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7 Fragen - 7 Antworten : Achim Hildebrand - Der Meuchelsänger aus dem Westerwald

Fantasyguide: Hallo Achim. Stell dich doch unseren Lesern mal vor!

 

Achim Hildebrand: :

Nun, ich bin 1957 geboren und lese spätestens seit 1967 mit Begeisterung alle Arten von phantastischer Literatur. Irgendwann in der Mittelstufe habe ich mit einigen Gleichgesinnten beschlossen, auch ein berühmter Autor zu werden.

Dann kam lange nichts, aber vergessen hab ich den Plan nie und Anfang der 80er schrieb ich eine Kurzgeschichte die ich an Bastei schickte. Sie wurde tatsächlich gekauft und gedruckt. Ich weiß nicht warum, aber dann kam lange wieder nichts (außer, dass ich den Plan nie vergessen habe). Vielleicht, weil ich nicht glauben wollte, dass es so einfach sein könnte. Dass ich vermutlich nur unverschämtes Glück gehabt hatte, ist mir erst viel später eingefallen.

Ende der 90er kam ich durch eine Bekannte ins Literaturforum Leselupe und postete dort eine Kurzgeschichte, die ebenfalls in einer Anthologie veröffentlicht wurde. Von da an begann ich, an ein gewisses Talent zu glauben und hab einfach weiter geschrieben. Es geht also voran mit dem Plan.

 

Heute wohne ich in einem kleinen Dorf im Westerwald und verdiene mein Brot (und gelegentlich ein paar Scheiben Aufschnitt) zur Zeit als Geschäftsleiter in einem Ingenieurunternehmen in der Nähe von Wiesbaden. Davor lagen Phasen als selbständiger Informationsdesigner, Projektmanager, Entwicklungsingenieur, Datenbankprogrammierer und noch einige andere.

 

Ich bin Single, hab einen Kater der Willi heißt und habe neben dem Schreiben noch die Arbeit im Garten ganz gern. Mein Lieblingsgetränk ist Hefeweißbier neben Cola Zero. Musik mag ich auch, vor allem Hardrock (AC/DC) Spätromantik (Bruckner) und Folk (Dubliners). Jazz eher weniger (Alle).

Ich fahre einen weißen Mitsubishi Colt, den ich mir mit Hilfe der Abwrackprämie geleistet habe und wer mehr wissen möchte darf mir gern ein Mail schreiben.

 

Fantasyguide: Im Skalding Verlag erscheint dein erster Roman Meuchelsänger. Erzähl uns doch mal, worum es in dem Roman geht.

 

Achim Hildebrand: :

Nidel ist ein Meuchelsänger, der mit seinen Liedern Macht über den Willen ausüben und sogar töten kann. Die Welt, in der er lebt, wird durch ein fragiles Gleichgewicht zwischen den Kreaturen des Chaos und den von ihr bedrohten Menschen geprägt. Als Nidel aufbricht, um seiner Liebsten ein Geschenk zu besorgen, setzen Ereignisse ein, die dieses Gleichgewicht zugunsten des Chaos beenden könnten. Durch einen Schiffbruch, Pech im Spiel und Erpressung durch schlitzohrige Priester, findet sich Nidel unversehens als einzig möglicher Retter der bedrohten Menschenwelt wieder und macht sich widerwillig auf den Weg.

Auch Glurph, der Eiszwerg wird in den Sog der Ereignisse gezogen und muss eine Menge über die Schlechtigkeit der Menschen lernen, bevor er reif genug ist, zusammen mit Nidel, der heiratswilligen Söldnerin Yezdibeth und dem Kneipenwirt Holzmann ins Herz des Chaos vorzustoßen, um sich der Gefahr entgegenzuwerfen. Weder die eigene Unfähigkeit noch arglistige Nekronten, Zeitfresser oder geschwätzige Schleimpilze können sie davon abhalten, die Macht des Chaos herauszufordern - und hoffentlich zu überleben.

Alles in allem ist es eine geradlinige Abenteuerstory, mit vielen satirischen Elementen über Wundergläubigkeit, menschliche Schwächen und das anstrengende Leben der Chaosmonster.

 

Ich hoffe, das war nicht zu sehr "Klappentext".

 

Fantasyguide: Ein Rezensent sprach von klassischer Fantasy. Welche Vorbilder standen bei Meuchelsänger Pate?

 

Achim Hildebrand: :

Unter dem Begriff "klassisch" versteht natürlich jeder etwas anderes. Mein Eindruck - ein reines Nauchgefühl, mit dem ich den heutigen Stand der Fantasy nicht werten oder kritisieren möchte - ist der, dass die Autoren, die ich als "klassisch" ansehen würde, mehr Mut zur Originalität hatten. Ich nenne mal Vance, Leiber und Wagner als Beispiele für viele andere. Mieville würde ich als Beispiel dafür sehen, dass dieser Mut immer noch lebt und erfolgreich sein kann.

