Bei der Seelenzeremonie treffen junge Menschen zusammen, um einen Seelenpartner zu finden. So ist es in Anima üblich. Diesmal ist die 19-jährige Schicksalsnovizin Kiana dabei, und sie trifft auch auf einen jungen Mann, mit dem sie ein Schicksalsfaden verbindet. Doch er wird noch vor der offiziellen Bindungs-Zeremonie ermordet. Somit hat Kiana keinen Seelenpartner, und wer keinen Seelenpartner findet, muss an die Front. Zusammen mit dem Kriegsnovizen Tyron und dem Liebesnovizen Nevin ergreift Kiana die Flucht.
In der Welt, in der Saskia Louis ihre Fantasy-Dilogie ansiedelt, entscheidet das Schicksal alles. Dieser Ansatzpunkt ist recht ungewöhnlich, denn Schicksalsfäden sind hier wörtlich zu nehmen. Und zwingend! Darauf, vom eigenen vorgegebenen Schicksal abzuweichen, stehen harte Strafen. Dass die Protagonistin schon fast unabsichtlich genau das tut, ist der Kern der Handlung.
Neben diesem Haupt-Plot spielen in dieser Geschichte aber auch Romantasy-Elemente eine große Rolle, bilden sogar eine beziehungsweise die Hauptmotivation der Entwicklungen. Mit dem weitgehenden Fehlen eigener Entscheidungsmöglichkeiten macht die Handlungswelt schon einen fast dystopischen Eindruck. Die Protagonistin bleibt trotz diverser Hinweise auf ihre Vergangenheit bisher relativ blass, wobei ich allerdings die Vermutung habe, dass hier einige Informationen absichtlich ›fehlen‹, weil sie in Band 2 eine wichtige Rolle spielen könnten. Immerhin stellen sich die Protagonistin und ihr Co-Protagonist Tyron ja bewusst gegen das Schicksal und damit gegen die Schicksalsgöttin, die hier in persona mitwirkt. Für den 2. Band der Dilogie bleibt noch vieles offen.
Die Autorin lässt Kiana und Tyron (und in kurzen Abschnitten andere) wechselweise als Ich-Erzähler auftreten, was sich in der Hörbuch-Ausgabe auch in mehreren Sprechern ausdrückt.