In die Ferne (Autor: Peter F. Hamilton; Exodus: Archimedes Engine 1)
 
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In die Ferne von Peter F. Hamilton

Reihe: Exodus: Archimedes Engine Teil 1

 

Rezension von Matthias Hofmann

 

Dieses Buch ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Es ist der neuste Roman des britischen Bestsellerautors Peter F. Hamilton. Seine zahlreichen Fans können es kaum erwarten.

 

Es ist ein wichtiger SF-Roman, der nicht bei den großen Publikumsverlagen wie Bastei-Lübbe oder Piper auf Deutsch veröffentlicht wird. Ist das ein weiteres Zeichen der Zeit?

 

Es ist ein Werk, das als Einführung für ein neues Computerspiel dienen soll, das im Jahr 2027 von Wizards of the Coast auf die wartenden Fanscharen losgelassen wird. Je nach Stärke der Synergieeffekte, könnte sich dahinter ein Sleeper Hit verbergen.

 

Aber auch der Umfang ist erwähnenswert. Bereits im englischen Original kommt der Roman auf 928 Seiten. So ein Backstein ist nicht zur beim Lesen eine Herausforderung, sondern auch für einen Verleger. Der deutsche Verlag, in diesem Fall Pahlberg, hat sich für eine Zweiteilung entschieden und bringt Exodus: Archimedes Engine in zwei Büchern in kurzem Abstand auf den Markt.

 

»Pahlberg Verlag?!« höre ich einige verdutzt fragen. Ja, genau. Das ist ein Verlag von Guido Pahlberg aus dem schwäbischen Dettenhausen. Pahlberg ist der Name eines Imprints vom Belle Époque Verlag, der bereits 2013 gegründet wurde und seit seiner Etablierung mehr als 600 Titel veröffentlicht hat, von denen aktuell 350 gedruckt im Buchhandel erhältlich sind. Auch E-Books und Hörbücher gehören zum Angebot. Verlegt werden u. a. die klassischen Krimiromane von Maurice Leblanc mit Abenteuern des fiktiven Meisterdiebs (und »Gentleman-Gauners«) Arsène Lupin, aber auch moderne Kriminalromane, Science Fiction, Fantasy und Romance.

 

Damit ist klar, dass sich hinter dem Imprint und dem Verlag keine Eintagsfliege oder ein klassischer Küchentischverleger verbirgt. Für Genre-Fans gibt es die frühen Werke von deutschen Autoren, u. a. Joshua Tree oder Brandon Q. Morris. Und von Peter F. Hamilton verlegte man den Roman Fallen Dragon neu, der 2002 bei Bastei-Lübbe in zwei Teilen als Sternentäume und Drachenfeuer erstveröffentlicht wurde. Bei Belle Époque machte man im Rahmen dieser Zweitlizenz eine Trilogie draus.

 

Und damit sind wir bei dem neusten Coup von Hamilton angelangt: »Exodus: Archimedes Engine«. Der erste Teil des Romans trägt den Untertitel »In die Ferne«. Die Story mal eben kurz zusammenzufassen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Hamilton hat hier ganze Arbeit geleistet, was das Setting und das Worldbuilding anbelangt. Also wenn einer den SF-Weltenbau beherrscht, dann der 1960 in den East Midlands von England geborene Engländer. Er zählt zur Folgegeneration britischer Altmeister wie Arthur C. Clarke oder Brian W. Aldiss. Sein Œuvre könnte man vergleichen mit dem Werk von Alastair Reynolds oder Neal Asher. Fans des US-amerikanischen Autorenduos James S.A. Corey oder des leider viel zu früh verstorbenen Schotten Iain M. Banks dürften auch auf ihre Kosten kommen.

 

In Sachen Gigantismus, was die Zeitleisten von Space Operas anbetrifft, macht Hamilton keiner etwas vor. Die Geschichte spielt sage-und-schreibe rund 40.000 Jahre in der Zukunft. Die Menschheit hat sich dort zu einer Art transhumaner Spezies weiterentwickelt, in die sogenannten Celestials. Aber keine Angst, Menschen gibt es auch noch. Im Jahr 2200 nahm die Bewohnbarkeit der Erde stark ab. In den folgenden 200 Jahren bauten die Menschen in Asteroiden-Siedlungen große Archenschiffe mit Entropie-Antrieb. Ganze Flotten verließen das Sonnensystem auf der Suche nach einer neuen Heimat in den Sternen.

 

18.000 Jahre n. u. Z. erreichen mehrere dieser Flotten den Centauri Cluster, der sich 16.000 Lichtjahre von der Erde entfernt befindet. Über die folgenden 6000 Jahre entwickelten sich, mit Hilfe von stetig weiterentwickelter Gentechnik, die Celestials. Auch in den Jahren 41.550 und 42.350 treffen noch vereinzelt Archenschiffe ein. Zuletzt die Diligent. Und damit ein Teil der Hauptprotagonisten des vorliegenden Romans.

 

Die Vorgeschichte mit der Herleitung bis zum Beginn der eigentlichen Romanhandlung ist episch. Hamilton hat dem Roman einen »Zeitstrahl des Centauri Clusters« vorangestellt, der auf fünf Seiten die Chronologie der wichtigsten Ereignisse zusammenfasst.

 

Zusätzlich gibt es eine Liste der wichtigsten Charaktere, die enorm hilfreich ist. Hamilton hat ein überbordendes Figurenensemble erfunden und zusammengestellt, sodass man diese Hilfe wahrlich braucht, um den Überblick zu behalten.

