Killzone 2 (PS3)
 
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Killzone 2 (PS3)

Rezension von Christian Günter

 

Eine dunkle Maske liegt über der Stadt. Der Horizont ist tausendfach zersplittert von schwarzen Häuserkaskaden, die sich einschneiden in die graue Wolkenlast, die wie ein bleiernes Schild über Allem liegt. „Wir werden einen gewaltigen Schlag führen, der ihre Grundfeste erschüttert...“ Ein Blitz durchzuckt das Zwielicht, lässt für einen Bruchteil die Zeit still stehen, die Häuserschluchten sich wie graue Dornen aus Stahlbeton hochrecken, bevor alles zusammenstürzt und den Blick hinabreißt in eine schwarze endlose Tiefe. „..., sie hinab schleudert in demütige Scham und...“. In der Ferne folgt dunkles Donnergrollen wie das letzte rasselnde Röcheln eines gestürzten Gottes, bevor alles wieder in dröhnende Stille versinkt. Urplötzlich wird die Wolkendecke durchschlagen von hunderten Geschossen, die hinabstürzen in den Moloch der Stadt. „...euch meine Jünger triumphieren lässt!“ Die Vibration der Luft spannt jeden Nerv, jede Faser, drückt sich durch den Kohlenstofffilter der Atemmaske, durchnässt das bleiche Fleisch unter schwarzer Rüstung mit Schweiß. „Dies wird das Omega sein...“ Kleinere Lichtblitze flackern in der Tiefe auf und beginnen einen Tanz, umschlingen sich, vereinigen sich, ersterben und heben an zu einer tödlichen Melodie aus Gewehrsalven und Explosionen. „...und das Alpha einer neuen Ära!“. Der Griff um den Stahltorso des Gewehres verengt sich. Die ISA ist auf Helghan gelandet. Es hat begonnen.

 

Kaum ein anderes Spiel wurde seit der Veröffentlichung der Playstation 3 so sehnsüchtig erwartet, kaum ein anderes bereits Jahre vor dem Release so mit Lob überschüttet wie Killzone 2. Die Erwartungen waren riesig und wurden auf den Schlachtfeldern verschiedenster Online-Medien heiß diskutiert. Flame-Wars brachen aus, ebbten wieder ab und ständig stand im Hintergrund die Frage ob das Entwicklerteam von Guerilla Games dem enormen Leistungsversprechen gerecht werden würde. Die Playstationgemeinde scharrte sich um jeden neuen Trailer, um einen flüchtigen Blick auf die virtuelle Exklusiv-Schießbude zu erhaschen und nicht leise waren die Stimmen die mit Killzone 2 die Grundsteinlegung für eine Neue Ära auf dem heiß umkämpften Shootermarkt verkündeten. Was ist nun nach über vier Jahren Entwicklungszeit wirklich aus dem Heilsversprechen für das PS3-Shooter-Genre geworden?

 

Handlung

Im Gegensatz zu alt bekannten Szenarien, in denen dem Spieler die Verteidigung seiner Heimat aufgenötigt wird, scheint mit Killzone 2 der Angriffskrieg salonfähig zu werden. Nachdem im ersten Teil noch der Heimatplanet der ISA gegen die düstren Invasoren vom Planeten Helghan verteidigt wurde, schlüpft der Spieler nun in die Rolle von Sgt. „Sev“ Sevchenko. In den Reihen einer Sondereinheit der ISA gilt es, den Diktator von Helghan auszuschalten und so ein für allemal die Bedrohung durch die Helghast zu eliminieren. Es treten an: Demokratie gegen Diktatur, Propaganda gegen Propaganda, aber im letzten Schluss immer Menschen gegen Menschen. Ein interessantes Spannungsfeld, dass man auch im Rahmen eines Egoshooters diskutieren könnte. Könnte. Leider muss ich in meiner Rezension mit dem einzigen wirklichen Kritikpunkt beginnen. In einer klaustrophobischen düstren Welt, mit einer Atmosphäre, so dicht, dass man sie schneiden könnte, mit Gebäuden so megalomanisch, als seien sie dem größenwahnsinnigen NS-Klassizismus entsprungen, einer Welt in der alles um einen herum explodiert, abbröckelt, einstürzt, verschenken die Entwickler erzählerische Tiefe. Anstatt dem Truppenkommando der ISA Glaubwürdigkeit zu nehmen und den Helghast Menschlichkeit zu geben, wird ein plattes Schwarz-Weiß-Bild gezeichnet, von Gut und Böse. Es hätte nicht viel dazu gehört aus dem Spiel Hintergrund eine intelligente Geschichte zu stricken, die unter die Haut geht. In den Spielfiguren Zweifel zu sähen und sie in einem wilden Krieg aufeinander zu hetzen als Schachfiguren von zwei Großmächten geblendet von der eigenen Machtrhetorik. Was in Killzone 2 bleibt, ist eine unheimlich dynamische Umgebung, der aber leider jedes Leben fehlt, keine Zeugnisse von der Kultur Helghans gibt, außer der ständig dröhnenden, aber auch durchaus stimmungsvollen Feindpropaganda. Warum frage ich mich, wird immer an der Story gespart?

