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Im Schatten des Drachen

Rezension von Ralf Steinberg

 

„Im Schatten des Drachen“ sollte eigentlich eine 5 und 6 Spieler Erweiterung zu Rückkehr der Helden werden. Als Spieldesigner Lutz Steponat mit dieser Idee beim Verlag vorstellig wurde, einigte man sich schließlich darauf, das Spiel in erster Linie als eigenständiges Zweispielergame mit der optionalen Möglichkeit der Verbindung mit „Rückkehr der Helden“ zu entwickeln.

Diese Rezension wird daher nur auf das normale Spiel und nicht auf die Variante eingehen.

 

Die große Aufgabe ist es, einen bösen Drachen vom Spielfeld zu jagen. Dies kann nur mit einer magischen Waffe gelingen. Drei davon können im Spiel erworben werden. Das Spiel endet erst mit dem Tod des Drachen – oder einem der Spieler beim Kampf gegen ihn.

 

Die große Box ist ansprechend gestaltet und sorgt schon vor dem Auspacken für eine erwartungsvolle Spannung. Zunächst müssen diverse Teile aus den Papprahmen herausgetrennt werden. Die Box enthält zwar eine Menge Fächer und Einbuchtungen, allerdings ist nur bei den wenigsten ersichtlich, wofür sie gedacht sind. Eine Anleitung zur Einsortierung fehlt.

Bei der Durchsicht der Teile vermisst man die beiden im Inhalt auf der Verpackung angegeben Halbedelsteine. Sie werden allerdings nur in der Erweiterungsvariante benötigt und daher ist ihr Fehlen verschmerzbar.

Die Anleitung ist ein kleines Heft im Querformat und wirbt mit einem Glossar als Feature. Sehr schnell stellt sich heraus, dass das Glossar zum Großteil ein wesentlicher Bestandteil der Regeln ist.

Der Aufbau des Spielfeldes wird zwar beschrieben, doch erst ein Blick auf die Verpackungsrückseite zeigt anhand des Fotos, wie nun genau die 9 Gebietskarten auszulegen sind. Eine Abbildung im Regelheft wäre nützlich gewesen.

Die beiden Spieler entscheiden sich für ihre Heldenfiguren, nehmen sich den entsprechenden Pappkameraden, stöpseln ihn auf den Plastikfuß und drehen die Profilkarte auf die entsprechende Seite, da es für jede der drei Rassen Paladin, Hobbit und Ork auch immer eine weibliche Entsprechung gibt. Auf diese Profilkarte werden rote Glassteine als Lebenspunkte und ein Startkapital an Holzgoldstücken gelegt.

Die Profilkarte ist recht groß, aber übersichtlich und funktional.

Bevor man loslegen kann, entscheidet man sich für eine der beiden Startpositionen und stellt jeweils ein kleines Häuschen auf den Punkt, als Symbol des Heimatdorfes in dem man später seine Lebenspunkte regenerieren kann.

 

Bei „Im Schatten des Drachen“ werden Ereignisse über kleine Pappkarten gesteuert, die auf Wegepunkten liegen. Diese sind für jede Gebietskarte durchnummeriert und erlauben so in Verbindung mit dem Buchstaben der Gebietskarte eine exakte Bestimmung jedes Wegpunktes.

Die Anfangsereignisse werden nach der Anleitung zufällig verteilt, alle späteren zieht man aus dem Stoffbeutel. Dabei ist es fest reglementiert, wann eine Karte aus dem Beutel gezogen werden darf.

