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Kolumne: Die Geißel der Autoren: Lektoren!

Autor: Holger M. Pohl

 

 

Jede Autorin, jeder Autor, deren Werke schon einmal ein vernünftiges Lektorat durchlaufen haben, weiß, wovon ich rede: Lektoren sind eine Plage, eine Geißel! Ihr Blut muss durch Adern fließen, deren Zellen einen hohen sadistischen Anteil aufweisen. Wie sonst könnte es sein, dass sie Spaß und Freude am Zerstören haben? Ja, am Zerstören, denn ein Lektor zerstört mein Werk, in das ich so viel Herzblut gelegt habe! Für das ich mir Tage und Nächte um die Ohren geschlagen habe, damit es perfekt wird. 

 

Mein Lektor Thilo Corzelius, der ARKLAND - Aufbruch ins Gestern bearbeitet hat, wollte mir doch glatt ein ganzes Kapitel streichen, weil es überflüssig ist und die Geschichte nicht vorwärts bringt. Als ich das gelesen habe, wäre ich ihm am liebsten an die Gurgel gegangen. Oder an einen anderen Körperteil! Das kann doch nur Sadismus sein!, sagte ich mir. Ich konnte ihm zwar ein Zugeständnis in Form einer Alternative abringen, aber ich fühlte mich trotzdem … am Boden zerstört. Thilo, warum tust Du mir das an?

 

Oder Ernst Wurdack. Als ich den ersten Teil von D9E-16 Mengerbeben zurückbekam, dachte ich mir: Das ist jetzt nicht dein Ernst, Ernst! An dem Tag war ich frustriert, genervt, deprimiert und überlegte mir, die Schriftstellerei an den Nagel zu hängen (Was ich möglicherweise in den Augen mancher tun sollte, aber als Autor habe ich auch die eine oder andere kleine sadistische Ader!).

Das weiß der Leser! oder Du erklärst zu viel! oder Beachte die Perspektive! kam es immer wieder. Neben diversen anderen kleinen und größeren Anmerkungen. Himmel, warum willst Du mein Werk kaputtmachen, Ernst?!

 

Oder Irene Salzmann, die meine Werke für Rettungskreuzer IKARUS lektoriert. Das kannst Du so nicht schreiben! oder Das ist überflüssig! kam es da immer wieder. Neben diversen anderen kleinen und größeren Anmerkungen. Da arbeitet man nach bestem Wissen und Gewissen und dann so etwas! Das ist sadistisch. Irene!

 

Kommt den werten Kolleginnen oder Kollegen irgendwie bekannt vor? Eben. Lektoren haben nichts anderes im Sinn, als mein Werk nach bestem Wissen und Gewissen, mit Freude, Genuss und Begeisterung zu zerlegen, es umzugestalten. Mit jedem Wort, jedem Satz den sie streichen, erhöhen sie meinen Schmerz und weiden sich daran. Lektorinnen und Lektoren sind Sadisten. Sie sind eine Geißel!

 

Was also tun um diesen Qualen zu entgehen? Die Lösung: Wir verzichten aufs Lektorat! Oder suchen uns einen Verlag, der aufs Lektorat verzichtet, was auf dasselbe hinausläuft! Ja, das ist der Weg!

 

Beispiele gefällig, was dabei herauskommt? Gerne doch! Es entstehen dann solch perfekten Werke, wie sie rechts in den Leseproben abgebildet sind. So haben die Verlage das auf dem Markt geworfen. Die Verlage haben auf das zerstörerische Lektorat verzichtet und uns die Werke in ihrer ursprünglichen Reinheit erhalten. Nun gut, vielleicht nicht ganz uneigennützig, denn diese Werke müssen nicht auch noch verkauft werden. Der Verlag hat durch den Autor schon so viel verdient, dass er es nicht nötig hat, auch noch durch den Buchverkauf zu verdienen.

 

Falls aber doch welche von Lesern erworben werden, nimmt der Verlag das gerne als zusätzliche Einnahme mit. DKZV eben: Es wird alles eingespart, was der Autor nicht bezahlt. Es fällt also gar nicht auf, wenn am Lektorat gespart wird. Ja, große, unbändige Freude, das ist der Weg!

