An ihm kommt man in der Fantasy einfach nicht vorbei. In jeder Generation wagen sich Autoren daran, eine Neuinterpretation des Sagenkreises um König Artus zu präsentieren, oder zumindest das Schicksal eines der Ritter aufzugreifen, wenn sie sich nicht an den Herrscher selbst wagen wollen. Auch Paula Lafferty macht mit ihrem Roman Guineveres Reise keine Ausnahme.
Vera hat bisher ein ziemlich langweiliges Leben geführt. Aufgewachsen in Glastonbury, lebt sie jetzt auch immer noch Ort und arbeitet im Bed & Breakfast ihrer Eltern. Die Mythen, die den Ort umgeben, interessieren sie nicht die Bohne, bis eines Tages ein Fremder erscheint und ihr eine unglaubliche Wahrheit eröffnet.
Sie ist gar nicht das einfache Mädchen aus dem modernen England, sondern selbst eine Sagengestalt. Und er, Merlin halte es nun für richtig, sie in ihr altes Leben als Guinevere zurückzuholen. Ohne Erinnerungen kehrt sie zurück und muss sich nun wieder in die Welt des sechsten Jahrhunderts einfügen, was gar nicht so einfach ist.
Zumal es ein paar unumstößliche Tatsachen gibt: Sie ist immerhin mit König Artus verheiratet, einem Mann, den sie weder kennt noch liebt. Zudem ist es nicht gerade einfach, eine Königin zu sein, wenn man nicht alle Pflichten kennt.
Und zum anderen weiß sie nicht, wem aus ihrem Umfeld sie wirklich vertrauen kann. Aber Vera spürt, dass sie keine andere Wahl hat und versucht sich einzuleben, dabei aber auch heraus zu finden, was sie aus ihrem ersten Leben als Guinevere herausgerissen hat.
Das versuchen natürlich immer wieder Feinde und Gegenspieler zu unterminieren. Aber immerhin scheinen die treusten Ritter rund um Artus ganz nett und hilfreich zu sein, vor allem Lancelot. Und auch der König ist anders als sie erwartet hat. Obgleich ihr Ehemann, lässt er ihr alle Freiheit und Zeit, sich an alles zu gewöhnen.
Damit es nicht nur um das zwischenmenschliche Geplänkel geht, gibt es auch eine dunkle Bedrohung, die nach und nach immer fassbarer wird und für dramatische Momente sorgt, die es natürlich in sich haben. Das bringt allerdings auch kein ganz geschlossenes Ende mit sich – aber immerhin einen sauberen Abschluss.
Das Bemerkenswerte an der Geschichte ist die moderne Interpretation der Sage, bei der vor allem die bekannten Figuren aus denen ihnen zugedachten Rollen ausbrechen und Magie zwar vorhanden ist, aber auch im Schwinden begriffen ist.
Die Autorin bietet dabei leichte und sorgenfreie Unterhaltung, die flott und ohne Längen geschrieben ist und dazu mit einem gewissen Twist daherkommt, die sich zudem angenehm von anderen Sagennacherzählungen und der modernen Romantasy abhebt, weil die Figuren genug Zeit bekommen, um aufeinander zuzuwachsen.