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Killer Karnickel (und die Jagd nach der Magischen Karotte)

Rezension von Björn Backes

 

Sie war längst überfällig, eine neue Erweiterung zum durchgedrehten Kanickel-Vergnügen aus dem Hause Pegasus. Bereits in der Ursprungsversion, in der gleich noch die gelbe Erweiterung inbegriffen war, gab es reichlich Kartenmaterial, auf welchem der Einsatz von Würfeln suggeriert, jedoch nicht umgesetzt wurde. Mit Veröffentlichung der roten und violetten Erweiterung, natürlich im Doppelpack, soll dieser Spiellücke nun Abhilfe verschafft werden. Neue Karten, unheimlich viele neue Spezialeigenschaften und ein 12- bzw. ein 20-seitiger Würfel versprechen jede Menge Bonus-Action und revolutionäre Einschnitte ins klassische Spielsystem. Und in der Tat: Die Karten 166-275 verändern den Mechanismus stellenweise erheblich.

 

Spielidee

An der grundsätzlichen Spielidee hat sich zunächst einmal nichts geändert. Ziel des Spiels ist nach wie vor, so viele Karotten wie nur eben möglich in seinen Besitz zu bringen und mit ein wenig Glück dabei auch die goldene Karotte abzustauben, mit der man gleich dreifach punktet. Wer am Ende schließlich die meisten Punkte aus seiner Karottensammlung ins Ziel trägt, gewinnt. So einfach ist das – nach wie vor! Allerdings wird der Weg zu eben jenem Spielziel durch die Möglichkeiten der neuen Karten beidseitig verändert. Einerseits gibt es natürlich allerhand Karten, die einen individuellen Vorteil versprechen, andererseits sind auch wieder einige ‚Sofort spielen’-Karten im Deck, die einen ins Hintertreffen bringen. Auch hier: Grundsätzlich nichts Neues, aber dennoch eine zielgerichtete, umfassende Erweiterung des Handlungsspielraums.

 

Ausstattung

Insgesamt bietet die Kombination aus roten und violetten Karten eine quantitative Bereicherung aus genau 90 Exemplaren, bei denen einmal mehr die urkomische illustrative Aufmachung ins Auge sticht und für reichlich Freude sorgt. Die unschuldig anmutenden Karnickel und ihre völlig abgedrehten Einsatzmöglichkeiten ergeben ständig Kontraste, die ein Lob für den außergewöhnlichen Humor des Spieldesigner einfordern, welches an dieser Stelle auch weitergereicht sei. Gratulation also an Grafikdesigner Jonathan Young und seinen Kollegen, Spielautor Jeffrey Neil Bellenger für ihre tolle, witzige Arbeit.

 

Die Erweiterung

Zwar erscheinen die Farben rot und violett als Erweiterung im Kombipaket, jedoch muss man ihre Inhalte und Effekte schon gesondert voneinander betrachten. So sind die Auswirkungen von roten Karten mitunter heftiger, die Folgen von ausgespielten violetten Karten indes vielfältiger.

Besondere rote Gegenstände sind der antike Sternenstab und die Barriere. Erstgenannter kann bei ungeraden Tagen, Monaten und Jahreszahlen Waffen ohne Würfeleinsatz abwehren, ist andererseits aber beim geraden Äquivalent nutzlos. Dafür kann man aber ein HoloKarnickel, ein besonderer Gattungstyp dieser Erweiterung beleben und somit die eingeschränkten Siegchancen mit einem Mal wieder herstellen. Mit der Barriere hingegen verhindert man den Fortlauf von rotierenden roten Run-Karten, indem man den Übergang zwischen zwei Spieler quasi blockt. Dies hat zur Folge, dass der Effekt einer solchen Karte auf den ersten betroffenen Spieler gleich zweifach ausgespielt wird – was natürlich verheerend sein kann. Fast noch wirkungsvoller ist die Ereigniskarte ‚Ey Mann, wo ist meine Karotte?’. Einmal eingesetzt, erlaubt sie es dem Spieler, einen Einblick in alle Karottenkarten des Spiels zu haben. Anschließend wird mit dem 20-seitigen Würfel gewürfelt. Erinnert sich der Spieler nun, wo die Karotte mit der Ziffer der Würfelsumme aufbewahrt wird, darf er diese sofort in die Sammlung aufnehmen. Anderenfalls muss er eine eigene Karotte opfern. Risikoreich, aber bei Erfolg absolut lohnenswert. Die letzte interessante rote Karte ist der ‚Gesprengte Trojaner’. Mit seiner Hilfe kann man trojanische Karnickel sprengen und für jeweils zwei ausliegende Karnickel einer Farbe ein beliebiges vom Ablagestapel zurückholen.