Es gibt folgende Möglichkeiten einer Karte:

 

  • Eine Begegnung. Dabei trifft man auf jemand der nützlich sein kann, wenn man ihn treffen will, ansonsten geht man vorbei. Drei dieser Begegnungen sind der Beginn der Suche nach den magischen Waffen. Eine Schriftrolle auf der Rückseite dieser Marken leitet die Suche ein.
  • Ein Monster. Hau drauf und weg! Hier wird gekämpft. Manche Monstermarken haben auf der Rückseite einen nützlichen Gegenstand, den man mitnehmen kann,, falls man den Kampf gewinnt.
  • Eine Aufgabe. Erfüllt man das geforderte, sind Erfahrungswürfel, Gegenstände oder eine neue Aufgabe der Lohn.
  • Drachenereignisse. Böses droht den Helden. Der Drache raubt, zerstört oder ärgert seine Herausforderer kräftig.
  • Bestandteile für die Suche nach den drei magischen Waffen. Solange man nicht die entsprechende Schriftrolle erhalten hat, sind diese Marken für den Spieler bedeutungslos.
  • Da die Karten, bis auf die Anfangsmarken aus dem Beutel gezogen werden müssen. Kann das Erscheinen wichtiger Marken sehr lange auf sich warten lassen. Es passiert sogar, dass man keine Marke mehr ziehen kann und somit ein wichtiges Ereignis nicht ins Spiel kommt.
  • Gelangt man in die Stadt der Magier, ist es möglich einen Basar veranstalten, bei dem eine weitere Sorte von Marken ins Spiel kommt. Hier erhält man Zauberspruchrollen, nützliche Gegenstände oder Heiltränke. An diesem Basar kann man auch den anderen Spieler beteiligen und gegen eine Provision den Kauf für ihn tätigen. Das ist die einzige direkte Interaktion mit dem anderen Spieler. Karten aus der Stadt der Magier kommen nach Verwendung hierher zurück.

 

Die Karten sind nicht alle selbsterklärend. Für die meisten muss im Glossar nachgelesen werden. Da dieses alphabetisch sortiert ist und die meisten Karten keine Bezeichnung aufgedruckt haben, erweist sich das Finden der Regel als sehr mühselig. Was aussieht wie eine Crackerstange ist in Wirklichkeit ein Zauberknochen. Erschwerend kommt hinzu, dass von einigen Marken das Bild doppelt verwendet wird und der Eintrag nicht immer direkt neben der Abbildung steht. Probleme durch Unterschiede zwischen Karte und Glossar ergeben sich etwa bei der Karawanserei und der Karte für das Labyrinth.

Dieser Teil der Regeln ist extrem unübersichtlich geraten.

Dazu kommt, dass man sich einige Regeln, wie etwa zu den Lebenspunkten oder dem Kampf gegen den Drachen, aus drei verschiedenen Stellen im Heft zusammensuchen muss. Das ist in hohem Maße frustrierend.

Als größtes Ärgernis erwies es sich, dass im Regelheft keine Erklärung der Drachenkarten zu finden ist. Erst wenn man beim Drachen ankommt und sich die Regeln für einen Kampf gegen ihn zusammengesammelt hat, stolpert man über die Aussage, dass der Wurm mehrere Lebenspunkte hat. Woher man erfährt, wie viele er nun hat, also wie sein Profil wirklich ist, steht leider nirgends. Wenn einem jetzt die vier Karten einfallen, die bisher ungenutzt in der Kiste herumlagen, bekommt man eine Ahnung, wie die Regel hierzu sein könnte.

Erst ein Besuch des Internets brachte hier eine Aufklärung. Nicht in der Regel-FAQ von Phantastische Abenteuer, sondern im Forum von Spielern, die auch über „Rückkehr der Helden“ verfügen und eine Regelanalogie herstellen konnten.

Das einige Gebietskarten über Besonderheiten verfügen, wie etwa das Labyrinth, erfährt man nicht in den Regeln, sondern im Glossar.

 

Neben den magischen Waffen ist es unbedingt sinnvoll seine Fertigkeiten durch Erfahrungen zu steigen. Jede Figur besitz Grundwerte in den Fertigkeiten Magie, Fernkampf und Nahkampf, dargestellt durch die Farben Blau Grün und Orange (Rot). Diese Werte werden zur Erfüllung von Proben verwendet. Meist wird dieser Profilwert bei der Probe noch abgesenkt um zu etwa zu verdeutlichen, dass ein Basilisk eine besonders starke Haut hat, senkt er den Nahkampfwert um 2. Der Spieler muss versuchen diesen angepassten Wert mit zwei Würfeln nicht zu übersteigen, denn dann wäre die Probe oder der Kampf misslungen.