 

Technik

Als erhofftes Flaggschiff einer Flotte von Computerspielen, die durch immer höher greifende technische Brillianz kommerziellen Erfolg erreichen soll, weiß Killzone 2 in jeder Hinsicht zu überzeugen. Selbst ein Referenztitel wie Call of Duty 4 muss hinter der enormen Dichte von Killzone 2 zurückstecken. Grund hierfür sind eine Vielzahl von brillianten Licht- und Partikeleffekten, und deren dramaturgisch sinnvoller Einsatz. Und wenn plötzlich aus einer düstren Rauchwolke mit einem Feuerblitz ein Helghastsoldat hervorspringt, sein tödliches Ballet zu Musik der in seinen Körper einschlagenden Geschosse aufführt und stöhnend zusammen bricht, dann sind die Adern so voll mit Adrenalin, dass sich einem die Nackenhaare aufstellen. Insgesamt sind die Figurenbewegungen in der Umgebung, wie auch das Mimikspiel der einzelnen Charaktere sehr überzeugend und lassen eigentlich keine Wünsche übrig. Da stürzen Soldaten getroffen zu Boden, zucken die getroffenen Gliedmaßen und werden Helme durch die Gegend katapultiert, wie man es von einer realistischen Spielphysik erwartet. Untermalt wird das alles von einem pompösen Soundtrack, der an den richtigen Stellen die Härte der Kampfhandlungen zu unterstreichen weiß. Die tolle Geräuschkulisse, die zum Beispiel in Gebäuden herrscht, wenn oben und unten gekämpft wird und der Schall durch die engen Räume springt, vermittelt zusätzliche Intensität, ohne die Bedrückung die in manchen Levels herrscht gar nicht zur Entfaltung kommen würde.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist die etwas träge Steuerung, die anscheinend das Gewicht der Kampfausrüstung vermitteln soll, wodurch sich das Spiel in Zusammenhang mit dem integrierten Deckungssystem auch wesentlich taktischer spielt. Im Allgemeinen sei von meiner Seite empfohlen die Sensibilität des Gamepads bis ans Maximum zu setzen um auch im Multiplayer, der dann auch ohne Deckungssystem daher kommt, bestehen zu können. Lobenswert ist der geschickte Einsatz der Sixaxis-Steuerung, die in Killzone 2 endlich einen vernünftigen Platz gefunden hat. War es bisher meist störend, wenn man dank träger Sensorerkennung steuerungskritische Momente nicht überlebte, benutzt man nun die Sixaxis um Ventile zu öffnen, Sprengsätze scharf zu machen, oder minimale Korrekturen beim Zielen mit dem Sniper-Gewehr zu ermöglichen. So geht die Steuerung in allem schnell und sauber von der Hand und das muss sie auch. Denn die Gegner sind gar nicht so dumm, wie noch vor dem Release befürchtet. Sie nutzen Deckung geschickt aus, versuchen zu flankieren und setzen den Spieler durch ihr gegenseitiges Deckungsverhalten mächtig unter Druck. Einzig im Nahkampf reagieren die Helghast etwas träge und sind zu anfällig für Angriffe mit dem Gewehrkolben.

