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Hass und Hoffnung - Kinder im Nahostkonflikt (DVD)

Filmkritik von Julia

 

Rezension:

Der Konflikt zwischen Israeliten und Palästinensern tobt seit einigen Jahrzehnten und obwohl man immer wieder durch die Medien davon hört, weiß man nur wenig darüber. Auch hört man meistens nur das, was man durch die Nachrichten oder diverse Zeitschriften aufgetischt bekommt. Die Sicht der Kinder wurde bisher vernachlässigt, doch genau die steht im Mittelpunkt der vorliegenden Dokumentation.

Man macht die Bekanntschaft mit mehreren Kindern, die auf unterschiedliche Art und Weise unter zerrütteten Umständen aufwachsen. Hier gibt es beispielsweise die Zwillinge Daniel und Yarko, die nicht orthodox erzogen worden sind und sehr gebildet wirken. Sie fürchten sich davor, einem Terroranschlag zum Opfer zu fallen, jedenfalls einer von ihnen, der andere ist da eher sorgloser. Da sie keine orthodoxen Juden sind, fürchten sie sich zudem vor jenen, vor dem verurteilt werden und den Worten und Taten, die folgen könnten. Sie nehmen eine eher mittlere Position ein, verstehen, dass die Palästinenser wütend auf die Israeliten sind, da man ihnen ja ihr Land weggenommen hat, sind sich aber nicht sicher, ob ein Miteinander möglich ist. Shlomo ist ein Rabbinersohn, gebildet, spricht fließend englisch und legt dar, das es bereits in den Schriften steht, das den Juden dieses Land von Gott geschenkt wurde, wie könnten sie also nicht das Recht haben dort zu wohnen? Auch Moishe, ebenfalls jüdisch, ist sich sicher, das er und alle anderen Juden das Recht haben das Land einzunehmen und zu besitzen, den Beweis findet er in der Thora und liest ihn auch vor. Mahmoud hasst die Israeliten. Er weiß, dass er und die seinen das Recht haben hier zu leben und alles nur von den Juden zerstört wird. Weitere zwei Kinder wohnen in einem Flüchtlingslager und leben dort als Palästinenser. Dabei wird vor allem deutlich, wie sehr die die Israeliten verabscheuen. Der Vergleich, das Palästinenser Steine werfen, während Israeliten technische Waffen haben, wird hier hochgehalten, auch von einem Kind berichtet, das als Märtyrer gestorben ist, weil es gegen die feindlichen Israeliten vorgegangen ist.

Ziel des Produzenten ist es, diese Kinder nicht nur über Jahre hinweg zu beobachten, genauer gesagt von 1997 an bis ins Jahr 2000, sondern sie zusammenzuführen, zu zeigen, das sie alle Kinder sind und ihre Träume und Hoffnungen haben.

In diesem Film stehen weniger die Daten und Fakten im Mittelpunkt, als die Meinung der Kinder. Interessant ist dabei, das man auf diese Art und Weise erfährt, wie der Krieg und die ständige Gefahr, die bereits vor gelebte Meinungen beginnen, sich schon in jungen Menschen festsetzen und deren Leben prägen. So würden israelische und palästinensische Kinder nicht miteinander spielen, sogar nicht miteinander reden, jedenfalls nicht ohne sich zu beschimpfen, einfach weil sie es nicht anders gewöhnt sind. Dieser Film ist nicht auf ein schönes Friede, Freude, Eierkuchen Ende aus, aber dennoch versucht er die verschiedenen Seiten darzustellen und auch für ein bisschen Verständnis zu sorgen. Dabei rührt die Dokumentation gelegentlich zu Tränen, ohne auf die Tränendrüse zu drücken, erschreckt durch Bilder, die für die dort lebenden Menschen zum Alltag gehören und durch Meinungen, die absolut und festgefahren sind. Das Alltagsleben der Kinder wird ebenso beachtet, wie die für europäische Augen ungewöhnliche Lebensweise in Krisensituationen, die immer wieder aufkommen. Die vergleichende Darstellung ist dabei sehr gut gelungen, da man die Differenzen der verschiedenen Positionen so genau sehen kann und vor allem, und das ist wichtig, verstehen lernt. Man beginnt für jede Seite pro und contra Argumente zu finden, auch wenn es sich nicht verhindern lässt, dass man sich irgendwann auf eine Seite schlägt. Es wäre interessant gewesen zu sehen, was heute aus den Kindern von damals geworden ist, doch der Film endet vor neun Jahren.

Das Bildmaterial ist dabei sehr gut, der Sprecher und Hauptbezugsperson der Kinder ist sehr sympathisch und sorgt für gutes, ausgleichendes Material, das über mehrere Jahre hinweg aufgenommen wurde. Auch alte Bildsequenzen werden manchmal eingefügt, um Umstände oder Konflikte zu beschreiben.

Der Ton ist dabei so eine Sache, wenn eigentlich aber auch sehr gut gelöst. So hört man die Originalsprachen der Kinder, muss aber die deutschen Untertitel mitlesen, um etwas zu verstehen.

 

Fazit:

Hier liegt eine aufwühlende, aber sehr gute Dokumentation vor, die von dem Leben einzelner Kinder berichtet, die im Krieg leben, niemals vollkommen sicher sein können und deren Leben von Hass und Angst geprägt wurde. Die Hoffnungslosigkeit und die prägende Einwirkung der Umwelt wird hier ebenso dargestellt, wie das Bild von Kindern, als das was sie sind: Kinder.

Absolut empfehlenswert!

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20230205191429778226b3
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DVD:

Hass und Hoffnung - Kinder im Nahostkonflikt

USA 2001

Regie: Carlos Bolado und B.Z. Goldberg

Format: Dolby, PAL

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0)

Region: Region 2

Bildseitenformat: 4:3 - 1.33:1

FSK: 0

Polyband & Toppic Video/WVG, 28. August 2009

Spieldauer: 85 Minuten

 

ASIN: B0029LLZUW

 

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 24.10.2009, zuletzt aktualisiert: 02.08.2022 20:01