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Ida und die Tiere von Carli Biessels

Rezension von Olaf Kieser

 

Ida geht mit ihrer Oma im Wald spazieren, da steht plötzlich ein kleiner Fuchs am Weg. Ida ist überrascht, interessiert sich aber sofort für das unbekannte Tier. Ihre Oma erklärt der kleinen Ida was es mit dem Fuchs auf sich hat. Das ist nur die erste Begegnung des kleinen Mädchens mit verschiedenen Tieren. Ida lässt eine gefangene Biene frei, spricht mit einem gezeichneten Fisch auf einem Blatt Papier, dass sie im Kindergarten zum Ausmalen bekommt und weint über ein Lied über ein Lämmchen, dass seine Mutter verloren hat. Am Strand rettet sie eine Qualle, indem sie sie in ihrem Eimerchen ins Wasser bringt. Eine tote Kellerassel begräbt sie im Rosenbeet. Ihr bester Freund ist der Familienhund Bor. Er versteht sie und bleibt treu an ihrer Seite, wenn sie krank im Bett liegen muss. Jeden Tag hat Ida neue Erlebnisse mit den Tieren um sie herum.

 

Bei »Ida und die Tiere« handelt es sich um Kinderbuch der niederländischen Autorin Carli Biessels. Biessels wurde 1936 in Nimwegen geboren, studierte Pädagogik und Kinderpsychatrie. Sie veröffentlichte Sachbücher zur Kunstgeschichte, Gedichte und Erzählungen sowie mehrere Kinderbücher.

 

Die Illustrationen in dem Buch stammen von Marije Tolman. Geboren 1976, studierte sie Grafik, Typographie und Design. Zeitweilig arbeitete sie als Grafikerin in Italien, lebt aber inzwischen als Kinderbuchillustratorin in Den Haag.

 

Biessels und Tolman haben ein bemerkenswertes Kinderbuch geschaffen. In 15 Kapiteln von unterschiedlicher Länge begegnet die kleine Ida in Alltagssituationen verschiedenen Tieren. Ida, ein kleines Mädchen, dass noch in den Kindergarten geht, ist die Hauptfigur des Buches. Sie ist von kindlicher Neugier und reger Phantasie gekennzeichnet. Besonders Tiere haben es ihr angetan. Sie spricht zu ihnen und versucht sich in sie einzufühlen. Ida ist aber kein kindlicher Dr. Dolittle. Sie unterhält sich nicht in der Form mit den Tieren, dass ein Dialog entstehen würde. Nein, ihre Art der Kommunikation ist stark von der Fähigkeit geprägt, die Gefühle der Tiere zu erahnen. Es kommt Biessels also nicht darauf an, eine Geschichte, wie man sie aus dem Hause Disney gewohnt ist, zu erzählen. Es geht ihr um das Gefühl für die Umwelt und die Mitgeschöpfe. Ida ist keineswegs eindimensional gestaltet. So fürchtet sie sich vor dem ekeligen Regenwurm. Auch kann sie mal ungehalten oder trotzig sein, wenn etwa die Lieblingsseife verbraucht ist oder es Karotten als Gemüse zum Mittagessen gibt. Die Gedanken und Gefühle der Tiere werden angemessen wiedergegeben. Die andere Perspektive führt dazu, dass den Tieren menschliche Dinge fremd sind. So hat eine Qualle etwa keine Ahnung, was mit dem Wort »frieren« verbunden ist. Gerade diese Sicht durch fremde Augen auf die gewohnten Dinge des menschlichen Lebens schaffen ermöglichen es, sich in die Perspektive anderer Wesen zu begeben. Eine wichtige Eigenschaft, nicht nur für Kinder!

 

Bemerkenswert ist auch, dass es der Autorin gelungen ist, ihr Buch in kindgerechter Sprach zu verfassen. Sie macht gar nicht erst den Versuch, Jugendsprache nachzuahmen, was leider oft geschieht und immer wie aus dem Lehrbuch klingt. Nein, Biessels schreibt in kurzen Hauptsätzen ohne kompliziertes Satzgefüge. Dies sollte das Verstehen bei jüngeren Lesern erleichtern. Gelegentlich finden sich aber sehr schöne, fast poetische Formulierungen. Etwa als Ida den kleinen Fuchs neugierig mustert. „Ida betrachtet den orangenen Kopf. Der liegt Flach auf der Erde. Er hat zwei helle Augen. Ida hat noch nie solche Augen gesehen, eiskalt und glühend zugleich.“ Besonders im letzten Satz wird mit wenigen Worten eine unheimliche Atmosphäre geschaffen. Kindern wird auf diese Weise ein positives Vorbild für die Möglichkeiten von Sprache gegeben. Das hebt »Ida und die Tiere« heraus.

 

Tolmans Illustrationen ergänzen den Text anschaulich. Sie sind einfach gestaltet und nicht aufdringlich angelegt. Die Zeichnungen schaffen es aber treffend, Stimmungen und Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Man kann sich streiten, ob die in blau, grau und schwarz gehaltenen Bilder nicht in Farbe noch besser gewirkt hätten, wie etwa auf dem Cover.

 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass »Ida und die Tiere« ein gelungenes Kinderbuch ist. Das Buch verfügt über keine Geschichte im herkömmlichen Sinne. Es besteht aus 15 eigenständigen Kapiteln, die nicht an einem Stück durchgelesen werden müssen. Biessels gelingt es in ihrem Buch, ein wichtiges Thema auf kindgerechte und sprachlich anregende Weise zu vermitteln. Dies ist nie belehrend, wie es bei manch anderem Jungendbuch der Fall ist. Die Illustrationen von Tolman ergänzen die Geschichten in angenehmer Weise.

 

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Ida und die Tiere

Originaltitel: Irah en de dieren

Autor: Carli Biessels

Illustrationen: Marije Tolman

Übersetzung: Mirjam Pressler

Format: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 56

Verlag: Boje Verlag

Erscheinungsdatum: 2008

Erscheinungsdatum des Originals: 2007

ISBN: 978-3-414-82173-7

Altersempfehlung: ab 6 Jahre

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 03.12.2008, zuletzt aktualisiert: 25.05.2018 14:40