Interview: Tommy Krappweis
 
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Interview mit Tommy Krappweis

Redakteur: Ingo Gatzer

Das Interview wurde am 27.01.10 per eMail geführt.

 

Der 37-jährige Tommy Krappweis dürfte vielen als Schöpfer der Figur "Bernd das Brot" bekannt sein, für deren komische Eskapaden er bereits 2004 mit dem renommierten Grimme-Preis bedacht wurde. Das mürrische Kastenbrot soll auch bald in den Kinos der Republik zu sehen sein. Außerdem hat Tommy Krappweis unlängst mit dem Buch "Mara und der Feuerbringer" seinen ersten Fantasyroman verfasst, der bei Schneiderbuch erschienen ist.

 

Heldin des Buches ist die 14-jährige Mara, die es wahrlich nicht leicht hat. Nicht genug damit, dass sich ihre Mutter auf einem Esoterik-Trip befindet, worauf ihr Papa längst entnervt das Weite gesucht hat. Mara leidet auch unter seltsamen Tagträumen, durch die sie bereits zur gehänselten Außenseiterin in ihrer Klasse geworden ist. Als sie dann auch noch von dem Zweig eines Baumes um Hilfe vor einer drohenden globalen Katastrophe gebeten wird, zweifelt Mara ernsthaft an ihrem Verstand. Doch schon bald ist sie mit Professor Reinhold Weissinger, einem Experten für germanische Mythologie und Religion, in sagenhafte Abenteuer mit Göttern, Helden und Ungeheuern verwickelt.

 

 

Fantasyguide: Herr Krappweis, Sie sind Comedian, Buch- und Drehbuchautor, Regisseur, Musiker und Produzent mit eigener Produktionsfirma. Nervt es da manchmal in der Öffentlichkeit primär als Erfinder von "Bernd das Brot" wahrgenommen zu werden?

 

Tommy Krappweis: Es gibt wahrlich schlimmeres. Nein, ganz im Gegenteil freue ich mich jedes Mal drüber, wenn mich jemand darauf anspricht. Ich erzähle auch gerne immer und immer wieder die Story wo mein Kollege Norman Cöster und ich beim „Italiener“ vor einem Brotkorb saßen und Bernd auf einem Kellnerblock Gestalt annahm. Übrigends die Gestalt von Normans Gesichtsausdruck - mit kurzen Armen direkt am Kopf. Nur die Brotwitze, die sind jetzt nach so vielen Jahren schon etwas ermüdend. Ich würde mal vermuten, wir haben inzwischen wirklich restlos ALLE gehört. Mehrfach…

 

Fantasyguide: Apropos Bernd. Sie sollen derzeit an einem Kinofilm mit dem meist missmutigen Kastenbrot arbeiten. Wovon handelt der Streifen denn genau und wann wird er in den Lichtspielhäusern zu sehen sein? Werden wir womöglich Bernd samt seiner viel zu kurzen Arme in 3D zu sehen bekommen?

 

Tommy Krappweis: Wir haben eine Story, wir haben ein Exposé und wir haben einen Partner. Im Moment sind wir also nur noch auf der suche nach 6 Millionen Euro… Im Ernst, wir arbeiten am Buch und parallel wird die Finanzierung mit all den nötigen Partnern zusammengeklöppelt. Eine Zeitaussage kann ich kaum treffen, aber ich würde den Film gerne 2011 im Kino sehen. 3D ist eine tolle Sache, aber macht Bernd nicht lustiger und dafür den Film nur teurer. Somit eher nicht.

 

Fantasyguide: Wieviel von Bernds Charakter steckt in Mara, der eigenwilligen 14-jährigen Heldin ihres Buchs "Mara und der Feuerbringer"?

 

Tommy Krappweis: Mal so herum: In Bernd steckt viel von Norman und mir, nämlich die uns gemeine etwas andere, ironische Sicht auf Dinge. Ich könnte das gar nicht abschalten und da ich selbst in dem Alter immer dachte „Warum ist das so und so und ist das nicht eigentlich albern…“ schien es nur konsequent, das auch Mara mitzugeben. Schließlich ist es auch sinnvoll, für einen Erstlingsroman eine Figur als Protagonist zu haben, die fast von alleine spricht. Eigentlich musste ich bei Maras Gedanken nur schnell genug tippen, während sie in meinem Kopf sprach. Es passiert mir vor allem jetzt bei der Arbeit am zweiten Band, dass ich selbst überrascht bin was Mara mir gerade diktiert. Ein ebenso seltsames wie erfreuliches Erlebnis. Aber das ist auch bei unserem Brot schon der Fall: Wenn wir Interviews mit Bernds Worten geben sollen, geht das inzwischen auch in „Echtzeit“.