 

Bei den Werken der jüngeren Vergangenheit, sagen wir mal, die letzten 10 bis 15 Jahre, ahne ich gelegentlich die Überzeugung der Autoren, dass man mit Drachen, Elfen und Zauberern nicht viel verkehrt machen kann. Wie gesagt, ein Gefühl, dass ich durch nichts belegen kann.

 

Insofern würde ich Meuchelsänger auch als "klassisch" bezeichnen. Ich habe geschrieben, was ich gerne wollte und was mir Spaß gemacht hat.

 

Direkte Vorbilder könnte ich jetzt nicht nennen. Da ich viel Fantasy gelesen habe, werden im "Meuchelsänger" als Erstling sicher eine ganze Reihe von Einflüssen zusammenfließen. Ein wenig Halt, bei der Ausarbeitung des Charakters hab ich anfangs eher außerhalb der Fantasy gefunden: Nidel könnte ein bisschen Ähnlichkeit mit "Stromberg" haben.

 

Fantasyguide: Nidel ist ja ein eher zweifelhafter Charakter, der auch vor Tötung nicht

zurückstreckt und aus mehr oder minder niederen Motiven handelt. So startet

das Abenteuer längst nicht direkt aus Liebe zur Frau, sondern eher aus Liebe

zur Mitgift. Die Helden sind normalerweiße doch eher die Weißen Ritter. So

ist Nidel politisch unkorrekt. Warum hast du einen solchen Charakter

geschaffen und spaltet er nicht die Leserschaft?

 

Achim Hildebrand::

Weiße Ritter finde ich fad. Sie haben ihre Prophezeiung, ihre magische Waffe, den Beistand der Götter und einen Gegner der ihnen stundenlang seine Pläne erklärt, bevor er sich anschickt sie zu töten. Sie können gar nicht anders, als Erfolg haben und sind so edel, dass ihre Autoren oft eigenartige Kunstgriffe anwenden müssen, um ihnen ein paar Ecken und Kanten zu verpassen.

 

Nidel sollte von vorn herein ein authentischer Charakter werden. Einer der sich so anfasst, wie er aussieht. Ein richtiger Mensch mit einem gesunden Pragmatismus. Der nicht arbeitet, wenn er nicht muss, der keine höheren Ziele kennt, als "ausgesorgt" zu haben und grundsätzlich nach dem leichtesten Weg sucht.

Wenn er nicht erpresst würde, würde er darauf pfeifen, die Welt zu retten und sich verdrücken.

 

Das kann man "niedere Motive" nennen, aber darauf, dass hinter politischer Korrektheit "höhere Motive" stecken, möchte ich keine zwei Cent wetten. Vielleicht ist z.B Gandalf auch nur ein Nidel, der Frodo und andere für sich die Drecksarbeit machen lässt. (Naja, nur ein bisschen. Ansonsten leistet er schon seinen Beitrag. :-))

 

Wenn Nidel heute lebte, wäre er womöglich 9Live-Moderator, würde seinen Müll nicht richtig trennen, Krankenscheine fälschen und versuchen, den fälligen Monatsbericht seinem Schreibtischnachbarn aufs Auge zu drücken. Einer von uns eben.

 

Daher glaube ich auch nicht, dass er die Leserschaft spaltet, sondern im Gegenteil, dass fast jeder jemanden kennt, der ein bisschen ist wie Nidel. Solche "Entdeckungen" macht man, glaube ich, ganz gern. Karl Valentin und Ludwig Thoma haben mich da sicher auch ein wenig beeinflusst.

 

Dass Nidel kein schlechtes Gewissen hat, gelegentlich etwas grausam zu sein, gehört m.M. zum Wertekanon einer mittelalterlich geprägten Welt, in der Demokratie und breite Bildung keine Rolle spielen. Oder wie John Silver mal über seine Piratentruppe sagte: "Dummheit macht grausam - und die hier sind dümmer als dumm."

Ansonsten tötet Nidel - zumindest im Buch - nur, um sein Leben zu retten. Das darf er.

 

 

Fantasyguide: Mir dünkt, Meuchelsänger Nidel dürstet nach weiteren Abenteuer. Sind weitere Romane geplant?

 

Achim Hildebrand::

Konkret geplant noch nicht. Lust dazu hätte ich schon. Granica, die Welt in der es spielt ist recht tief entwickelt. Es gäbe also noch einiges zu entdecken.

Meuchelsänger ist zwar nicht als Zyklus angelegt, aber das Setting m.M. nach vielseitig genug um noch für eine ganze Reihe von Abenteuern als Bühne zu dienen.

Sagen wir es so, wenn von Leserseite der Wunsch nach Fortsetzungen aufkommt, wird es welche geben, wenn nicht, vielleicht auch.

 

Fantasyguide: Skalding ist ja ein neuer Verlag. Warum hast du Meuchelsänger gerade da untergebracht?

