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Interview mit Claudia Rapp

geführt von Ralf Steinberg

 

Für 2023 kündigen sich große Dinge an, denn in der Con-technisch unterentwickelten Metrople Berlin soll endlich wieder ein Fan-Ereignis stattfinden, der MetropolCon. Der dahinterstehende Verein schlägt bereits fleißig die Trommeln, damit der Con zu einem Event wird, dass nicht nur das Publikum begeistert, sondern auch Potential für Wiederholungen entwickelt. Um solch schöne Idee zu unterstützen, baten wir die wunderbare Claudia Rapp, verantwortlicher Vereinsvorstand, ein paar Fragen über sich, den Con und den ganzen Rest zu beantworten.

 

 

Fantasyguide: Hallo Claudia, Du bist Übersetzerin und Nerdgirl. Was trieb Dich zur Phantastik?


Claudia Rapp: Ich habe schon als Kind am liebsten Dinge gelesen, die Alternativen zur Realität bieten. Abenteuer, andere Welten, Mythen, Magie und Märchenwesen … Das reizt mich einfach viel mehr. Und die Flucht aus dem tristen Alltag oder aus der Wirklichkeit brauchen wir doch immer wieder, auch gerade jetzt.


Fantasyguide: Du bist an der Idee zum Metropolcon beteiligt und nun auch federführend in der Orga. Was reizt Dich an diesem Mammutprojekt?


Claudia Rapp: Mir geht es vor allem um das Gemeinschaftsgefühl. Seit ich auf mehreren internationalen Cons (2017 Worldon in Helsinki, 2018 Icecon in Reykjavik, 2019 Eastercon in London und Worldcon in Dublin) war, möchte ich das, was ich dort erlebt und gespürt habe, gern weitertragen: Der Gedanke »Genau sowas will ich auch machen!« hat sich auf der Eastercon spätabends bei der Disco festgesetzt, als ich den Leuten beim selbstvergessenen Tanzen zuschaute. Dieses Gefühl, hier kann jede*r sein, wer er*sie*they ist oder sein möchte, ohne sich verstellen zu müssen, hat mich so richtig intensiv froh gemacht. Wenn man tiefer gräbt, ist es sicher nicht ganz so perfekt, wie es mir in jenem Augenblick erschien, aber das Gefühl habe ich als Ziel mitgenommen.

 

Grundsätzlich sind Ziel und Vision für die Con das Brückenbauen, das Zusammenbringen der unterschiedlichen Interessengruppen und Fans, die eines teilen: Begeisterung für Science Fiction, Fantasy und Horror im weitesten Sinne, Faszination für das Spekulative, das Andere.

 

 


Fantasyguide: Ihr habt den Con nun wegen der LBM verschoben. Warum? Denkt ihr, dass das Buchmessepublikum auch eurer Con-Publikum ist?


Claudia Rapp: Naja, Autor*innen, Verlage, Lesende, Fans – davon wird schon der größte Teil auf der Buchmesse sein. Es ist ja auch eine wirtschaftliche Frage: Wenn sich dort bis zu 250.000 Menschen an einem Wochenende tummeln und bei uns im Idealfall um die 800, dann lohnt es sich etwa für einen Verlag kaum, stattdessen zeitgleich bei uns den Stand aufzubauen. Und da wir eine Kooperation mit dem Phantastik-Autoren-Netzwerk PAN haben und das Branchentreffen 2023 als Teil der MetropolCon ausrichten, wäre es auch kontraproduktiv, wenn PAN gleichzeitig die große Mitglieder-Lounge auf der LBM betreibt. Die Buchmesse ist also so ziemlich DAS EINE Event, mit dem wir nicht konkurrieren wollen oder können.


Fantasyguide: Wie bist Du mit Team zufrieden? Reicht eure Personaldecke?


Claudia Rapp: Wir sind inzwischen 16 Menschen, die in Berlin, im Stuttgarter Raum, Ostfriesland, München, Heidelberg, Karlsruhe, Essen, Gießen und sogar in Irland leben und dieses Event gemeinsam organisieren. Ehrenamtlich und neben allen anderen Jobs, Familien und sonstigen Verpflichtungen. Das heißt, oh ja, ich bin sehr froh, Teil dieses vielfältigen, engagierten Teams zu sein, weil wir trotz unterschiedlicher Schwerpunkte, Kapazitäten und Backgrounds zusammen auf die Vision hinarbeiten. Und das heißt auch, hey, wir könnten weitere Unterstützung nach wie vor gut gebrauchen, im Vorfeld wie natürlich auch nachher während der Con. Solche Events leben ja auch vom Volunteering.