 

Fantasyguide: Sie deuten am Schluss des Buches an, dass Professor Simek Vorbild für die Romanfigur des Professors Weissinger war. Verfahren Sie immer so bei der Gestaltung ihrer Charaktere und gibt es auch für die anderen Romanprotagonisten reale Vorbilder?

 

Tommy Krappweis: Ich suche sie mir nicht vorher aus, aber wenn ich eine Figur erschaffe passiert es automatisch, dass ich in Mustern denke die mir bekannt sind oder nach Erfahrungswerten mit Personen suche, die ich kenne. In Maras Mutter finden sich zum Beispiel meine eigene Mutter, meine Stiefmutter und die Mutter einer Ex-Ex-Freundin.

 

Fantasyguide: In ihrer Danksagung schreiben Sie, dass sie sich geweigert haben im Roman auf nicht existente Wörter wie "Bampf" zu verzichten. Einige österreischische Leser würden vielleicht anführen, dass es die Bezeichnung für eine mehlige Speise ist. Aber was für eine Bedeutung hat denn "Bampf" für Sie?

 

Tommy Krappweis: Just dies. Es war die Bezeichnung, die in meiner Kindheit am besten die Art der Nahrung umschrieb, die mein Vater mir auftischte nachdem sich meine Eltern getrennt hatten. Mein jüngerer Bruder ging mit der Mama und ich blieb bei meinem Vater. Seine Verpflegung war definitiv… variationsreicher. Bei uns gab es Bampf. Zwar tendierte es während der Zubereitung immer mal wieder zu verschiedenen Aggregatszuständen, aber letztlich wurde es dann doch zu Bampf. Allein die Farbe variierte. Ein wenig.

 

Fantasyguide: Wie kamen Sie auf die Idee erstmals einen fantastischen Roman zu schreiben?

 

Tommy Krappweis: Es sollte eigentlich ein Konzept für eine Mystery-Serie für Prosieben werden, aber als ich versuchte alle bekannten Klischees zu vermeiden oder wenigstens irgendwie rest-originell zu kommentieren, war irgendwann klar dass ich einen Protagonisten brauchte, der sich möglichst erfrischend von dem ausgelutschten ca. 30-jährigen Helden unterschied, wie er in den meisten TV-Serien präsent ist. Da ein TV-Sender wohl eher keine 14jährige als Hauptfigur im Abendprogramm senden würde, ich aber unbedingt ihre Geschichte und keine andere erzählen wollte, musste es ein Buch werden. Die Story wollte raus und ich wäre sonst geplatzt. Es erwies sich auch ansonsten als die richtige Entscheidung, weil ich so auch meinen Anspruch bezüglich der historischen Fakten besser präsentieren konnte.

 

Fantasyguide: Erzählen Sie uns doch etwas darüber wie sie beim Schreiben vorgehen und wie der Roman entstanden ist. Haben sie beispielsweise schon vorher das Handlungsgerüst im Kopf oder entsteht dieses erst beim Schreiben?

 

Tommy Krappweis: Das Gerüst steht bereits und manche Szenen sind mir so klar, dass ich sie nur aus dem Hirn abschreiben muss. Andere Dinge sind mir weniger oder auch gar nicht klar. Ich wusste zum Beispiel, dass Mara mit dem Professor zusammen losziehen musste – aber ich sah mich genötigt, eine Szene zu schreiben in der sie nun mal unverrichteter Dinge wieder aus seinem Büro abzog. Da es einfach nicht zu Mara gepasst hätte, hier einzulenken musste ich es einfach so schreiben. Aber um weiter zu kommen, musste ich die beiden jetzt doch wieder zusammenführen. Ich hatte dieses Problem wirklich nicht vorausgesehen, aber die Figuren diktierten diesen Verlauf durch ihre Eigenarten und dem musste ich mich beugen und dann sehen, wie ich da wieder rauskomme. Im Großen und Ganzen aber weiß ich sehr gut, wie die Story über die drei Bände verläuft und wie die grundlegenden Mechaniken sind. Es ist mir sehr wichtig, dass alle Fragen am Ende von Band 3 restlos geklärt sind.

 

Fantasyguide: Woher kommt ihr Interesse für Mythologie allgemein und speziell für die germanische und nordische?

