Als gegen den berühmten Kaspar Hauser Drohbriefe eingehen, engagiert der Nürnberger Bürgermeister den berühmten italienischen Detektiv und Arzt Dr. Grimaldi. Er wird von seiner Tochter begleitet, die ihn auch bei den Ermittlungen unterstützt. In Nürnberg stehen der eigenwillige Ermittler und seine Tochter einem Geflecht von Rätseln gegenüber, das kaum zu entwirren ist. Stehen die Morddrohungen und das Rätsel um Kaspars Herkunft überhaupt in einem Zusammenhang?
Davide Morosinotto stellt in seiner historischen Jugend-Detektiv-Geschichte die 14-jährige Tochter des (fiktiven) italienischen Detektivs Dr. Grimaldi in den Fokus. Als Handlungsort wählt er jedoch das Königreich Bayern, wo er das Mysterium um den (realen) Kaspar Hauser als Aufhänger nutzt. Dabei vermeidet er es jedoch, das bis heute ungeklärte Rätsel um Kaspars Herkunft und Vergangenheit zu sehr zu thematisieren oder gar aufzuklären. Stattdessen baut er einen Fall um an diesen gerichtete Morddrohungen auf. Dass ein italienischer Autor überhaupt auf dieses Thema kommt, verwunderte mich, hielt ich Kaspar Hauser doch bisher für ein typisch deutsches Mysterium.
Das Augenmerk der Story liegt dabei weniger auf dem als sehr exzentrisch dargestellten Detektiv, als vielmehr auf dessen Tochter Greta, die ihren Vater im Hintergrund unterstützt – und den Fall um die Drohbriefe am Ende natürlich löst. Einerseits geht der Autor dabei auf die damals (1829) üblichen Umgangsformen ein, reizt andererseits die Freiheiten der Protagonistin aber deutlich über den zur Handlungszeit möglichen Rahmen hinaus aus. Im Sinne einer guten Geschichte halte ich diese Freiheit aber für tragbar. Auch wenn diese Geschichte im Rahmen eines »4 Jahre später« einen runden Abschluss erhält (ohne Kaspars Herkunft aufzuklären), deuten manche Punkte darauf hin, dass weitere Erlebnisse Greta Grimaldis geplant sein könnten.