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Kaltes Gift von Nigel McCrery

Rezension von Christel Scheja

 

Der 1953 geborene Nigel McCreary war zunächst selbst Polizist, bis er seinen beruf an den Nagel hängte, studierte und von da an Drehbücher für das britische Fernsehen schrieb, vor allem für Fernsehserien wie „Gerichtsmedizinerin Dr. Samantha Ryan“. Heute lebt er mit seiner Familie in Nottingham.

Seine Erfahrungen hat er nun auch in Romanen verarbeitet. „Kaltes Gift“ ist der erste, der hier in Deutschland erscheint.

 

Eine Geburtstagsfeier im Jahr 1944 endet jäh, als die Großmutter aus einer Laune heraus anfängt, die anwesenden Kinder mit einer Gartenschere zu verstümmeln und Schlimmeres. Mehr als fünfzig Jahre später wird die stark verweste Leiche einer alten Frau im Wals gefunden, die eigentlich nichts mit dem tödlichen Verkehrsunfall zu tun hat, der sich an der gleichen Stelle ereignete. Auch die Art ihres Todes ist zunächst rätselhaft, dann aber kommen die Gerichtsmediziner dem Rätsel nach und nach auf die Spur.

Was die Geschichte aber noch interessanter macht ist, dass die alte Dame ganz offensichtlich immer noch zu leben scheint, denn sie verschickt Grußkarten und hebt auch noch immer ihre Rente brav ab. Wie kann sie dann schon seit Monaten tot sein, getötet durch ein hinterhältiges Pflanzengift?

Detective Chief Inspector Mark Lapslie, der eigentlich vom Dienst suspendiert ist, weil er unter einer seltenen Krankheit leidet, übernimmt den Fall und ahnt schon sehr bald, dass hinter all dem ganz offensichtlich ein raffinierter Serienmörder steckt, der in die Identitäten der alten Damen schlüpft. Doch wer es ist, und wie die Person die Leute umbringt, bleibt weiterhin ein Rätsel – bis sich ganz überraschend ein wichtiger Hinweis findet.

 

„Kaltes Gift“ ist lange nicht so vorhersehbar, wie man nach der Lektüre des ersten Kapitels annimmt, denn die Geschichte zieht überraschende Kreise, an die man zunächst gar nicht denkt. Die Spannung entsteht vor allem dadurch, dass die Handlung nicht nur aus der Sicht einer Seite erzählt wird, sondern auch der Mörder sehr viel Raum bekommt und so auch sehr viel an Kraft und Profil gewinnt.

DCI Lapslie und der Mörder sind gleichwertige Gegner, die sich am Ende in einem raffinierten Showdown gegenüber stehen. Die Auflösung, wie überhaupt der ganze Roman sind überaus britisch. Denn gemordet wird dezent und mit Stil, der Täter erweist sich bis fast zum Ende als klug und vorausschauend trotz des immer deutlicher zu Tage tretenden Wahnsinns. Und man lernt auch die Motive und Gedanken beider Seiten sehr gut kennen.

Alles in allem sind die Handlungsstränge sehr gekonnt miteinander verwoben. Der Leser weiß immer nur ein wenig mehr als der Inspektor und kann so ebenfalls sehr schön miträtseln. Beide sind ganz normale Menschen mit Stärken und Schwächen, nicht zuletzt zeigt sich, dass auch ein Handicap sehr hilfreich sein kann.

 

Alles in allem stimmt die Spannung in „Kaltes Gift“ vom Anfang bis zum Ende, die Figuren wurden glaubwürdig gezeichnet und auch das Szenario ist sehr gut vorstellbar, ohne das Zufälle und Action die Handlung bestimmen. Das macht den Roman zu einem Krimi, den man sich ruhig einmal genauer ansehen sollte – vor allem wenn man „Arsen und Spitzenhäubchen“ kennt und mag.

 

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Kaltes Gift

Autor: Nigel McCrery

broschiert - 413 Seiten

Knaur, erschienen September 2010

Übersetzung aus dem Englischen von Ilse Bezzenberger

Titelbild von Zero Werbeagentur unter Verwendung eines Motivs von finepic

ISBN-10: 3426639610

ISBN-13: 978-3426639610

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 21.10.2010, zuletzt aktualisiert: 10.10.2020 16:25