 

Tommy Krappweis: Ich war für besagtes Mystery-TV-Konzept auf der Suche nach einem Themenkomplex jenseits der Vampir/Poltergeist/Widergänger-Trampelpfade und so wühlte ich mich in die Traditionen und Gebräuche unserer alpenländischen Region hinter der Münchner Haustür. Über das Perchtenspringen kam ich zur Wilden Jagd, über die Wilde Jagd zu den Wilden Göttern und schon stand ich mittendrin in einer wahren Schatzkammer von Geschichten, Sagen und Fakten, deren Nachwirkungen bis heute spürbar sind. Das mit den germanisch-göttlichen Wochentagsnamen zum Beispiel wusste ich vorher nicht und es ist schon ein seltsames Gefühl, wenn man plötzlich mit einer Sache konfrontiert wird die einem in diesem Maße Zusammenhänge eröffnet. Darum kommt auch immer wieder der Begriff „Harry Potter meets DaVinciCode“ auf, weil es letztlich ein Buch für die HP-Zielgruppe ist, aber eben mit Fakten. Gottseidank ist selbige Zielgruppe ja ähnlich breit gefächert wie die von unserem mürrischen Brot.

 

Fantasyguide: Der Roman sprüht an einigen Stellen von Wortwitz und absurden Vergleichen. Ist das harte Arbeit immer wieder komisch zu schreiben oder fliegen ihnen diese Ideen zu?

 

Tommy Krappweis: Vielen Dank, naja das gehört schon in gewisser Weise zum Handwerk nach so vielen Jahren im Komödiantengeschäft. Aber bei Mara kam ja noch hinzu, dass sie nicht zu „alt“ klingen durfte und die Gags so zu formulieren, dass sie noch in den Tonfall einer 14jährigen passen war anfangs schon eine Herausforderung.

 

Fantasyguide: Die Komik in "Mara und die Feuerbringer" erinnert an einigen Stellen an Terry Pratchett oder Douglas Adams. Könnte man diese Autoren im weitesten Sinne stilistisch als ihre Vorbilder bezeichnen? Welche Schriftsteller haben sie beeinflusst?

 

Tommy Krappweis: Pratchett und Adams teilen sich Platz 1 auf dem Siegertreppchen und Neil Gaiman steht nur deswegen nicht mit da oben, weil der Pratchett so einen großen Hut aufhat und darum keiner mehr draufpasst. Was weniger witzige Fantasy angeht, bin ich – von Tolkien mal abgesehen – stark beeinflusst von Stephen R. Donaldsons „Chronicles of Thomas Covenant“. Eine Menge vom „Unbeliever“ steckt in meiner Mara, die auch erst Mal zweifelt. Sowohl an sich als auch an allem, was sie umgibt. Aber ich war auch sehr beeindruckt von P. J. Farmers „Riverworld“. James Blishs Romanfassungen der „Classic Trek“ Serie fand ich immer sehr gelungen und er war zusammen mit Alan Dean Foster damals meine Einstiegsdroge in die Heyne-Star Trek-Romane. Ach ja, falls jemand zwei große Kisten davon erwerben möchte, bitte Kontakt an mich. Und sechs randvolle Kisten mit amerikanischen Batman-Comics hab ich auch noch, weil mir der Platz ausgeht und ich die ganze Sekundärliteratur über die Götter irgendwo hinstellen musste. Wo waren wir, ach ja: Ich finde auch Michael Crichton großartig und Ken Follett ist für mich „der Meister“. Ansonsten habe ich immer gerne Biographien gelesen. Mein Regiestil ist maßgeblich von Biographien und natürlich den filmischen Werken der jeweils biographierten beeinflusst.

 

Fantasyguide: Was sind darüber hinaus noch Inspirationsquellen für ihre Arbeit?

 

Tommy Krappweis: Musik ist für mich sehr wichtig, vor allem das Machen. Ich spiele mehrere Instrumente, keines davon perfekt, aber gut genug um damit anderen was vorzuspielen. Und ich singe seit ich 12 bin. (YouTube)

Musik inspiriert mich aber auch immer wieder. Schon zur Zeit von RTL Samstag Nacht hat mich der Sound von Filmkomponist Lalo Schiffrin zu einer Serie von Einspielern mit Wigald inspiriert, der wilde Gitarrenlärm in „Far Out“ war immer integrer Bestandteil des Wahnsinns und bis heute findet die Musik immer einen Weg in meine Werke. Ob das so seltsame Überraschungserfolge sind wie „Tanzt das Brot“ oder ob ich als inkognito-Double von Karel Gott den Titelsong der Prosieben Märchenstunde singen darf. In der ersten Folge „Rotkäppchen – Wege zum Glück“ sing Rotkäppchen einen Song aus meiner Feder (YouTube) , den wir mit meiner Band eingespielt haben. Am Bass kann man übrigens im Film meinen Bruder Nico sehen und die Drums spielt Flo Oswald, der mit Nico zusammen das bumm film Tonstudio leitet.