 

Insgesamt gibt es verschiedene Handlungsstränge, die mal mehr, mal weniger spannend sind.

Das hängt auch davon ab, welche Charaktere einen am ehesten ansprechen oder faszinieren. Da sind die »Menschen der Art der Uranic«, eine Art adlige Statthalter und stellvertretende Regierende, die ebenfalls schwach genmanipuliert sind, aber unter dem Strich noch als »Menschen« durchgehen. Hauptperson ist hier Finbar »Finn« Charles Louis Griffin Jalgori-Tobu, der 25-jährige dritte Sohn der Familie Jalgori-Tobu und Dienstherr des Planeten Hafnir. Als Schlüsselfigur im Uranic-Widerstand spielen Finns Einfallsreichtum und Führung eine entscheidende Rolle bei der Herausforderung der Dominanz der Celestials.

 

Am interessantesten ist für mich die Handlung bei den Celestials, weil sie sich so weit von dem Menschsein entfernt haben, dass sie sehr bizarr wirken, aber trotzdem einer Art rückständigem Feudalismus frönen, die ans dunkelste Spätmittelalter erinnert.

 

Darüber hinaus gibt es noch die Crew des Archenschiffs Diligent, andere Traveller und ganz normale Menschen, u. a. Terence Wilson-Fletcher, ein 24-jähriger Detektiv, der in Santa Rosa auf dem Planeten Gondiar stationiert ist. Er wurde mit der Untersuchung der Uranic-Widerstandsaktivitäten beauftragt, deckt die Infiltration der Celestials und breite Verschwörungen auf. Sein Handlungsstrang dürfte Krimifans erfreuen.

 

Für die Celestials sind die Menschen nichts als Primitivlinge. Sie sind als Untertanen nützlich, aber darüber hinaus nichts als Überbleibsel einer vergangenen Zeit.

 

Peter F. Hamilton hat für »Exodus: Archimedes Engine« alle Register gezogen und ein vielschichtiges Werk erschaffen, das nicht nur massentauglich ist, sondern auch Nerds und Leute, die sich in Lesefutter gerne festbeißen, zufriedenstellen dürfte.

 

Man sollte sich nicht von dem langweiligen und nichtssagenden Titelbild abschrecken lassen. Dafür kann der Pahlberg Verlag nichts. Die Lizenzbedingungen sind sehr restriktiv. So musste man sich die Coverdesigns vom Lizenzgeber genehmigen lassen und die Qualität des Drucksatzes wurde ebenso geprüft.

 

Das Motiv selbst ist identisch mit der Originalausgabe. Es ist ein so extrem generisches, abstraktes Bild, welches nur mit etwas Vorwissen als »Science Fiction« klassifizierbar ist. Überhaupt. Das Label »Science Fiction« ist nirgends zu finden. Nicht auf dem Cover. Nicht auf dem Buchrücken oder dem Backcover und nicht auf den Vorsatzseiten. Wie soll da der Buchhandel den Roman auf die Schnelle einordnen? Und wie sollen potenzielle Leser den Roman finden, wenn er nicht einmal einem Genre zugeordnet ist?

 

Ich jedenfalls kann »Exodus: Archimedes Engine 1 – In die Ferne« allen empfehlen, die gerne tief in fremde Zukunftswelten eintauchen. Peter F. Hamilton zählt zu den Erneuerern des zeitweise etwas eingestaubten Subgenres Space Opera. Es wird alles geboten, was ein Herz, das unterhalten werden will, begehrt: eine epische und komplexe Future History, menschliche und außerirdische Tragödien und Dramen, geballte Salven an Hard-SF-Schilderungen, faszinierende Charaktere und immer mal wieder spannende und actionreiche Sequenzen.

 

Das Videospiel-Element hat mich zuerst etwas abgeschreckt, aber ich kann allen, die vielleicht ähnlich befangen sind, versichern, dass es für die Lektüre des Werk total irrelevant ist. Das Spiel soll auf den Romanen basieren. Sie können völlig unabhängig von dieser Idee gelesen werden.

 

Der zweite Teil ist als Exodus: Archimedes Engine 2 – In die Heimat für August 2026 angekündigt. Bereits im Oktober und November 2026 kann man den zweiten Roman Exodus: Helium Sea auf Deutsch erwerben. Das ist ja fast wie in den guten alten Zeiten, als Heyne, Goldmann, Bastei und Co. noch ihre monatlichen SF-Reihen stetig mit neuem Lesestoff fütterten.

 

Ich hebe schon mal vorsichtig beide Daumen und hoffe, dass sich dieses verlegerische Risiko für den Pahlberg Verlag auszahlt. Dann würden wahrscheinlich weiteren internationalen Genrewerken die Tür für eine deutschsprachige Veröffentlichung geöffnet. Der Rückstau wird allmählich unerträglich groß.

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Buch:

In die Ferne

Reihe: Exodus: Archimedes Engine Teil 1

Originaltitel: Exodus: The Archimedes Engine, 2024

Autor: Peter F. Hamilton

Übersetzung: Manuela Würz

Titelillustration: Paul Lycett

Taschenbuch, 530 Seiten

Pahlberg Verlag, 13. Juli 2026

 

ISBN-10: 3988453005

ISBN-13: 9783988453006

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B0H8Z7VZC1

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition


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Erstellt: 23.08.2026, zuletzt aktualisiert: 23.08.2026 16:33, 26753