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Die Bibliothek von Babel in der Büchergilde Gutenberg

Redakteur: Ralf Steinberg

 

Die Magie einer Bibliothek lebt in den Werken, die sich in ihren Regalen bereithalten, dass man ihre Seiten aufschlüge und mit ihnen den Blick in fremde oder vertraute Welten wirft. Jedes Buch ist ein eigenes Reich der Fantasie, nur selten ahnt man, wohin das Lesen einen treiben wird und je mehr man gelesen hat um so unwiderstehlicher wird der Sog, den eine Bibliothek auf uns ausübt.

Jorge Luis Borges kannte diese Faszination und jahrelang arbeitete er in seiner Bibliothek daran, dieses Wunder mit so vielen, wie möglich zu teilen. Doch die Schätze in den Regalen sind unzählbar, zu schnell gerät ein Kleinod unter die schweren Schichten der literarischen Sedimente.

So sammelte Borges eine Reihe jener ganz besonderen Bücher zusammen, damit man ihre Stimme wieder höre.

Die Bibliothek von Babel stellt eine mehr als herausragende Versammlung von Werken da, die in umfassender Weise der Phantastik angehören, also jener Spielart der Literatur, die Borges so schätzte und zu deren berühmten Vertreter er gehört.

Jahre nach der ersten deutschen Edition bringt nun die Büchergilde Gutenberg die Bibliothek von Babel in einer wunderschönen Ausgabe neu heraus - Grund genug für uns, den Verlag darüber zu befragen.

 

Das Interview

Antworten auf unsere Fragen, lieferte Mario Früh, Geschäftsführer der Büchergilde sowie Verleger der edition Büchergilde.

 

Fantasyguide: Hallo Herr Früh, wie kam es eigentlich dazu, dass die Büchergilde Gutenberg Borges Bibliothek von Babel neu herausgibt?

 

Mario Früh Die Bibliothek von Babel neu herauszugeben, war uns eine Herzensangelegenheit. Mit dieser einmaligen Zusammenstellung Phantastischer Literatur hat Jorge Luis Borges den Lesern ein Kleinod klassischer Literatur geschenkt, was schon an seinen wunderbaren Vorworten deutlich wird, die er jedem Band gewidmet hat. Und es gibt neben den bekannten Namen wie Henry James, Franz Kafka, Edgar Allan Poe, Oscar Wilde, Fjodor Dostojewski, Leo Tolstoi u.a. auch Autoren zu entdecken, die in Vergessenheit gerieten oder die man aus den Augen verloren hat.

 

Fantasyguide: Wer steckt hinter diesem umfangreichen Projekt, wer sind die Macher?

 

Mario Früh Ganz einfach: die Büchergilde, in deren über 80jährigen Verlagsgeschichte die Bibliothek von Babel ihren Platz haben sollte. Und hier alle Abteilungen, die auch sonst bei jedem Buch mitwirken: Die Herstellung, die für die Produktion der Bücher, die Gestaltung in Verbindung mit dem Illustrator und die rechtzeitige Auslieferung verantwortlich ist. Die Lizenzabteilung, welche die Rechte beim Originalverlag einholt und mit den Übersetzern verhandelt. Die Werbung, die alle verkaufsfördernden Maßnahmen frühzeitig planen muss, die Internetseite erstellt und zusätzliches Informationsmaterial bereitstellt. Sowie der Vertrieb, der die Bibliothek in die Buchhandlungen bringt, Bestellungen entgegen nimmt und den verkauf überblickt.

 

Fantasyguide: Wie kam Bernhard Jäger zu seinen Titelillustrationen, wodurch ließ er sich inspirieren?

 

Mario Früh Bernhard Jäger war und ist ein Fan der Bibliothek von Babel. Und er hat ihr mit seinen Illustrationen eine moderne Form gegeben. Er hat, wie er sagte, bei den Illustrationen zu dem Band „Münchhausen“ angesetzt, den er vor ein paar Jahren für die Büchergilde illustriert hat. Wie damals bedient er sich einer speziellen Aquarelltechnik auf Papier, die zu extrem leuchtenden Farben führt. Dafür wurde er von der Stiftung Buchkunst ausgezeichnet. Er beginnt mit flüchtigen Skizzen, die er dann auf zwei oder drei Aquarellpapieren gleichzeitig ausführt. Wenn ihm an einem bestimmten Punkt eines der Blätter besonders gut gefällt, arbeitet er nur noch daran weiter. Zudem spielen für ihn der Schlaf und der Traum bei den Motiven eine große Rolle, schließlich weiß man bei den Geschichten nie, ob sie Realität oder Traum sind.

