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Komet (The Year of our War) von Steph Swainston

Rezension von Carsten Kuhr

 

Immer, wenn ich einen Fantasy Roman zur Hand nehme, der einmal nicht die ständig wiederkehrende selbe Geschichte eins jugendlichen Helden auf einer Queste die ihn oder sie durch die mannigfaltigen Gegenden der Welt führt erzählt, gehe ich mit besonderem Interesse an die Lektüre.

 

Steph Swainstons Romanerstling ist ein solches Buch, das frischen Wind in die Lesestuben bringt. Vergessen Sie fast alles, was sie bislang von Fantasy-Welten gewohnt sind. Diesmal erwartet sie eine merkwürdige Welt, in der die Personen T-Shirts tragen, dem Rauschgift verfallen, Zeitungen mit Karikaturen lesen und sich in einem Jahrhunderte währenden Kampf befinden. Einem Kampf aber, der statt mit modernen Waffen mit Schwertern, Pfeil und Bogen und auf dem Rücken von Pferden geführt wird. Angeführt werden die Truppen durch einen Imperator, der einer kleinen Elite von Streitern »Eszai« genannt körperliche Unsterblichkeit verleihen kann. Allerdings ist nur der Alterungsprozess der Unsterblichen gestoppt, wie jeder andere Soldat im Dienst des Imperators können auch sie im Kampf verwundet werden, ja fallen, oder sie werden im formellen Zweikampf getötet, denn, wie man sich vorstellen kann, sind die Plätze begehrt.

 

Die Handlung setzt mitten im Krieg des Jahres 2014 ein. Die Frontlinie gegen die riesenhaften Insekten bröckelt überall. Die Reiche der Menschen sind leer, die Blüte ihrer Jugend verliert ihr Leben auf den Schlachtfeldern gegen die sechsbeinigen Gegner.

 

Jant Komet ist einer der Unsterblichen. Er stammt aus dem Volk der Rhydanne, der geflügelten Menschen. Als Einziger aber beherrscht Komet die Kunst wirklich zu fliegen. So ist er als Aufklärer, als fliegender Bote und Spion unterwegs. Statt dass uns nun aber ein strahlender Kriegsheld erwartet, wird uns Komet als ambivalente Gestalt geschildert. Dem Rauschgift verfallen, ist er ständig klamm. Seine Schulden, seine Neigung zum schönen Geschlecht sorgen dafür, dass er Neid und Missgunst noch mehr ausgesetzt ist, als die anderen Unsterblichen. Dazu kommt, dass er mit Hilfe der Droge Kat dazu in der Lage ist eine andere Welt - »Andernort« genannt - zu besuchen. Während seine Umwelt Andernort als Drogengespinst abtut, hält Komet sie für eine alternative Realität. Doch in Zeiten, da der Krieg droht verloren zu gehen hat die Gesellschaft, hat der Imperator wenig Geduld mit einem Süchtigen, der etwas von einer fremden Welt faselt. So wird Komet nach dem Tod des Königs in der Schlacht ausgesandt, das Geheimnis der angreifenden Insekten auszuspähen, denn auch dem Imperator ist klar, dass er den Kampf gegen die Horden der Angreifer nicht gewinnen kann ...

 

 

Surreal, so könnte man den Eindruck des Buches wohl am treffendsten beschrieben. In seiner Komplexität erinnertes mich ein wenig an Aldiss´ »Der Malacia Gobelin«, und ist doch ganz anders, ganz eigen.

Swainston gelingt es ein ums andere Mal Gestalten zu schaffen, die im Gedächtnis haften bleiben. Das gilt für den Protagonisten Komet - als Held möchte ich diesen wahrlich nicht bezeichnen - ebenso, wie für fast alle auftretenden Personen von Bedeutung. Dabei bleiben die Gestalten im Hintergrund farblos, sind aber für die Handlung als solche auch nicht weiter wichtig.

 

In drei Subplots - dem Krieg gegen die Insekten, den Besuchen in Andersort sowie den Erinnerungen an die wenig berauschende Jugend Komets webt die Autorin ein faszinierenden Bild einer ganz ungewohnten Welt. Gerade durch die Berichte über die Jugend ihres Anti-Helden werden dessen Handlungsweisen, seine Charaktereigenschaften erst deutlich und nachvollziehbar, wird er für den Leser greifbar und verständlich.

 

Neben der packenden und temporeichen Schilderung der Kämpfe schuf Swainston hier einer überzeugenden Pseudo-Realität die dem Roman ungewohnte Tiefe verleiht. Im Zusammenwirken mit dem ungewöhnlichen Handlungsorten und der Bedrohung durch riesenhafte Insekten liegt denn auch der besondere Reiz des Buches. Hier erhält der Leser endlich einmal eine neue Geschichte, hier weiss er eben einmal nicht, wie die Queste ausgehen wird, hier begegnet er mit Komet einem Menschen voller Ecken und Fehler, der gerade darum wirklichkeitsnäher und lebendiger wirkt als die ewig gleichen Helden tolkienesquer Prägung.

 

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Komet (The Year of our War)

Autor: Steph Swainston

Verlag: Blanvalet

Erscheinungsjahr: 2007

Übersetzer: Alfons Winkelmann

Cover: Whelan / Wojtowicz

ISBN-10: 3442243645

ISBN-13: 978-3-442- 24364-8,475

Preis: Euro 8.95

Erhältlich bei: Amazon

 

weitere Infos:


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Erstellt: 09.01.2007, zuletzt aktualisiert: 15.11.2019 13:41