 

 


Fantasyguide: Wenn man euch unterstützen wollte: Was benötigt ihr am Dringendsten?


Claudia Rapp: Momentan wäre zum Beispiel Unterstützung bei der Sponsorensuche super, auf lange Sicht wichtig wird das Care-Team für die Con, an das Teilnehmende sich wenden können, wenn es Probleme gibt. Wer sich hier angesprochen fühlt, kann sich gern unter volunteers@metropolcon.eu melden. Wir haben auf unserer Webseite auch einen eigenen Bereich für Menschen, die an irgendeiner Stelle mithelfen möchten: Volunteering

Dort posten wir fortlaufend aktuelle Positionen und Möglichkeiten. Und wir freuen uns nach wie vor auf weitere Mitglieder im Verein, ob Förder- oder aktives Orga-Mitglied, einfach melden!


Fantasyguide: Ihr wollt im Programm die drei großen Phantastik-Bereiche Science-Fiction, Fantasy und Horror zusammen bringen. Was ist mit den Märchen?

 

Claudia Rapp: Die Nennung der drei Genres soll Märchen oder andere Dinge nicht ausschließen. Uns ging es bei der Betonung vor allem darum, dass es viele Events gibt, die sich auf Science Fiction konzentrieren; gerade der Horror bleibt oft am Rand (wie das düstere, böse kichernde Kellerkind, als das er sich so wunderbar gänsehauterzeugend darstellen lässt). Und auch zur Fantasy gehört für uns die gesamte Bandbreite von High bis Low, von Urban bis Romantasy … Was Märchen angeht, fällt mir spontan Carolin Gmyrek ein, die gerade frisch eine Märchendystopie veröffentlicht hat und sicher Ideen für den einen oder anderen Programmpunkt zum Thema hätte.

 

 

Fantasyguide: Von Literatur über Wissenschaft, Games bis hin zu den Medien wollt ihr eine große Bandbreite anbieten. Gelingt euch da die Balance oder zeichnet sich schon ein Schwerpunkt ab?


Claudia Rapp: Ein gewisser Schwerpunkt auf Literatur ergibt sich schon durch das integrierte PAN-Branchentreffen. Wir rechnen mit vielen erfahrenen sowie angehenden oder neuen Autor*innen und möchten entsprechend ein informatives, innovatives Programm in diesem Bereich bieten. Aber auch für die anderen Schienen haben wir umfangreiche Ideen- und Wunschlisten. Mich persönlich reizt die Wissenschaft ja besonders: Der Weltraum – unendliche Weiten (*zwinker*, aber auch die Geisteswissenschaften, die uns noch viel zu erzählen haben.


Fantasyguide: Im Zusammenhang mit dem integrierten PAN-Treffen kam Kritik auf. Es ging um die Praktiken des Vereins, um Safe spaces – wie geht ihr damit um?


Claudia Rapp: Wir sehen vor allem, dass bei PAN derzeit einiges getan wird, um Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit zu verbessern; eine Netiquette ist in Arbeit, und ganz grundsätzlich sehen wir PAN als engagierte Interessenvertretung für Autor*innen und als einen der wesentlichen Akteure in der deutschsprachigen Phantastik – mit dem Stipendium, der finanziellen Unterstützung von Lesungen und Events, der Reichweitenstärkung seiner Mitglieder und auch dem Branchentreffen tut das Netzwerk viel für die Weiterentwicklung und Sichtbarkeit des Genres.

 

Was die MetropolCon und unsere Arbeit angeht: Wir haben einen Code of Conduct, also Verhaltensregeln formuliert, den jede*r beim Ticketkauf akzeptiert. Für die Con ist ein Care- oder Listener-Team geplant, dessen Mitglieder (gut sichtbar als solche ausgewiesen) auf der Veranstaltung ansprechbar sein werden, wenn es Probleme gibt oder sich jemand unwohl fühlt. Dieses Team wird im Vorfeld entsprechend geschult, um sensibel, vertraulich und mit klarer Handhabe agieren zu können.

