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Klassentreffen von Simone van der Vlugt

Rezension von Katrin Kress

 

Das letzte Stück fährt sie allein.

Seit neun Jahren hat Sabine nicht mehr an Isabel gedacht. Erst die Einladung zum Klassentreffen beschwört unheilvolle Erinnerungen an die einst beste Freundin wieder herauf, die damals spurlos verschwand. Ausgerechnet das, was an jenem Tag geschah, scheint Sabine vergessen zu haben ... Als Sabine die Einladung zum Klassentreffen erhält, wird ihr Leben zum Albtraum. Plötzlich stürmen Erinnerungen auf sie ein an eine Zeit vor neun Jahren, die sie längst überwunden zu haben glaubte. Sabine ist vierzehn Jahre alt, als sie zum ersten Mal tief verletzt wird. Ihre beste Freundin Isabel beachtet sie nicht mehr, schlimmer noch, zusammen mit ihren Klassenkameraden quält sie Sabine, die sich immer mehr in die Einsamkeit zurückzieht. Eines Tages verschwindet Isabel - spurlos. Jede Suche endet vergeblich, auch ihre Leiche wird nie gefunden. Aber ist Isabel tatsächlich ermordet worden, wie alle in Den Helder glauben? Was ist damals geschehen? Und warum scheint Sabine die Erinnerung an genau jenen Tag verdrängt zu haben?

 

 

Simone van der Vlugt, geboren 1966, ist als Autorin historischer Jugendromane international erfolgreich. Mit ihrem ersten Psychothriller "Klassentreffen" eroberte sie auch die deutsche Bestsellerliste.

 

Sabine leidet an einer der bekanntesten modernen Volkskrankheiten, nämlich dem Burn-Out-Syndrom. Obwohl sie eigentlich gerne Arbeiten ging wuchs ihr irgendwann alles über den Kopf. Nach einer längeren Therapie kehrt sie nun wieder ins Arbeitsleben zurück. Besser geht es ihr allerdings noch nicht, selbst ihre Therapeutin konnte nicht wirklich bis zu ihrem eigentlichen Problem durchdringen. Als sie nun wieder zur Arbeit kommt wird sie nicht gerade herzlich empfangen, das Verhalten ihrer Kolleginnen grenz schon eher an Mobbing. Besonders schlimm ist die neue Leiterin des Sekretariats, Renée, die Sabine das Leben zur Hölle macht.

 

Doch Sabine quälen noch ganz andere Dinge, nämlich das bevorstehende Klassentreffen in ihrer Heimat Den Helder, das Erinnerungen an ihre frühere Freundin Isabel weckt, die vor neun Jahren spurlos verschwunden ist. Sabine kann sich noch daran erinnern, dass sie am fraglichen Tag auf dem Heimweg mit dem Fahrrad hinter ihr fuhr, um an einer Kreuzung allerdings anders abzubiegen, um Isabel nicht zu begegnen. Das ist die letzte Erinnerung, die sie bewusst an Isabel hat, doch ganz allmählich tauchen ganz neue Bilder auf, die Sabine nicht recht einordnen kann. Sind es Erinnerungen oder wirklich nur Träume die sich ihr Unterbewusstsein zusammenspinnt? Sie begibt sich an den Ort des Geschehens um der Sache auf den Grund zu gehen.

 

Was versucht Sabine zu verdrängen? Weiß sie etwa, wer für Isabels Verschwinden verantwortlich ist und kennt sie womöglich den Täter? Und warum verhält sich ihr Freund so seltsam, hatte er damals etwas damit zu tun?

 

Simone van der Vlugt hat mit "Klassentreffen" ein Buch geschrieben, das fast schon ein ganz neues Genre bilden könnte, es ist eine gelungene Mischung aus Thriller und Frauenroman. Bevor es dem rätselhaften Verschwinden ihrer Freundin auf den Grund geht erfahren wir, fast bis zur Hälfte des Buches, alles über Sabines Höllenqualen im Büro und ihre neue Liebe. Und das alles ohne langatmig zu werden, nein die Spannung bleibt, wenn auch auf einer anderen Ebene als bei anderen Werken dieses Genres, die ganze Zeit über erhalten.

 

Nur langsam legt Simone van der Vlugt Spuren aus, die uns Hinweise darauf geben, was vor neun Jahren am Tag von Isabels Verschwinden passiert sein könnte. Sehr geschickt konstruiert die Autorin ihre Geschichte dabei so, dass immer neue Verdächtige auftauchen. Kaum meint man, den Täter entlarvt zu haben, kommt Sabine eine neue Erinnerung, die wieder alles über den Haufen wirft. Der Kreis der ‚Verdächtigen wird auch bis zum Ende nicht kleiner sondern im Gegneteil immer größer. Das gibt Simone van der Vlugt schließlich auch die Möglichkeit, ihrem Roman ein Ende zu verpassen, das sich gewaschen hat und ihre Leser geschockt zurück lässt. Und trotz dieses vermeintlich abrupten Endes, greift alles wunderbar ineinander ein. Simone van der Vlugt hat hier ein wirkliche Kunststück vollführt ohne das es in irgendeiner Weise aufgesetzt wirken würden.

 

Auch ihre Charakter zeichnet die Autorin geschickt mit sehr viel Tiefe und Feingefühl. Der Leser erlebt die Geschichte aus der Egoperspektive von Sabine. Und reist mit ihr in die Vergangenheit, hört von ihrer Freundschaft zu Isabel, welche sich irgendwann ins Gegenteil verwandelt hat. Doch das Mobbing setzt sich in der Gegenwart weiter fort, denn dort sind es Sabines Arbeitskolleginnen, die ihr das Leben schwer machen. Sabines Verzweiflung und ihre Ängste erleben wir in jedem Moment hautnah mit. Auch die Beziehung zu Olaf, die anfangs glücklich und perfekt scheint, bekommt schnell Risse und bewegt sich in eine ungeahnte Richtung. Simone van der Vlugt greift hier ganz geschickt das brisante Thema Mobbing sowohl im Büro als auch auf dem Schulhof gekonnt auf und verbindet beides meisterhaft mit einander.

 

Der (Frauen)Thriller „Klassentreffen“ hat mich sehr überrascht und konnte auch ganzer Linie überzeugen. Simone van der Vlugt hat ihren ganz eigenen Stil, und hebt sich damit deutlich von der Flut der anderen Thriller auf dem Markt ab. Man kann dieses Buch wirklich nicht zur Seit legen bis man auch die letzte Seite gelesen hat, und das ganze eigentlich völlig ohne ekeligen und nervenzerreißende Schockerszenarien. Und trotzdem bleibt einem am Ende der Mund vor Schreck und Überraschung offen stehen.

 

Ich freue mich schon sehr bald mehr von dieser Niederländischen Autorin zu lesen.

 

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Klassentreffen

Autor: Simone van der Vlugt

Broschiert: 384 Seiten

Verlag: Diana (Mai 2007)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3453351770

ISBN-13: 978-3453351776

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 28.05.2008, zuletzt aktualisiert: 10.10.2020 16:25