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Huntsman: The Orphanage (PC)

Rezension von Cronn

 

Der Wind heult durch die Nacht, während ich langsam auf das verlassene Waisenhaus zulaufe. Vor wenigen Augenblicken erst hat mich eine einsame Telefonzelle verschreckt, als deren Telefonapparat ohne Grund klingelte und eine Stimme wirre Dinge durch die Sprechmuschel brabbelte.

Nun werfe ich mich beinahe zu Boden, während eine Schar Krähen über meinem Kopf hinwegrauscht und in der Dunkelheit verschwindet.

Das einzige, was ich zum Erhellen der Dunkelheit habe, ist mein Handy. Im Leuchten seines zum Dauerbetrieb umgewandelten Blitzlichts taucht ein Gittertor auf. »Grimhaven Orphanage« steht darauf geschrieben. Ich bin am Ziel.

Behutsam drücke ich das Tor auf, das sich mit einem Quietschen öffnet. Ich betrete das Gelände des Waisenhauses. Vor mir erhebt sich eine Statue – eine Frau mit Kind. Was einst vertrauensvoll mütterlich gewirkt haben mochte, sieht nun – verwahrlost und mit Moos überwachsen – nur noch wie eine gruselige Karikatur der ehemaligen Werte aus.

Ich umrunde den Stein und stehe vor der Hausfront des Waisenhauses. Ohne lange zu zögern, drücke ich das Türblatt nach innen auf.

Dahinter erwartet mich das Schweigen, wie es nur ein altes, totes Haus wiederzugeben vermag. Am Boden finde ich alte Gemälde, Backsteine und Unrat. Ich sehe mir eines der Gemälde näher an. Es zeigt einen älteren Mann mit langen Haaren. Ich höre in meinem Kopf die Geschichte, die er mir zu erzählen hat...

Plötzlich erklingt ein Knarren und Quietschen aus dem nächsten Raum. Ich betrete ihn und sehe mich um: Hier sind ausnahmslos Schreibpulte zu finden. Es war ein Klassenzimmer, nehme ich an. Die Pulte sind teilweise umgestoßen worden. Am Ende des Raums steht eine Tafel. Von dort erklingen die seltsamen Laute, dieses Quietschen und Knarren …

Was mich dort erwarten mag?

Langsam trete ich näher …

 

Rezension:

Huntsman: The Orphanage ist das Debütspiel eines Indie-Studios namens Shadowshifters. Es kam auf die Vertriebsplattform Steam als Greenlight-Game und erschien dann am 31.Oktober pünktlich zu Halloween.

Doch worum geht es bei »Huntsman: The Orphanage« eigentlich?

 

Hintergrund:

In dem Waisenhaus »Grimhaven« scheinen mysteriöse Dinge vor sich zu gehen. Als Vertreter des investigativen Journalismus zieht der Spieler los, einzig »bewaffnet« mit einem Handy, um die Geheimnisse des Waisenhauses zu lösen.

»Huntsman: The Orphanage« bezieht seinen Reiz nicht aus der reinen Originalität der Hauptgeschichte, sondern vor allem aus den vielen kleinen Einzelgeschichten, die sich einer einzigartigen Struktur zu einem Großen Ganzen verweben. Das wurde grandios umgesetzt.

 

Gameplay:

In der Ego-Perspektive steuert der Spieler durch das Waisenhaus, die umliegenden Gebiete und das Heckenlabyrinth. Dabei ist das Licht des Handys oftmals die einzige Lichtquelle. Dementsprechend dunkel ist »Huntsman: The Orphanage«. Und gruselig.

Ohne zuviel zu verraten: Der Spieler muss die Seelen der gefangenen Kinder befreien, indem er die ihnen zugeordneten Gegenstände findet und auf den Gedenksteinen im Heckenlabyrinth legt.

Das Erforschen des Waisenhauses und der umliegenden Örtlichkeiten ist der Fokus des Spiels. Immer wieder wird man dabei von Ereignissen erschreckt, die sich aber zumeist auf dem Handydisplay zeigen. Ab und an gibt es aber auch Scripts in der Spielwelt.

Die Gemälde in der Spielwelt sind interaktiv und erzählen die einzelnen Geschichten der Kinder und des Personals im Waisenhaus »Grimhaven«. Und stückweise erfährt man so die Hintergrundgeschichte. Und man erfährt von einem Grauen, das in die Realität hinein sich erstreckt – der »Huntsman«. Doch mehr soll hier nicht verraten werden …

 

Grafik und Sound:

Die Grafik ist ordentlich für ein Indie-Game, kann aber nicht mit dem Grafikstandard von AAA-Produktionen mithalten. Dennoch ist die Umsetzung des Waisenhauses sehr stimmig geworden. Die Texturen sind mittelstark aufgelöst, auch ein Patch hat hier nur wenig nachgebessert. Die große Stärke von »Huntsman: The Orphanage« ist sein Spiel mit Licht und Schatten.

Ein weiterer wichtiger Pluspunkt ist der Sound. Die einzelnen Stimmen wurden professionell eingesprochen. Man sollte allerdings des Englischen gut mächtig sein, sonst verpasst man als deutscher Spieler schnell das ein oder andere Detail. Eine Umsetzung in die deutsche Sprache ist bislang nicht erfolgt. Die Umgebungssounds wirken sehr stimmig, und so trägt beispielsweise das Türenquietschen und das Windheulen sehr viel zur Atmosphäre des Titels bei.

 

Fazit:

»Huntsman: The Orphanage« ist ein originelles Spiel für all jene Adventure-Freunde, die es sehr gruselig mögen. Hier nachts zu spielen erfordert schon ein gehöriges Maß an Abgebrühtheit, da das Spiel mit seinen Storys eine dichte Stimmung zu weben versteht. Abseits davon passiert aber zu wenig, als dass man in die höchsten Wertungsweihen aufsteigen könnte. »Huntsman: The Orphanage« ist ein innovatives Horror-Game, getrieben von einer atmosphärischen Story mit Adventure-Elementen gewürzt. Für Freunde des Unheimlichen sicherlich ein Blick wert!

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Eure Meinung:

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PC-Spiel:

Huntsman: The Orphanage

Shadowshifters, 2013

PC - Steam

 

Erhältlich bei: steampowered

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Erstellt: 16.11.2013, zuletzt aktualisiert: 10.05.2019 10:50