 

In den übrigen Kategorien der Erweiterung sind die Modifikationen schließlich ein wenig simpler, der Umfang der Möglichkeiten dafür aber auch entsprechend größer. Das HoloKarnickel ist sicherlich das wichtigste in dieser Sammlung. Es muss nicht gefüttert werden und eignet sich situationsbedingt als Lückenbüßer, zählt aber in der Schlusswertung nicht als lebendiges Karnickel. Sollte also nur noch dieses Exemplar zum Spielende ausliegen, kann man leider nicht gewinnen – es sei denn, man hat inzwischen den antiken Sternenstab gespielt und die Reanimation vorgenommen.

Des Weiteren gibt es einige heftige Karten. In ‚Jeder füttert ein Karnickel’ ist man unter Zugzwang und muss ggf. Karnickel opfern, wohingegen der Regenbogen-Rambo eine komplette Farbe eines Spielers, auf den die Karte gespielt wurde, abgeben muss. In der Defensive sind die roten Karten bisweilen aber auch hilfreich. Es ist möglich, Karnickel in die Zukunft zu entsenden und sie somit vor Angriffen zu schützen, oder aber Angriffe von Außerirdischen abzuwehren. Außerdem kann man einen Karottentausch veranlassen, wobei dies natürlich auch ein wenig risikobehaftet ist. Den lebendigen Teil bestimmt letztendlich die mysteriöse Urne. Der aktive Spieler muss nun mit dem 12-seitigen Würfel werfen und sehen, dass er keine 12 würfelt. Ann ist das Mini-Spiel nämlich sofort vorbei. Die übrigen Spieler folgen nun im Uhrzeigersinn und müssen stetig erhöhen. Gelingt dies nicht, müssen sie ein Karnickel oder eine Karotte in den Pott schmeißen. Der Sieger, also derjenige, der die erste 12 wirft, bekommt den Pott schließlich ausgezahlt, muss die Karotten allerdings in den Markt von Kaballa zurücklegen.

 

Schlussendlich sind dann noch die Spezialeigenschaften der roten Karnickel zu beachten. Je nach Typ verfügen sie über zusätzliche Dollas, Nahrungsvorräte oder aber ein energetisches Abprallfeld zum Schutz vor feindlichen Angriffen. Es ist also ziemlich lukrativ, sein Set mit roten Karnickeln aufzustocken!

 

In der rot-violetten Erweiterung wird zu guter Letzt noch ein zweiter Markt eröffnet, in dem man sich mit Abwehrgegenständen und neuen Waffen eindecken kann. Der Markt ist von Spielbeginn an geöffnet und erfordert kein ausgespieltes Karnickel, um sich aus seinem Angebot zu bedienen. Natürlich ist dafür aber auch ein gewisses Dolla-Kontingent erforderlich.

 

Spielspaß

Das nette Kombi-Set hat seinen grundsätzlichen Zweck in allen Belangen erfüllt, soll heißen es verdient den Status einer Erweiterung voll und ganz und bereichert das Spielkonzept durch die neuen Spezialeigenschaften der Karten definitiv. Zahlreiche neue Optionen machen das Spiel noch undurchschaubarer, vergrößern aber auch gleichzeitig den Handlungsspielraum, er durch das RUN-System sowieso schon etwas flexibler ausgestattet ist. Für den Spielspaß bedeutet dies schlicht und einfach, dass er gleichermaßen mit dem allgemeinen Spielreiz noch weiter gesteigert werden konnte und die Erweiterung dementsprechend eine absolute Bereicherung für die Welt der „Killer-Karnickel“ geworden ist.

 

Fazit

Eigentlich wurde schon alles vorweggenommen, jedoch sei die Begeisterung über die vielen positiven Aspekte der roten und violetten Karten noch einmal schnell auf den Punkt gebracht: Diese Erweiterung ist richtig stark, die neuen Möglichkeiten überzeugend umgesetzt, alte Suggestionen wie der Effekt der Würfel sehr schön eingeflochten und die Illustrationen einmal mehr fantastisch. Wer das Basis-Spiel bereits sein Eigen nennt – dies ist im Übrigen auch erforderlich – sollte auch diese Erweiterung nicht missen.

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Killer Karnickel (Rote und Violette Erweiterung)

Spieldesign: Jeffrey N. Bellinger

Illustration: Jonathan Young

Spielerzahl: 2-8

Spielbar ab: 12 Jahre

Spielzeit: ca. 45 - 60 Minuten

Verlag: Pegasus

ISBN: 978-3939794080

Erhältlich bei: Amazon

 

Enthält:

 

  • 110 große Karten
  • 24 kleine Karten
  • einen Roten zwölfseiten Würfel
  • einen Klaren zwanzigseiten Würfel
  • Zusatzregeln

 


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Erstellt: 02.03.2008, zuletzt aktualisiert: 16.02.2018 17:50