 

OK, der Weg hat natürlich den Nachteil, dass er mich als Autor Geld kostet. Ist wie im richtigen Leben: Wenn ich sparen will, muss ich manchmal zuerst Geld ausgeben! Möchte ich aber nicht! Warum auch. Aber auch dafür gibt es einen Weg! Ich spare mir nämlich nicht nur das Lektorat, sondern auch gleich den Verlag. Amazon und Co. Sei Dank, stehen mir da heute ungeahnte Möglichkeiten offen! Ich werde nämlich Indie!

 

Ich könnte jetzt stundenlang darüber schwadronieren, was der Unterschied zwischen einem Indie und einem SP ist. Will ich aber heute mal nicht. Zur Ehrenrettung des einen oder anderen SP sei aber gesagt: Manche achten auf Qualität … in jeder Beziehung. Andere nicht. Leider aber sind Zweitere in der Überzahl, so dass es einem nicht immer leicht fällt, die Unmengen an Spreu von dem bisschen Weizen zu trennen. Denn leider leiden die Ersteren unter dem, was die Zweiteren so an Sparergebnissen auf den Markt werfen.

 

Ich kann Euch auch hier Beispiele nennen, was bei den Sparmaßnahmen herauskommt und verweise auf die Leseproben rechts. Niemand hat diese Werke zerstört, daher müssen wir sie nehmen, wie sie sind. Oder wir lassen es.

 

Manche sparen eben, wo immer es geht. Und wieder ist kein freundlicher, aber gnadenloser Lektor respektive eine freundliche, aber gnadenlose Lektorin in der Nähe, die Schreibern wie Stefan Knapp oder Johannes Schütte sagen: Lass das Schreiben bitte einfach sein! Du kannst es einfach nicht! Such Dir ein anderes Hobby! Bringe bitte nicht die Phantastik in Verruf, sie hat es eh schon schwer genug - auch ohne Deine Ergüsse an Unfähigkeit! Oder die anderen, vielleicht sogar mit einem gewissen Talent gesegneten Autorinnen und Autoren dabei helfen, aus dem Text doch etwas zu machen, was lesbar ist.

 

Diese Beispiele an DKZV- und Indie-Erzeugnissen sind mehr oder weniger zufällig ausgewählt. Sie zeigen aber stellvertretend, was DKZV und Indies so auf den Markt werfen an unlektoriertem Zeug. Der Phantastik tut das nicht gut und im Falle der Indies auch nicht den guten, durchaus professionell arbeitenden SP. Die - und das möchte ich betonen! - es durchaus gibt. Nur gehören die genannten (und viele andere) leider nicht dazu.

Das klingt arrogant? Überheblich? Was ich mir einbilde, Kolleginnen und Kollegen so anzugehen? Dem halte ich entgegen: Ich sehe das nicht alleine so! Ich traue mich, lediglich es auch zu sagen!

 

Doch zurück zur Geißel der Autorinnen und Autoren, den Lektoren. Es gibt also keinen Weg, dieser Geißel zu entkommen? Ich könnte doch mein Werk selbst lektorieren. Kostet nichts, aber meine Arbeit wurde lektoriert!

 

Ja, es gibt welche, die tatsächlich meinen, sie könnten sich selbst lektorieren. Nennen wir es mal einen Trugschluss oder Irrtum. Vernünftig, klar und nüchtern denkende Autorinnen und Autor wissen, dass es nahezu unmöglich ist, das eigene Werk zu lektorieren. Oder noch nichts von Betriebsblindheit gehört? Ich könnte aber auch anders fragen: Wer geißelt sich schon gerne selbst? Man müsste sich selbst ja Textstellen streichen, quasi den eigenen Leib aufschneiden, auseinander nehmen und dann wieder zusammensetzen. Wer von uns hat schon eine solch sadomasochistische Ader? Kaum eine oder einer. Woran ich stunden-, tage- oder wochenlang gearbeitet habe, soll und muss genauso bleiben! Ich will doch meine Geschichte nicht kaputt machen!

