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Hägar 1975 bis 1977 von Dik Browne

Hägar Gesamtausgabe Bd. 3 | Tageszeitungsstrips

Rezension von Christian Endres

 

Auch im dritten Band der gesammelten Hägar-Tagesstrips von Dik Browne treffen moderne Alltagssorgen und -Motive wieder Seite für Seite bzw. Strip für Strip auf ihre historisch verzerrten Pendants aus dem finsteren Mittelalter und dem rauen Norden, die beide von Hägar dem Schrecklichen (samt Anhang) unsicher gemacht werden.

 

Nach verflixt-magischen sieben Jahren war Hägar inhaltlich wie optisch noch immer keine Revolution des Comicstrips: Brownes Humor ist zumeist wenig subtil und manchmal sogar richtig platt, derweil seine in der Regel aus ein bis maximal vier eher rustikal ausgestalteten Panels bestehenden Strips nun auch nicht gerade durch sonderlich üppige Hintergründe oder feine Details bestechen. Und trotzdem - auch beim dritten Band der sicher im querformatigen Hardcover verstauten Hägar-Strips in Schwarzweiß ist da wieder etwas, das süchtig macht und einen immer weiter blättern, immer weiter lesen und noch eine Seite mit vier Strips dranhängen lässt, wenn man einmal mit dem Schmökern und Schmunzeln begonnen hat, obwohl man doch schon längst aufhören wollte. Irgendetwas muss also dran sein an dieser schlicht aufbereiteten Verquickung von zeitgenössischen Verhaltensmustern/Sachverhalten mit Wikinger-Klischees.

 

Natürlich ist Hägar auch der geborene Sympathieträger. Nicht der Klügste, nicht der Schnellste, nicht der Schönste, nicht der Beste und nicht einmal immer der Freundlichste, ist er trotz aller Chef-Allüren nur ein Otto-Normal-Pantoffelheld mit Job, Familie, Hund, Haus und - natürlich - Drachenlangboot und Eroberungsplänen für England, Frankreich und den Rest von Skandinavien. Für ihn gibt es ebenfalls einen wohlverdienten Feierabend, Erkältungen und Arztbesuche, Ärger mit seiner Frau, wenn er zu lange in der Kneipe gesessen hat, Steuern und Vater-Sohngespräche - aber eben auch Drachen, Ritter, Burgeroberungen, Kämpfe und humorvolle Weisheiten über Leben und Streben im Mittelalter.

 

Auf Brownes Wikingeraxt/Holzhammer-Humor muss man sich freilich einlassen, und man darf auch keine philosophischen Quantensprünge erwarten, während man sich diesmal auch noch auf zwei, drei kleinere Durststrecken einstellen sollte. Im Gegenzug ist für ein paar Hägar-Strips aus den späten Siebzigern allerdings auch immer und quasi überall Platz: Unmittelbar vor und direkt nach der Arbeit oder der Uni, vor dem Essen, während man auf einen Anruf wartet, nach der Tagesschau und vor dem Spielfilm, als Betthupferl, auf dem Balkon - kaum eine Gelegenheit, da man nicht drei, vier Seiten seichte, aber charmante Wikinger-Weisheiten für zwischendurch genießen kann.

 

Und wie gesagt: Wenn Uhr und Terminkalender mitspielen, bleibt es erfahrungsgemäß nicht bei diesen drei oder vier Seiten.

 

Eure Meinung:

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Comic:

Hägar: 1977-1979

Hägar Gesamtausgabe 3

Autor/Zeichner: Dik Browne

Ehapa, Mai 2008

Hardcover Album,

Querformat, 320 Seiten

ISBN: 3770431499

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 21.05.2008, zuletzt aktualisiert: 18.02.2021 18:53