Hell's Kitchen
 
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Hell's Kitchen

Rezension von Christian Endres

 

Die Zeit der Prohibition in den USA, kurz nach dem Schwarzen Freitag und der Wirtschaftskrise – die ›Ära‹ der Bandenkriege, der Mafia und des organisierten Verbrechens. Das sind die faszinierenden Schattenseiten der modern-historischen Großstadtmythen – bekannte, vertraute Namen und Begebenheiten um Korruption, Klischees und gewalttätige Schmuggler-Kapriolen. Bewegen sich Künstler auf diesem viel begangenen Parkett, kann der Tanz schnell unangenehm werden. Autor Damien Marie und Zeichner Karl T. haben jedoch einen Weg gefunden, die gängigen Klischees neu zu beleben und so zu inszenieren und zu verknüpfen, dass sie einen wunderbar authentischen, rasanten Mafia-Comic in vier Akten geschaffen haben, der alle Bedingungen und Voraussetzungen erfüllt, um in bester Genre-Tradition hervorragend zu unterhalten: »Hell’s Kitchen«.

 

Little Italy ist 1931 einer der fruchtbaren, hart umkämpfen und blutgetränkten Nährböden des organisierten Verbrechens in New York. Anthony Poucet und seine sechs Brüder leben hier halbwegs behütet als Bäckersöhne, bis eine ›normale‹ Schutzgeldübergabe sie zu Waisen und einem Teil des Systems der großen Gangster und Ganoven macht. Von diesem Moment an beginnt für Anthony ein Spießrutenlauf durch die gefährlichsten Kreise der Stadt: vom Baulöwen hinter dem Empire State Building bis hin zum Kannibalen, dem gewichtigen Mafiaboss von Little Italy, und dessen brutalen Schergen, sind sie plötzlich alle hinter dem cleveren Jungen her. Und dann sind da noch die Iren, die Chinesen und natürlich die Polizei – und ein paar schöne Frauen sowie das brandgefährliche Erbe einer alten Mafia-Tradition...

 

Mit »Hell’s Kitchen« erblickt ein neues Format innerhalb der Ehapa Comic Collection das Licht der Welt – oder auch nicht. Dicke Alben dieses Umfangs kennt man von den großformatigen Gesamtausgaben beim Stuttgarter Verlag, aktuell etwa Isnogud oder die Blueberry-Chroniken. Die vier Einzelalben von »Hell’s Kitchen« direkt in einen Band zu packen, ist indes freilich auch ein Tribut an den aktuellen Trend zum Format der Graphic Novel, des grafischen Romans oder Comic-Romans. Der Leser kann sich so oder so nicht beschweren: Rechnerische zehn Euro für ein Album sind absolut in Ordnung und schwer zu toppen, zumal die temporeiche und absolut atmosphärische Mafia-Geschichte am Stück fantastisch zur Geltung kommt und sich ohne Wartezeiten zwischen etwaigen Einzelbänden prächtig entfaltet – bis hin zum harten, dunklen, pessimistischen Schluss und dem letzten Ass des Mafia-Monsters.

 

Ein »epischer Mafia-Thriller« – Ehapa verspricht nicht zu viel und legt hier eine riesige Perle hin: Ein Brett von einem atmosphärischen, authentisch wirkenden Gangster-Comic, toll geschrieben, großartig gezeichnet und durch seine schiere Seitenwucht im üppigen Albenformat wirklich höllisch ergiebig und substanzvoll.

 

Die Krone des Comic-Herbstes geht damit nach Stuttgart - bzw. nach New York und Hell’s Kitchen, wo es knapp 200 Seiten lang höllisch heiß hergeht.

 

Ein satter Leckerbissen.

 

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202406180346141a4013be
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Comic:

Hell's Kitchen

Reihe: all in one

Autor: Damien Marie

Zeichner: Karl T.

Ehapa, September 2008

Hardcover, 192 Seiten

ISBN: 3770432533

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 27.10.2008, zuletzt aktualisiert: 28.12.2022 16:07, 7594