Im Erfolgsfall gibt es meist Erfahrungswürfel (EW) der drei Farben als Siegprämie. Welche Farbe zu wählen ist, steht auf den Spielmarken und ist sehr unterschiedlich.

Diese Würfel platziert man auf dem Charakterbogen. Je nach Rasse darf man ab einer bestimmten Anzahl EW seine Probe mit bis zu fünf Würfeln durchführen und sich die zwei passendsten aussuchen.

Durch Lernen bei Kerberos oder durch Gegenstände kann man aber auch den Grundwert einer Fertigkeit steigern.

Beim Kampf gegen den Drachen werden für jedes Goldstück in seinem Hort, EW entfernt. Es ist also gut zu überlegen, mit wie vielen EW man ihm gegenübertritt.

 

Da der Drache unterschiedliche Spezialattacken besitzt, kann es geschehen, dass ein Spieler nicht mit seiner Hauptfertigkeit sinnvoll gegen den Drachen antreten kann und er mehr Erfahrungen sammeln muss, als sein Mitspieler, hier fehlt ein fairer Ausgleich.

Besonders gegen Ende des Spieles lassen sich einige Taktiken finden, den Charakter hoch zu leveln, ohne dass man Aufgaben erfüllen muss. So kann man neu gezogene Monstermarken in Reichweite der Spielfigur ablegen und sich mit hoher Wahrscheinlichkeit recht leicht noch fehlende EW besorgen. Auch ein Dauerbesuch beim Gaukler ist mit dem Goldsack als nie versiegende Einnahmequelle eine sichere Möglichkeit, die Figur drachenfest zu machen. In dieser späten Phase des Spieles fehlen einfach Herausforderungen und noch knackigere Aufgaben.

 

„Im Schatten des Drachen“ ist dennoch ein unterhaltsames Spiel, das Spaß macht. Durch das Getrenntspielen der Helden entsteht kein Druck oder eine Konkurrenzsituation, man läuft sehr entspannt durch die Welt. Das die Zeit drängt, wie im Werbetext versprochen, ließ sich nicht nachvollziehen, besonders wenn die vier Drachenereignisse sehr früh gezogen werden und die wichtigen Begegnungen auf sich warten lassen. Die Spielzeit beträgt auf jeden Fall mehr als Zwei Stunden, vor allem dem Regelsuchen geschuldet. Ob das Spiel genug Langzeitmotivation bietet, um oft genug zu spielen, dass man jede Regel kennt, ist sicher vom Geschmack abhängig. Da aber die Anzahl der Aufgaben begrenzt ist und ein größeres Zufallselement den Regeln fehlt, scheint mir dafür wenig Potential enthalten zu sein.

Insofern kann ich dem Werbetext:

„Im Schatten des Drachen ist ein eigenständiges, schnell zu erlernendes Spiel für 2 Personen, das unendlich viele Spielmöglichkeiten bietet.“

nicht zustimmen.

 

 

Ein unabdingbarer Hinweis:

Infos unter: www.phantastische-abenteuer.de

Hier sollte man Fragen im Forum beantwortet finden oder erbeten. Vielleicht schiebt der Herausgeber ja auch ein neu gestaltetes Regelwerk hinterher

 

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Im Schatten des Drachen

Brettspiel von Lutz Steponat, Phantastische Abenteuer

Erschienen bei Pegasus Press Artikel Nr.: 52120G

ISBN: 393782619X

Erhältlich bei: Amazon

 

Inhalt

9 Gebietskarten, 3 doppelseitige Heldenbögen (weibliche/männliche Helden), 6 Pappspielfiguren + Plastikfuß, 2 Herrenhäuser, 36 Erfahrungswürfel in drei Farben aus Holz, 15 Goldstücke aus Holz, 5 sechsseitige Würfel, 14 Lebenspunkte als roten Glassteine, 3 Schriftrollen-Karten, 4 Drachen-Karten, 16 Zahlenplättchen, 62 Spielmarken, 1 Stoffbeutel, Regelheft


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Erstellt: 18.07.2005, zuletzt aktualisiert: 16.02.2018 17:50