppt sich allerdings als Übersicht über die bisher bei Heyne erschienen Zyklen und Einzelromane von Hohlbein.

 

„Gralszauber“ ist ein solide geschriebener Fantasy-Abenteuer-Roman, der sich vor allem an männliche Jugendliche richtet, die vor allem unterhaltsame Action geboten haben wollen. Erfahrene Leser werden die einfach gestrickte Handlung und die fast schon zweidimensionalen Figuren sehr schnell durchschauen und vermutlich nicht so viel Lesevergnügen empfinden.

 

Eure Meinung:


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Buch:

Gralszauber

Reihe: Die Legende von Camelot, Bd. 1

Autor: Wolfgang und Heike Hohlbein

broschiert, 478 Seiten

Heyne, München, erschienen Dezember 2007

ISBN 978-3-453-53232-8

Titelbildgestaltung von Nele Schütz Design, München

ab 12 Jahre

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 02.12.2007, zuletzt aktualisiert: 10.09.2019 19:06