 

Gameplay

Wie schon eingangs erwähnt verschenkt der Singleplayer einiges an erzählerischem Potenzial, was er jedoch durch den Dauerstress wett macht, der über dem Spieler hereinbricht. Schade ist auch, das es keinen Koop-Modus gibt um den Gegner zu zweit auf die Pelle zu rücken und der Einzelspielermodus auch ein wenig zu kurz ist.

Die wahre spielerische Stärke von Killzone 2 bildet aber auch der Multiplayermodus, was das Spiel zu einem Referenztitel für die PS3 machen dürfte. Beginnen wir mit den Karten, die so groß und schön gestaltet sind, dass man sich in den ersten Stunden mit staunender Verzückung darin verlaufen kann. Überall wird auf mehreren Ebenen gekämpft und nur selten gibt es eine klar definierte Hauptkampfzone; die Dynamik der Darstellung wurde auch auf das Spielprinzip übertragen. Überall verschieben sich Kampflinien, ändern sich Missionsziele, oder eine Hauptmacht umgeht einfach die Hardpoints des Gegners, während eine Minderheit ablenkt. Und nicht nur deswegen ist Killzone 2 extrem aktionlastig und taktisch zugleich. Wie auch in anderen Shootern gibt es die Möglichkeit in einem Rangsystem aufzusteigen und neue Spielinhalte freizuschalten. Im Fall von Killzone schaltet man jedoch nur bedingt neue Waffen, sondern viel mehr neue Charakterklassen (Wie Medic, Ingenieur, etc.) frei, die den Teams unterschiedliche Gewichtungen ermöglicht. Da es nun auch möglich ist, sich in den Teams von bis zu 16 Spielern nocheinmal in Kleinstverbänden mit eigenem Sprachchannel zu unterteilen, wird ein taktisches Teamspiel immer wichtiger um die Gegner zu überwinden. Ein ausgefeiltes Clansystem, die Möglichkeit offline mit Bots zu spielen und eine Vielzahl von Charaktereigenen Eigenschaften runden das Bild ab. Endlich ein Spiel, dass mich von CoD4 loseisen und mir die Perspektive in eine andere Shooterwelt eröffnen konnte. Übrigens eine Perspektive die völlig zu Recht ohne Jugendfreigabe daherkommt, da zwar keine Gewalt verherrlicht wird, dafür aber äußerst realistisch inszeniert wird.

 

Fazit

Kann Guerilla Games nun mit ihrem Titel eine neue Ära der Shootergeschichte einleiten?

Grafisch setzen sie für die PS3 zwar neue Maßstäbe, aber das allein zeichnet noch keinen Referenztitel aus, was unter anderem auch das Beispiel Far Cry 2 eindrucksvoll zeigt. Das Computerspiel, dass vielmehr verschiedene Genre miteinander eng verwebt, nämlich die des Films, des Spiels und auch das der literarischen Erzählung, kann sich nicht nur auf technische Aspekte konzentrieren. Hier liegt Killzone 2 momentan auch völlig außerhalb jeder Konkurrenz. Bei der Story wurde leider gepatzt und der Singleplayer erreicht nur das Niveau eines Michael Dudikoff Films, was jedoch durch die düstre Atmosphäre und die Spielmechanik wieder wett gemacht werden konnte. Trotzdem kann man das Prinzip des Rades nicht neu erfinden, nur Bekanntes aufgreifen, verbessern, neu kombinieren. Eben dieser Mix aus Bekanntem und Bewährtem mit kleineren Innovationen macht Killzone 2 zwar nicht zu einem Grundstein einer neuen Ära, da muss der Hype ausgebremst werden, jedoch aber zu einem sehr empfehlenswerten Titel für die PS3, der kaum Wünsche offen lässt. Wer Shooter mag, wird Killzone 2 lieben.

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202404221549479a81fa03
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Killzone 2

Publisher: Sony Computer Entertainment

Plattform: Playstation 3

Altersfreigabe: Keine Jugendfreigabe gemäß § 14 JuSchG

Erscheinungsdatum: 25. Februar 2009

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 05.05.2009, zuletzt aktualisiert: 14.04.2024 08:35, 8686