 

Naja, und globaler gesprochen: Wir müssen uns alle weiterentwickeln, wenn wir eine bessere, inklusivere Zukunft wollen. Gemeinsam. Je mehr Menschen etwas Neues mitnehmen, inspiriert und zum Nachdenken angeregt werden, desto eher passiert das. Also möchte ich alle mitnehmen, die auch nur das kleinste bisschen bereit und offen dafür sind. Und selbst auch von und mit anderen dazulernen.

 

 

Fantasyguide: Wie groß wird dieser Con eigentlich? Wie stark schätzt ihr die Strahlkraft der Veranstaltung auf das Berliner Publikum ein, das ja jeden Tag eine große Palette an Kulturveranstaltungen angeboten bekommt?


Claudia Rapp: Wir hoffen auf etwa 800 Teilnehmende; 500 sollten es mindestens sein, um eine runde Sache daraus zu machen und nicht auf den Kosten sitzen zu bleiben. Nicht vergessen, das Ganze wird ehrenamtlich gestemmt und niemand von uns verdient daran – wir möchten gemeinsam mit euch die Phantastik feiern, präsentieren und diskutieren!

 

Das Berliner Publikum müssen wir noch weit mehr auf uns aufmerksam machen und gewinnen, das ist klar. Unser Träger- und Orga-Verein L.O.K.I. e.V. zur Förderung der Phantastik beginnt jetzt mit einer Reihe kleinerer Veranstaltungen, die uns auf den Radar der hiesigen Geeks und Gruppen bringen sollen: Am Samstag, den 25.6. geht es los mit einem Nerdpicknick im Volkspark am Weinbergsweg: Ab 15 Uhr, mit »Pub«-Quiz und gegenseitigem Lieblingsbuch-Vorstellen. Oder Lieblingsfilm/-game …

(Die Facebook-Veranstaltung dazu)

 

Im Juli folgt dann eine SF-Lesung, die wir gemeinsam mit PAN und Amandara Events präsentieren; merkt euch gern schon mal den 28.7. vor. Wer nichts verpassen möchte, sollte unseren Newsletter abonnieren und/oder uns auf Social Media folgen:

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Fantasyguide: Kommen wir zu den Ticketpreisen. 90, ermäßigt 75 Euronen sind ein Batzen Geld. Wird es Tagestickets geben und was bekommt man dafür geboten?


Claudia Rapp: Zunächst: Eine wirklich tolle, passende Location mitten in Berlin und gut an den ÖPNV angebunden hat ihren Preis. Und dann: Ja, Tagestickets sind geplant, allerdings werden die erst später verfügbar sein, wenn die Con näherkommt. Die Kosten werden sich nach dem jeweiligen Programm der einzelnen Tage richten. Und sollten die 3-Tages-Tickets ausverkauft sein (über 850 Teilnehmende wollen wir nicht gehen, damit es auf dem Gelände nicht eng wird), wird es entsprechend keine Tagestickets geben.

 

Fantasyguide: Wird es Zusatzkosten, etwa für limitierte Programmpunkte geben?


Claudia Rapp: Nein, es gibt weder die auf Events wie der ComicCon üblichen kostenpflichtigen Fotos mit Stars noch sonstige Programmpunkte, die extra kosten. Das Ticket umfasst die gesamte Veranstaltung, drei Tage.


Fantasyguide: Wie sieht es mit dem Catering und den Verkaufsständen aus, wird das zentral gemanaged oder wird es verschiedene Angebote geben?


Claudia Rapp: Das silent green verfügt über ein Restaurant, ein kleines Tor-Café beim Eingang, sowie eine große, unterirdische Bar, und die Verpflegung wird komplett vom Team dort übernommen. Ob uns die hauseigene Gastronomie komplett allein zur Verfügung steht und wir auch Einfluss auf das Angebot nehmen können, hängt auch von der Zahl der Teilnehmenden ab. Wir möchten, auch im Sinne der Nachhaltigkeit, ein rein vegan-vegetarisches Gastro-Angebot. Auf dem Gelände gibt es zum Beispiel auch einen Dachgarten, dessen Ernte gleich vor Ort in der Küche verwendet wird.

 

In der Umgebung der Location gibt es aber auch eine Reihe weiterer Optionen, wenn Teilnehmende zum Beispiel Döner, Currywurst oder schlicht endlich mal einen waschechten Späti aufsuchen wollen.

 

 

Fantasyguide: Gibt es Kooperationen mit Hotels? Organisiert ihr auch so etwas wie eine Börse für private Unterkünfte?


