Zurück zur Startseite


  Platzhalter

Horror Stories von H. P. Lovecraft

Das Beste vom Meister des Unheimlichen ausgewählt von Wolfgang Hohlbein

Rezension von Christian Endres

 

Suhrkamp bringt man heute nicht mehr auf Anhieb mit Dark Fantasy und Horror in Verbindung. Trotzdem liegen dort alle Werke von H. P. Lovecraft (1890-1937), dem Altmeister des Schreckens aus Providence, auf Deutsch vor. Freilich gibt es auch von anderen Verlagen Sammelbände zuhauf, von den diversen - guten wie schlechten - Anthologien mit nationalen wie internationalen Nachahmern ganz zu schweigen. Das zeigt, wie groß der Einfluss und die Beliebtheit von Lovecraft noch heute sind.

 

Gerade der Einfluss, den HPL auf die dunkle Fantastik hatte, ist noch heute spürbar und eigentlich seit jeher immens - jedes Denkmal, dass ihm von seinen späteren Proteges und Nacheiferern gesetzt wurde bzw. wird, in der Folge mehr als nur gerechtfertigt. Fritz Leiber, Robert E. Howard, Clark Ashton Smith, Robert Bloch, Bill King, Ray Bradbury, Kurt Busiek, Stephen King, Clive Barker, Neil Gaiman, Mike Mignola, Ramsey Campbell, Brian Keene - die Liste erfolgreicher Autoren, die sich mit Lovecrafts Werk infiziert, beschäftigt oder es gar in Tradition des Altmeisters fortgesetzt haben, ist seit mehr als 60 Jahren ebenso lang wie vielfältig.

 

Auch national gab und gibt es genügend Fantastik-Schaffende, die Lovecraft nacheifern und ihm verbunden sind. Einer der berühmtesten hiesigen »Nachfahren« Lovecrafts dürfte wohl Wolfgang Hohlbein sein, der den großen Howard Philips Lovecraft in seiner legendären Heftromanserie Der Hexer (Bastei, ab 1984) sogar aktiv als Teil der Handlung um Robert Craven und die Großen Alten einbaute.

 

Wer, wenn nicht Wolfgang Hohlbein, wäre also besser geeignet, um eine persönliche Auswahl an Lovecraft-Geschichten zu präsentieren? Der in Weimar geborene Vielschreiber hat sich dabei auf folgende Geschichten festgelegt: Cthulhus Ruf, Der Fall des Charles Dexter Ward, Die Farbe aus dem All, Berge des Wahnsinn, Stadt ohne Namen, Die Ratten im Gemäuer, Schatten über Innsmouth und Die Musik des Erich Zahn. Das gemeinhin bekannte Hauptwerk und die »Klassiker« sind also einmal mehr brav abgedeckt, ergänzt durch ebenfalls nicht unbekannte, aber gern verschmähte Perlen wie Die Musik des Erich Zahn. (Dass die angestaubten Storys von durchwachsener Qualität sind, darf bei aller Verehrung und Dankbarkeit nicht unerwähnt bleiben. Klassiker allesamt, aber stilistisch häufig auch schwerfällig und umständlich, zeitlich überholt und inhaltlich hie und da etwas langatmig. Auf der anderen Seite sind es aber eben auch intensive, sprachlich versierte Geschichten mit einer ganz besonderen Stimmung und Atmosphäre, die noch heute - trotz häufiger Versuche - ihresgleichen suchen.)

 

Noch eine Spur persönlicher als die Auswahl ist das sympathische Vorwort von Hohlbein, der seine erste Begegnung mit Lovecrafts Werk in Jugendjahren beschreibt und in aller Kürze versucht, die Faszination und den dauerhaften Erfolg der Geschichten zu ergründen, ohne dass er sie dabei zu Tode analysiert. Schade nur, dass dieser angenehm-dezenten Einleitung ein Cover voran geht, auf dem das Marketing gesiegt hat: Hohlbeins Name ist eine ganze Ecke größer als der von Lovecraft, was einen faden Beigeschmack hinterlässt.

 

Davon abgesehen: Egal ob Einstiegsdroge, grobe Übersicht, Best-of oder kompakte Lovecraft-Compilation für den Urlaub oder die Bahn - das Preisleistungsverhältnis spricht klar für diesen Sammelband mit den von Wolfgang Hohlbein ausgesuchten Klassikern von H. P. Lovecraft, dem die dunkle Fantastik und die Horrorliteratur noch heute viel zu verdanken haben.

 

 

Eure Meinung:


Keine Einträge
Keine alten Kommentare vorhanden.

Zum Seitenanfang

Platzhalter

Horror Stories

Autor: H. P. Lovecraft

Ausgewählt und mit einem Vorwort von Wolfgang Hohlbein.

Paperback, 519 Seiten

Suhrkamp, Juli 2008

ISBN: 3518459678

Erhältlich bei: Amazon

 

Weitere Infos:


Platzhalter
Platzhalter
Erstellt: 28.07.2008, zuletzt aktualisiert: 02.11.2017 18:47