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Kaleidoskop der Seele von Tobias Bachmann

Rezension von Christel Scheja

 

Kaleidoskop der Seele ist eine weitere Kurzgeschichtensammlung aus der Feder von Tobias Bachmann, die im Atlantis-Verlag erscheint. Eine gleichnamige Sammlung ist im Jahre 2000 schon einmal im Quwertz-Verlag herausgekommen. Beide Ausgaben decken sich aber nur zum Teil, da der Autor einen Teil der alten Geschichten heraus genommen, den Rest überarbeitet und durch neuere Werke ergänzt hat.

So können auch Leser, die noch die alte Ausgabe haben, beruhigt zugreifen, da sie genug neuen Lesestoff vorfinden werden.

 

„Krotus“ erzählt, wie ein Mann an einem kalten Wintertag eine Wanderung macht und Zuflucht in einer einsamen Hütte sucht, in der nur eine alte Frau lebt. Er ahnt nicht, dass seine innere Gebrochenheit und Einsamkeit genau das ist, was die Greisin gesucht hat.

„Der warme Schal“ ist das einzige, das ein kleines Mädchen noch an ihre Mutter erinnert. Weil sie dieser besonders nach sein möchte, zieht sie das Strickwerk immer fester um ihren Hals.

In „Des Scheiterhaufens Überleben“ folgt ein Mann der Einladung eines Freundes in das kleine Dörfchen Darkmoor zu kommen, dass sage und schreibe gerade einmal 23 Einwohner hat – allerdings ahnt er nicht, von welchem Schlag sie wirklich sind.

Die beiden Erzählungen „Steine“ sind mehr als nur lose miteinander verknüpft und wirken wie eine Hommage auf H. P. Lovecraft. Diesmal wird der megalithische Steinkreis im Süden Englands zum Tor und der Ruhestätte eines uralten düsteren Vermächtnisses, dass die Anhänger eines geheimen Ordens nicht unbedingt ruhen lassen wollen.

„Aus dem Tunnel“, dessen Ausgang eingebrochen und versperrt ist, möchte jemand entkommen, der leider nicht sterben kann. Er erzählt, wie er in diese Lage geraten ist und scheint guter Dinge, hier eines Tages wieder heraus zu kommen.

„Kinder der Kloake“ werden diejenigen genannt, die in den Mülltonnen der besser betuchten Menschen nach noch verwertbaren Dingen. Schon bald erkennt auch ein junger Mann, welche Schätze er dort manchmal finden kann und beginnt sie besser zu verstehen.

„Wasser“ ist zu einem kostbaren Gut geworden, nachdem es drastische Klimaveränderungen gegeben hat. Ein Mann, der dies nicht mehr länger mit ansehen kann, obgleich er noch zu den Begünstigten gehört, entschließt sich zu einem folgenschweren Schritt, um das nicht mehr mit ansehen zu müssen.

„Der Pakt des Sexus“ schenkt im Jahr 1915 einem Mann die Unsterblichkeit. Alle fünf bis zehn Jahre muss er junge Mädchen finden und an einen geheimen Ort bringen, um dort Sex mit ihm zu haben, um eine uralte Wesenheit aus dem Dunkel der Geschichte zu stimulieren, dass er selbst geborgen hat und ihm einen Teil der Kraft gibt, die er den Jugendlichen nimmt. So übersteht er mehr als zwei Jahrhunderte. Doch ist ihm das Glück immer hold?

„Betreff: Mietsache“ ist ein etwas humorvollerer Blick auf ein Abkommen, dass vor vielen Äonen zwischen Gott und dem Teufel getroffen wurde, und dessen Einhaltung letzterer nun vom Vatikan fordert.

 

Dies sind nur einige der insgesamt fünfundzwanzig Geschichten, die zwischen den Jahren 1993 und 2007 entstanden sind, und somit auch einen interessanten Überblick über den Werdegang und die Entwicklung des Autors bieten. Lehnt er sich anfangs tatsächlich noch sehr an klassische Horror-Vorbilder an, so wagt er es in den späteren Geschichten mehrfach die Grenzen zu überschreiten und auch Science Fiction Elemente mit einzubringen wie etwa in „Die fehlende Stunde“, die eine kafkaeske Irrreise durch die Zeit bietet und weniger Horror enthält als man denkt.

Die Anthologie ist in drei größere Kapitel aufgeteilt. „Heimat“ umfasst zumeist ältere und überwiegend bodenständige Geschichten des Grauens, die immer wieder an Poe und Lovecraft erinnern und nicht immer einen erkennbar pointierten Plot bieten. Viele der Geschichten sind nicht länger als drei Seiten und man hat sehr oft das Gefühl, es käme noch mehr nach oder das ganze sei der Auftakt zu einem Roman.

„Entfremdung“ beinhaltet zumeist düstere und beklemmende Geschichte, die auch schon einmal in den Splatter hinein reichen und sich mit drastischen bis derben Beschreibungen nicht zurückhalten, was man vor allem in der Geschichte „Die Stoibers“ merkt, in denen er das Bild der heiligen und tadellosen deutschen Familie gründlich demontiert.

Und „Heimkehr“ gibt einen Blick auf eine düstere und unheilvolle Zukunft preis, in der kommende Generationen für das zahlen müssen, was ihre Eltern und Vorfahren angerichtet haben – beginnend mit dem Wohlstandmüll bis hin zu einer globalen Klimakatastrophe.

Anders als sonst gibt es diesmal doch ziemliche Unterschiede. Während gerade die älteren Geschichten nicht immer überzeugen können, weil ihnen die Pointe oder eine eindringliche Atmosphäre fehlen, sind die neueren wesentlich beklemmender und stimmungsvoller und führen zu einem bestimmten Punkt. Immerhin durchmessen sie das gesamte Genre, so dass wenigstens für reichlich Abwechslung gesorgt ist und jeder seine Lieblingsgeschichten finden kann.

 

„Kaleidoskop der Seele“ ist zwar inhaltlich etwas durchwachsen, kann aber gerade durch die Anzahl und Unterschiedlichkeit der Geschichten punkten. Interessant ist sie aber auf jeden Fall für all diejenigen, die sich nicht auf ein bestimmtes Genre festgelegt haben.

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Eure Meinung:

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Buch:

Kaleidoskop der Seele

Autor: Tobias Bachmann

Atlantis Verlag, Juli 2008

Taschenbuch, 200 Seiten

Titelbild: Mark Freier

 

ISBN-10: 3936742758

ISBN-13: 978-3936742756

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 04.02.2009, zuletzt aktualisiert: 30.04.2019 13:38