Claudia Rapp: Bei Hotels in der näheren Umgebung planen wir anzufragen; eine Börse für private Unterkünfte ist eine super Idee, stand bisher noch nicht auf dem Plan, also danke!


Fantasyguide: Wie geht ihr mit dem finanziellen Risiko einer solchen Veranstaltung um? Wie sichert man sich da ab?


Claudia Rapp: Das kann man kaum. Wenn der Vertrag mit der Location einmal unterschrieben ist, gibt es kein Zurück. Wir haben allerdings noch ein wenig Zeit, die Anzahl der Räume zu reduzieren, die wir anmieten. Und sollte erneut so etwas wie ein Lockdown kommen, der Veranstaltungen ganz verbietet, gilt das natürlich auch für uns. Aber wir hoffen darauf, dass es keine schlimme Corona-Welle im Mai 2023 gibt.


Fantasyguide: Auf welches bereits bekannte Highlight freust Du Dich besonders?


Claudia Rapp: Wir haben einige spannende Leute angefragt und noch eine ganze Reihe weitere auf der Liste, die nun nach und nach kontaktiert werden. Noch ist aber nichts so final fix gemacht, dass ich es ankündigen kann.

 

Was bereits feststeht, ist eine Ausstellung mit Werken von Herbert W. Franke, einem Pionier der Science Fiction, sowohl in der (Computer-)Kunst als auch in der Literatur. Ob Franke selbst vor Ort sein wird, müssen wir abwarten, denn er hat letzten Monat seinen 95. Geburtstag gefeiert – da kann man schon mal seinem Lebenswerk Tribut zollen, dachten wir!

 

 

Fantasyguide: Wie gehst Du mit dem ganzen Stress um, hast Du empfehlenswerte Techniken zur Entspannung für Dich entdeckt?


Claudia Rapp: Seit Kurzem beim Gärtnern; ich habe zwei Beete bei der Stadtfarm in meiner Nähe gemietet und probiere da nun ahnungslos aus, was wächst und was nicht. Ansonsten ist immer Bewegung der beste Ausgleich für viel Kopf- und Textarbeit. Ob Joggen oder schlicht Spazierengehen, das hilft mir am besten, die Gedanken kurz durchzupusten und den Kopf wieder freizumachen.


Fantasyguide: Wie sehen Deine nächsten Conbesuch-Planungen aus?


Claudia Rapp: Im August geht es wahrscheinlich nach Schwerin zum Schlosscon, im September zur Buch Berlin (einige aus dem Team vertreten die MetropolCon am selben Wochenende in Leipzig beim Elstercon) und zum Science Fiction Treffen nach Speyer. Im Oktober ist der Bucon in Dreieich Pflichtprogramm … aber die beiden Cons, auf denen ich bereits im April war - endlich wieder international unterwegs – nämlich der diesjährige Eurocon LuxCon und die Eastercon in London, die haben mir einen riesigen Motivationsschub gegeben, weil wir in Luxemburg den Ticketverkauf gestartet haben und in London auch die ersten ausländischen Teilnehmenden gewinnen konnten …

 

 

Fantasyguide: Gibt es aktuelle Übersetzungsprojekte, die Du schon verkünden kannst?


Claudia Rapp: Ich sitze gerade an einem Sachbuch; zuletzt habe ich mehr für die Synchronisation von Serien übersetzt – also die Rohübersetzungen für die Aufnahmen der deutschen Tonspur, die dann im Studio mit Synchronregie und Sprechern entsteht. Das ist spannend, weil man da ein wenig anders herangeht als an Romane. Es muss von der Satzlänge passen; das Deutsche verwendet ja gern mal längere Wörter und Wendungen als das Englische. Ich mag die Herausforderung, immer wieder etwas anderes zu machen; ich langweile mich schnell und liebe die Abwechslung. Da kommt mir diese Arbeit mit kurzen Einheiten – eine Staffel mit 6 Folgen – zwischen den größeren Romanübersetzungen sehr entgegen. Eine dieser Serien ist Wellington Paranormal, ein Ableger des Films What we Do in the Shadows (deutsch: Fünf Zimmer, Küche, Sarg), eine sehr spaßige Polizeiserie aus Neuseeland, in der es um sehr absurde, paranormale Fälle mit schrägen Monstern und begriffsstutzigen Polizist*innen geht.