 

Fantasyguide: Am Ende des Buches ist die Haupthandlung noch nicht abgeschlossen, sodass alles auf eine Fortsetzung hindeutet. Auf wie viele Teile ist der Zyklus um Mara denn angelegt und wann sollen diese erscheinen?

 

Tommy Krappweis: Es soll eine Trilogie sein und ich schreibe gerade an Band II. Aufgrund der erfreulichen Reaktionen auf das Buch hat der Verlag die Option recht schnell gezogen und so kommt das zweite Buch also dieses Jahr im September in die Läden.

 

Fantasyguide: Ist eine Verfilmung des Stoffes angedacht? Einige Actionsequenzen gegen Ende des Romans dürften kosten-bewussten Filmproduzenten sicherlich Schweißtropfen auf die Stirn treiben.?

 

Tommy Krappweis: Allerdings. Ich denke wir können auch hier von etwa 6 Millionen – vielleicht mehr – ausgehen, um das auf die Leinwand zu bringen. Aber wenn „Mara“ ein sogenannter „Brand“, also eine Marke wird, die Leute animiert ins Kino zu gehen dann ist das für einen Verleih durchaus attraktiv. Aber dafür fehlen uns noch ein paar Hunderttausend verkaufte Bücher… Ist ja nicht gerade so, dass die Leser mit Promo zu meinem Buch erschlagen werden und man Mara-Spielzeug mit in die McDonalds-Kindertüte gepackt kriegt. Insofern freue ich mich umso mehr über die tolle Rezension auf Eurer Seite und die Gelegenheit für dieses Interview. UmGottesWillenBitteKAuftMeinBuch JetztSchnell! War das zu plump oder soll ich es noch Mal wiederholen?

 

Fantasyguide: Ich denke, der Wunsch kam an. Stellen Sie sich vor, sie dürften die Romanfiguren in einer Verfilmung mit ihren Wunsch-Schauspielern besetzen. Wer würde dann welche Rolle spielen?

 

Tommy Krappweis: Ich hätte gerne Christoph-Maria Herbst als Loki, weil er einer der wenigen ist, die diese wahnwitzigen Wechsel schauspielerisch bewältigen könnten und er diese seltsame Qualität hat, dass man immer denkt in ihm „brodelt“ irgendwas. Der Mann ist wirklich ein Ausnahmetalent. Ich habe auch noch andere Lieblingsakteure in Deutschland wie zum Beispiel Michael Kessler oder Bastian Pastevka, Wolf Roth, Sarah Tkotsch, Axel Stein… oder meinen Ex-Chef Hugo Egon Balder, aber im Moment noch keine Rollen für alle im Roman. Und der germanische Lichtgott „Balder“ sieht ja nun doch ein wenig anders aus. Hm… Eine Mara müsste ich erst suchen, das ist verdammt schwer denn sie soll ja keine Topmodel Anwärterin sein, aber trotzdem auf der Leinwand wirken. Bernhard Hoecker hat schon angemeldet, dass ich das Buch bitte erst in 30 Jahren verfilmen möge, weil er unbedingt den Professor spielen will. Aber ich glaube, da werde ich wohl eher auf aktuellere Rauschebärte zurückgreifen.

 

Fantasyguide: Herr Krappweis, vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg; vor allem mit Mara und Bernd.

 

Tommy Krappweis:

Vielen Dank ebensUmGottesWillenBitteKAuftMeinBuchJetztSchnellverzeihung ich musste aufstoßen.

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202402280054388d29b4ea
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Roman

Mara und der Feuerbringer

Autor: Tommy Krappweis

Illustrator: Adriaan Prent

Verlag: Schneiderbuch

Erscheinungsdatum: 15. September 2009

Format: Hardcover, 333 Seiten

ISBN-10: 3505126468

ISBN-13: 978-3505126468

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 28.01.2010, zuletzt aktualisiert: 16.10.2023 21:13, 9957