 

Fantasyguide: In den Büchern ist zu lesen, dass nicht alle Rechteinhaber der Werke ermittelt werden konnten - wie umfangreich sind die Vorarbeiten einer solchen Edition?

 

Mario Früh In der Zwischenzeit konnten wir alle Rechteinhaber ausfindig machen. Insgesamt haben die Vorarbeiten zur Realisierung der Bibliothek von Babel wohl ein Jahr in Anspruch genommen.

 

Fantasyguide: Konnten alle Übersetzungen wieder verwendet werden und gab es Bearbeitungen der Texte?

 

Mario Früh Wir haben uns entschieden, ohne Ausnahme auf die Übersetzungen zurückzugreifen, die beim ersten Erscheinen der Bibliothek von Babel verwandt wurden. Es ging uns dabei um die Ursprünglichkeit und die Homogenität der Übersetzungen.

 

Fantasyguide: Wie ordnet sich die Bibliothek von Babel in das Verlagskonzept ein, wird es weitere Werke des magischen Realismus in der Büchergilde geben, vielleicht unbekanntere Vertreter der Phantastik?

 

Mario Früh Ob es noch weitere Werke der Phantastischen Literatur oder des magischen Realismus geben wird, steht derzeit noch nicht fest, ist aber nicht ausgeschlossen.

 

Fantasyguide: Ihr dankt den Aktionären der Büchergilde für die Schaffung der finanziellen Vorraussetzung. Wie muss man sich den Aufwand für ein solches Projekt vorstellen?

 

Mario Früh Der finanzielle Aufwand für solch eine Edition von 30 Bänden ist schon sehr hoch. Neben den eigentlichen Produktionskosten kommt noch eine Reihe von Lizenzgebühren und Übersetzungshonoraren hinzu.

 

Fantasyguide: Wie wurden diese doch schon recht alten Texte digitalisiert für die heutige Produktion? Wie aufwendig ist ein solches Verfahren und war es schwierig die Vorlagen dafür zu bekommen?

 

Mario Früh Alle Texte mussten neu erfasst werden, und liegen erst jetzt in digitaler Form vor. Das funktioniert so: Eine Kopie des Buches geht an die Setzerei. Diese scannt alle Kopien und erstellt daraus mithilfe eines Computerprogramms eine Textdatei, die auch bearbeitet werden kann. Bei den Vorlagen konnten wir uns auf die vor mehr als 20 Jahren erstmals in Deutsch erschienene Ausgabe der Edition Weitbrecht stützen.

 

Fantasyguide: Könnt ihr verraten, wie die Auflagenzahlen aussehen, wie der Verkauf und die Vorbestellungen laufen und ab wann ihr von einem Erfolg sprecht?

 

Mario Früh Die Auflagenzahlen belaufen sich auf 5000 Exemplare pro Band. Mit den Vorbestellungen der ersten Staffel sind wir zufrieden, auch wenn man immer mehr erhofft. Gustave Flaubert hat einmal gesagt: „Der Erfolg ist eine Folgeerscheinung, niemals darf er zum Ziel werden.“ Wir arbeiten also zäh und geduldig an den Folgeerscheinungen.

 

Fantasyguide:Für Mitglieder der Büchergilde gibt es eine Leinenausgabe und optisch freundlichere Umschläge - nur ein Lesebändchen fehlt - wie kam es zu dieser Zweiteilung der Ausgabe?

 

Mario Früh Die angesprochene Zweiteilung ergibt sich aus rechtlichen Gründen. Die beiden Ausgaben müssen Unterscheidungsmerkmale haben. Inhaltlich sind sie aber selbstverständlich identisch.

 

Fantasyguide: Vielen Dank für dieses Interview!

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Mario Früh

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Erstellt: 22.05.2007, zuletzt aktualisiert: 16.05.2019 13:31