Fantasyguide: Was machen die eigenen Schreibarbeiten?


Claudia Rapp: Für die fehlen momentan Zeit und Konzentration, obwohl: gerade ist die Anthologie The ‰-Files - Die Promille Akten im Talawah Verlag erschienen, in der auch eine Kurzgeschichte von mir enthalten ist. Und dann sollte ich längst mit der Story für German Kaiju 2 begonnen haben … ich weiß genau, was ich schreiben will, muss mich aber erst noch dransetzen. Dann gibt es da noch zwei Romanprojekte, eins auf Deutsch und eins auf Englisch, die immer wieder mehr Zeit brauchen als ursprünglich gedacht – aber irgendwann werden auch die das Licht der Öffentlichkeit erblicken, da bin ich zuversichtlich.

 

 

Fantasyguide: Man kann Dich quasi bei allen Phantastik-Lesungen in Berlin treffen – ist das noch Hobby oder schon Arbeit?


Claudia Rapp: Die Grenzen verschwimmen da, und das schon seit einer ganzen Weile, spätestens seit ich mich selbständig gemacht habe: Alles dreht sich immer um Bücher, Texte, Sprache, Literatur, Phantastik. Aus meinem Zeitreise-Roman Summer Symphony habe ich auf Musik-Festivals gelesen (auf Wacken und beim WGT), und wenn ich zu Vorträgen oder Lesungen gehe, treffe ich dort meist Freund*innen und Bekannte, finde Inspiration (mache jetzt auch immer und überall Werbung für die MetropolCon), gleichzeitig biete ich bei jeder Gelegenheit auch meine Dienste als Übersetzerin an … Wenn es gut läuft, fühlt sich nichts davon an wie Arbeit, aber natürlich läuft es nicht IMMER gut.


Fantasyguide: Hast Du noch Zeit zu lesen? Falls ja: Was kannst Du grad empfehlen, wofür schlägt Dein Phantastik-Herz besonders?


Claudia Rapp: Ich habe gerade angefangen, The Dawn of Everything (deutsch: Anfänge) zu lesen, von David Graeber und David Wengrow. Das Sachbuch wird überall hoch gelobt und gilt jetzt schon als Meilenstein, versucht aber auch nicht weniger, als eine neue Menschheitsgeschichte zu schreiben. Ein Archäologe und ein Anthropologe (der nebenbei Anarchist und die Stimme der Occupy-Bewegung war, und leider 2020 viel zu früh starb; zu seinen früheren Büchern gehören Schulden: die ersten 5000 Jahre und Bullshit Jobs) haben in zehnjähriger Arbeit Forschungsergebnisse gesammelt und präsentieren all das, was nicht in die bisherige, teleologische Sicht auf die Entwicklung der menschlichen Zivilisation (von Jägern und Sammlern über Ackerbau und Viehzucht zu Eigentum, Staat, Hierarchie und Kapitalismus) passt und stattdessen ein vielfältigeres Bild ergibt. Es gab immer Gesellschaften, die anders funktionierten, und deshalb ist auch heute nichts »alternativlos«. Ich habe das Buch noch längst nicht zu Ende gelesen, sind ja auch nur 700 Seiten, aber ich bin schon vorher gehypt gewesen, war erst kürzlich auf einer Konferenz dazu im Haus der Kulturen der Welt hier in Berlin, auf der Archäologen aus aller Welt Gedanken dazu präsentierten.

Das hat vielleicht auf den ersten Blick nichts mit Phantastik zu tun, ist aber in dem Sinne, dass es inspiriert, alternative Weltentwürfe zu betrachten und selbst zu denken, doch damit verwandt.

 

Und davor habe ich zuletzt zwei wunderbar fluffige Bücher von Stephanie Burgis gelesen, Scales and Sensibility und Good Neighbors, beide im englischen Original. Sie spielt gekonnt mit den bekannten Tropes des Regency (Jane Austen mit kleinen Haustierdrachen) und der Gothic Novel (gutaussehender Nekromant im düsteren Schloss nebenan), und ihre Geschichten sind wie ein nahrhaftes Dessert, das dich zum Lächeln bringt.


Fantasyguide: Vielen Dank für das Beantworten der vielen Fragen und viel Erfolg mit dem MetropolCon, auf dem wir uns spätestens wieder begegnen werden!

 

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Erstellt: 19.06.2022, zuletzt aktualisiert: 29.10.2022 19:19