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Im Fluss von Marlene Röder

Rezension von Lars Perner

 

Rezension:

Mia zieht mit ihren Eltern aufs Land. So bezeichnen das zumindest Mias Eltern. Sie selber fühlt sich, als wenn sie in dem Provinzkaff verrotten würde. Sie mußte alles zurück lassen: Freundinnen, vertraute Umgebung, eben einfach alles. Die ländliche Idylle widert Mia an. Sie will sich nicht über ihr neues Leben freuen. Sie will sich nicht anpassen mit der Situation anfreunden. Und doch freundet sie sich mit der Zeit damit an. Zunächst mit der Großmutter aus dem Nachbarhaus, dann mit deren Enkeln Alex und Jan. Diese Dreiecksbeziehung ist schon kompliziert genug, doch hier draußen in der Abgeschiedenheit des Dorfes ist noch etwas anderes. Und das hat es offensichtlich auf Mia abgesehen. Warum tröpfelt die Großmutter in Vollmondnächten Blut in den Fluß. Und was hat es mit der Puppe auf sich, die Alex findet? Sie sieht wie Mia aus und ist völlig mit spitzen Stöckchen gespickt.

 

Marlene Röder erzählt die Geschichte aus den Perspektiven von Mia, Jan und Alex. Die Charaktere wechseln der Reihe nach jedem Kapitel. Der Leser erhält so einen viel besseren Überblick, wird aber teilweise der aufgebauten Spannung beraubt. Es ist einerseits interessant zu erfahren, wie die unterschiedlichen Charaktere auf dieselbe Situation reagieren, was sie fühlen und denken. Auf der anderen Seite wird man so nie ganz eins mit einem der Charaktere. Zu unterschiedlich sind die verschlossene Mia, der direkte Alex und sein kleiner verrückter Bruder Jan. Einheitlicher Nenner aller Charaktere ist Antonio Vivaldis Werk Die Vier Jahreszeiten. Das Thema zieht sich durch das Buch. Zunächst, weil die Zeit einfach voranschreitet und die Kapitel danach auch eingeteilt sind. Aber auch, weil Mia mit ihrer Cello-Musik zu verzaubern vermag. Mit Musik, die man nicht nur hören, sondern fühlen kann. Gerade hier beweist Marlene Röder erstaunliches Einfühlungsvermögen und Erzähltalent. Das Beziehungsgeflecht stellt sie gekonnt dar und findet angenehm weiche Worte, die harte Realität darzustellen. Dabei verliert sie bei aller Mystik nie den Bezug zur Wirklichkeit. Man liest gerne weiter, auch wenn der Spannungsbogen manchmal etwas abflacht. Man hat stets das Gefühl, dass alle Details irgendwie zusammengehören. Was ein klein wenig auch das Hauptproblem des Buches ist. Alles deutet auf die damit schnell zu erratende Auflösung hin. Nichts ist unwichtig. Alles ist irgendwie logisch.

 

Fazit:

Manchmal tut es weh, etwas Vertrautes zu verlieren, doch manchmal kann es auch hilfreich sein, dass der Mantel des Vergessens sich darüber breitet – dass man loslässt. »Im Fluß« ist eine interessante und teilweise mystische Jugend-Geschichte ab 12; erzählt mit anrührenden Worten.

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Eure Meinung:

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Buch:

Im Fluss

Autor: Marlene Röder

Ravensburger Buchverlag, 2007

Hardcover, 256 Seiten

 

ISBN-10: 3473352772

ISBN-13: 9783473352777

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 19.09.2007, zuletzt aktualisiert: 01.11.2019 12:34