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Hägar 1973 bis 1975 von Dik Browne

Hägar Gesamtausgabe Bd. 1

Rezension von Christian Endres

 

Mit Hägar schuf Dik Browne 1973 eine Comic-Figur im ewigen Zwiespalt: Einen plündernden Wikinger-Anführer, der trotz Ansiedlung im finsteren Mittelalter in seinen kurzen Strip-Abenteuern die Probleme seiner modernen Leserschaft treffend und pointiert einfängt, ja gewissermaßen ein überzeichnetes Sinnbild seiner Zielgruppe ist, die ihn am Frühstückstisch vor der Arbeit oder während der Mittagspause genießt: Ehe, Kinder, Kumpels, Arbeit – auch Wikinger-Chef Hägar hat einen Alltag voller Probleme und Hindernisse. Egal ob Ehefrau Helga ihn mit langer Einkaufsliste auf Raubfahrt schickt oder er und seine Mannschaft von den Franzosen eine Schatztruhe mit kleinen Katzen aufgehalst bekommen – viele der alltäglichen Sorgen wirken in ihrem Muster zwischen Enttäuschungen und Hindernissen vertraut und trotz Drachen und Zauberern sowie dem »historischen« Setting keineswegs surreal oder phantastisch.

 

Hägar, zur Zeit seines Entstehens auf Anhieb fast so erfolgreich wie die Peanuts, ist mit fast 5 Millionen Lesern täglich auch heute noch der erfolgreichste periodisch erscheinende Comic Deutschlands, genauso wie er auch international nach wie vor eine der Top-Adressen des Zeitungscomics ist. Auch Sammelbände mit dem gebeutelten Wikinger-Chef gab es in der Vergangenheit schon viele, egal ob mit den kurzen täglichen Schwarzweiß-Abenteuern mit ein bis vier Panels Umfang, den längeren Sonntagsseiten oder gar beidem. Trotzdem ist die chronologisch geordnete, neu übersetzte und erwartungsgemäß phantastisch aufgemachte Werkausgabe im querformatigen Hardcover bei Ehapa eine tolle Sache, präsentiert sie doch die auch nach über dreißig Jahren noch schön und knackig zu lesenden Anfänge der Wikinger-Erfolgsstory: zeichnerisch vielleicht noch nicht immer so glatt wie in späteren Strips, dafür aber schon jetzt mit einem ganz eigenen Charme und vor allem eben dem universellen, zeitlosen »Alltags-Humor«, der Hägar groß gemacht hat und ihn auch jetzt in konzentrierter Form noch überzeugen lässt. Zwar segeln Brownes und Hägars Leser nicht mehr auf dem Drachenschiff oder treten dem Nachbarn im Streit mit dem Schwert entgegen – eine Identifikationsfigur ist Hägar der Schreckliche mit seinen durchwegs herrlich menschlichen Schwächen und Stärken trotzdem allemal.

 

So liegt die Faszination dieses Evergreens unter den Zeitungscomic-Strips dann auch maßgeblich am raubeinigen Charme seines sympathischen, ungeglätteten Barbaren-Helden, der die eisigen Meere unsicher macht, England, Frankreich und den Rest Europas mit Angst und Schrecken überzieht, sich Zuhause aber letztlich trotzdem stets mit ganz alltäglichen und vertrauten Problemen herumärgern und -plagen muss, die trotz aller Überzeichnung auch seinen Lesern allzu oft keineswegs fremd erscheinen und – wie der in den letzten Jahren auf subtile Art und Weise schier überpräsente Strip generell – ein ausgeprägtes Gefühl der Vertrautheit hervorrufen.

 

Nun gibt es Hägars alltäglichen Kampf also in gesammelter Form. Schön, dass sich somit nebst Garfield ein weiterer Zeitungsstrip-Klassiker im lukrativen Werkausgaben-Sujet von Ehapa positionieren konnte. Band eins mit den Strips aus den ersten beiden Hägar-Jahren von 1973 bis 1975 überzeugt unterm Strich jedenfalls – als humorvoller Comic, als unkomplizierte Parabel und natürlich als echter Klassiker. Nur wie und wo die Sonntagsseiten veröffentlicht werden, bleibt als Frage offen.

 

 

Eure Meinung:

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Comic:

Hägar: 1973-1975

Hägar Gesamtausgabe 1

Autor/Zeichner: Dik Browne

Ehapa, Oktober 2007

Hardcover Album,

Querformat, 320 Seiten

ISBN-Code: 3770431472

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 11.10.2007, zuletzt aktualisiert: 18.02.2021 18:53