 

Achim Hildebrand: :

Skalding ist die Gründung einiger Autorenkolleg/inn/en, mit denen ich schon lange einen intensiven Kontakt und Austausch hatte. Mir gefiel die Philosophie von Skalding, "Bücher für die Leser" herauszubringen. D.h. Manuskripte nicht unbedingt nach den aktuellen Marktströmungen auszuwählen, sondern solche, die man (also die Redaktion) auch selber lesen und vor allem kaufen würde.

Der Keim von "Meuchelsänger" war ein Fragment, dass ich im Rahmen einer Schreibübung in einem Forum zur Kritik eingestellt hatte. Skalding war zu der Zeit auf der Suche nach den ersten Manuskripten und fragte an, ob ich nicht Lust hätte, das Fragment zu einem Roman auszubauen.

Hatte ich.

Nach einigen Probekapiteln waren wir uns einig und mit intensiver Betreuung seitens des Verlags ist Nidel dann nach ca. 6 Monaten zur Welt gekommen. Dafür auch nochmal meinen herzlichen Dank an die Skalding-Redaktion.

 

Fantasyguide: Deine Geschichte Alligatoren&Zupfkuchen ist Kurzgeschichte des Monats im Fantasyguide. Zuletzt erschien »Margit« in der Anthologie »Zwielicht«. Wie ist dein Verhältnis zur Kurzgeschichte und welche deiner Geschichten würdest du dem Leser besonders ans Herz legen?

 

 

Achim Hildebrand: :

 

Als Leser bin ich absoluter Kurzgeschichtenfan. Besonders Autoren wie Sheckley, Brown, Bester oder Sturgeon. Ich mag einfach dieses Schema mit dem überraschenden Twist am Ende.

Natürlich schreibe ich auch gerne welche. Vor dem Meuchelsänger liegen ca. 50 Kurzgeschichten. Aber da Kurzgeschichten eher "Ideen-Literatur" sind, muss man es halt nehmen wie es kommt und manchmal hat man eben ein paar Monate lang keine Ideen.

Im Moment habe ich zwar eher Gefallen am Romaneschreiben gefunden, aber es sind auch wieder einige Kurzgeschichten in Arbeit.

Ans Herz legen ... hm. Als am anspruchvollsten empfinde ich "Passionsspiele" und Und all das wimmelnde Getier, aber am liebsten mögen die Leser wohl eher die kurzen, satirischen Sachen wie 1000 Banner im Sand oder eben Alligatoren&Zupfkuchen

Naja, ich würde lieber die Leser selber herausfinden lassen, was empfehlenswert ist und was nicht. Demnächst bin ich wieder mit einer Autorenwebsite online, da werden dann auch alle Kurzgeschichten verfügbar sein.

(Achim Hildebrand. Sie ist zwar noch nicht vollständig, aber es gibt dort eine Leseprobe, zusätzliche - aber momentan ist sie noch geschlossen)

 

Fantasyguide: Wirf doch mal einen kurzen Blick in die Zukunft und sag uns, was wir in nächster und auch ferner Zukunft noch von Achim Hildebrand zu erwarten haben?

 

 

Achim Hildebrand: :

 

Schwierig - man hat immer hundertmal so viele Ideen, wie man verwirklichen kann und es fällt mir ziemlich schwer, mich für eine davon als nächstes Projekt zu entscheiden. Schreiben macht zwar Spaß, aber es tut einem doch immer ein bisschen weh, wenn man mittendrin entdeckt, dass der Text wohl doch nicht das wird, was man sich erwartet hat und in der Schublade verschwindet.

Angefangen hab ich jetzt mit einem Wissenschaftsthriller, in dem es um einen tödlichen Effekt der Evolution geht. Er wird dick und blutig werden.

Grundsätzlich möchte ich mich aber künftig an verschiedenen Genres versuchen. Es könnte also auch mal etwas historisches dabei sein, eine Space Opera oder etwas horrorartiges. Und sicher auch immer wieder mal ein bisschen Satire.

 

Fantasyguide: Wir bedanken uns für das interessante Gespräch und wünschen dir für die Zukunft alles Gute.

 

Und ich bedanke mich für eure Fragen und die guten Wünsche

Wer möchte kann auch gerne mal die Meuchelsänger-Website besuchen Meuchelsänger. Sie ist zwar noch nicht vollständig, aber es gibt dort eine Leseprobe, zusätzliche Hintergrundinformationen, eine kleine Galerie mit Illustrationen der wunderbaren Susanne Jaja, einige Scribbles von mir selber und noch ein paar nette Kleinigkeiten.

 

Eure Meinung:

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Achim Hildebrand

 

Kurzgeschichte

Alligatoren&Zupfkuchen

 

 


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Erstellt: 05.06.2009, zuletzt aktualisiert: 14.03.2019 17:44