Wenn sich einiges auch in unserer Gesellschaft zu halten vermag, dann sind das Vorurteile und festgefügte Meinungen, die alle Menschen einer bestimmten Volksgruppe unter Generalverdacht stellen. Deshalb sind autobiographische Lebensgeschichten wie die von Patrik Banga um so wichtiger. Sie zeigen ungeschminkt auch einmal die andere Seite der Medaille und das mit Licht und Schatten wie Ich war wütend auf die ganze Welt.
Obwohl seine Eltern beide einer geregelten Arbeit nachgehen und einige andere Mitglieder der Familie respektable Berufe haben, ist Patrik wie seine Geschwister schon von seiner Geburt an abgestempelt. Das bekommt er bereits als kleiner Junge und später im Kindergarten und in der Schule zu spüren.
Denn ob nun Lehrer, Mitschüler und sogar die Polizei, Rassismus und Gewalt gegen Rom sind an der Tagesordnung, sie werden – selbst wenn sie nichts getan haben oder sich nur wehren, als Kriminelle abgestempelt und man verbaut ihnen bessere Lebenwege wo man kann, doch Patrik ist niemand, der sich unterkriegen lässt.
Und das ist der Punkt, der diese Geschichte so besonders macht. Denn Patrik Banga erzählt offen und schonungslos von dem, was er als Rom in Tschechien schon als kleines Kind miterlebt hat. Dabei bleibt er sehr differenziert und macht sehr schnell deutlich, dass es auf beiden Seiten gute und schlechte Menschen gibt, diejenigen, die sich als Arschlöcher erweisen oder eben auch als Unterstützer.
Er erzählt lebendig von seinen ersten knapp zwanzig Lebensjahren, den Menschen und den Dingen, die ihn geprägt haben, aber auch von den Momenten, in denen er am Boden war. Der Rassismus und die Gewalt gegen die Roma wird spürbar und nahbar, man fühlt mit ihm und ist genau so wütend auf diejenigen, die ihm einfach keine Chance geben.
Auf der anderen Seite macht er aber auch klar, dass es natürlich auch genügend Roma gibt, die es mit bestimmten gesellschaftlichen Regeln nicht genau nehmen und damit den schlechten Ruf seines Volkes verschlimmern.
Es ist bemerkenswert, das ihn seine Erlebnisse nicht zerstören, sondern eher auf einen Weg bringen, auf dem er versucht, den Menschen zu helfen – sogar in einem Flüchtlingslager. Und man merkt, dass auf dem Balkan und sogar schon in Osteuropa einige Dinge ganz anders laufen als man es gewohnt ist. Und das gibt mehr als Hoffnung.
All das sind wunderbare Einblicke in eine Welt, die deutsche Leser nicht kennen können und ihnen vielleicht auch helfen, die Augen zu öffnen, die Roma einfach differenzierter zu sehen und nicht einfach in einen Topf zu werfen oder die alten Vorurteile wiederzukäuen. Denn nur so haben mehr Menschen wie Patrik die Chance ihren Weg zu gehen und die alten Grenzen aufzubrechen.