 

Es bleibt mir also nichts anderes übrig - so ich mir den Lektor sparen will - als entweder mein Glück bei einem DKZV zu suchen (da habe ich eigentlich gar keine Arbeit - außer dem Schreiben, aber das sollte ich mir vielleicht auch sparen) oder als Indie selbst zu veröffentlichen (da spare ich mir zwar den Lektor, habe aber mit dem ganzen Drumherum wie layouten, Marketing usw. jede Menge Arbeit - was viele sich aber auch sparen könnten, würden sie nicht dem inneren Zwang unterliegen, der lesenden Öffentlichkeit ihre Werke nicht zu ersparen).

 

Ein Teufelskreis also. Ich komme um die Geißel Lektor nicht herum. Und da sind wir an dem Punkt, der mich wie jede vernünftige Autorin, jeden vernünftigen Autor zu der klaren Erkenntnis brachte: So wie Lektoren eine sadistische Ader haben (müssen), so habe ich als Autor eine masochistische Ader in mir! Ich brauche sie oder ihn, so wie sie oder er mich brauchen!

 

Wir können auf Lektorinnen und Lektoren nicht verzichten. Und wir sollten es auch nicht! Denn neben allen unangenehmen Eigenschaften, die mit sich bringen, besitzen sie auch eine wunderbare und unverzichtbare Eigenschaft. Sie machen nämlich aus unserem Werk - gleichgültig wie gut es vorher schon gewesen sein mag - etwas Besseres. Das ist ihr Job, das ist ihre Aufgabe. Dazu sind sie da. Egal wie sehr sie uns auch quälen, sie tun es nicht aus Freude daran. Sie mögen kleine Sadisten sein, doch sind sie es nicht von Natur aus, sondern des Berufs wegen.

 

Das soll nun nicht heißen, dass man dazu immer bei einem seriösen Verlag veröffentlichen muss. Da hat man aber zumindest die Chance, an ein gutes, unabhängiges, ehrliche Lektorat zu kommen. Aber auch wenn man diese Chance nicht nutzt, sondern frank und frei und selbst veröffentlicht - an der Geißel Lektor zu sparen, ist ein Sparen am falschen Ende! Seien wir also ein wenig masochistisch … es kann nur gut für uns und unser Werk sein!

 

Denn Thilo, Ernst, Irene, Stephanie und alle anderen, die meine Werke lektoriert oder zumindest kritisch vor dem Veröffentlichen unter die Lupe genommen haben, hatten oft genug recht. Ihre Brille ist eine andere als meine und das ist gut so! Und ich bin ihnen dankbar dafür, dass sie mich gegeißelt haben. Das sage ich aber besser nicht zu laut …

 

P.S.: Links zu meinen DKZV- und Indie-Leseproben habe ich mir erspart. Nicht dass noch jemand aus Versehen diese Bücher bestellt in der irrigen Annahme, sie brächten die Phantastik auch nur einen Schritt vorwärts. Das Gegenteil ist der Fall!

Wer sie finden will, der findet sie. Aber gebt mir dann nicht die Schuld, wenn ihr vom Glauben an die Phantastik abfallt. Man muss nicht alles suchen und gelesen haben …

 

 

 

 

 

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Eure Meinung:

Ralf, 23.04.2017, 16:15:
So lieb man seine eigenen Werke auch hat, ein Lektorat kann Probleme lösen, die man selbst nie hatte.
Gute Kolumne!
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weitere Infos:

Biographie, Bibliographie, Rezensionen und mehr zu Holger M. Pohl

DKZV - Wozu Lektorat?

Stefan Knapp

"Die Abenteuer des Stefón Rudel" erschienen bei United p.c.

Johannes Schütte

"Die Bibel des Weltalls" erschienen bei United p.c.

Adriana Schneider

"Die vier Mächte" erschienen bei Novum

Indie: Lektorat gespart!

Roman Zadnik

"Das Zeittor: Invasion aus der Zukunft"

Holger Husnik

"Ares one: Die erste Marskolonie"

Johannes Schütte

"Schwanenplanet"

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Erstellt: 23.04.2017, zuletzt aktualisiert: 01.10.2017 15:44