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Kopfloser, Herzlose von Michael Erle

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

Grouchox liebt Zoruna – das sieht doch jeder Narr. Aber Zoruna ist kein Narr. Sie ist Söldnerin, Offizierin noch dazu, und wenn Sie ihre Truppe erhalten will, dann muss sie dafür sorgen, dass das Handelsschiff „Güldesel“ heil an seinem Ziel eintrifft. Doch weder die Herbststürme noch die Piraten oder der Verräter in ihrer Mannschaft sind die größte Gefahr für das Unternehmen: es sind die Ränke des Koboldskönigs Hewast, der ein finsteres, gefährliches Spiel mit der Söldnerin spielt. Was ist der Preis, den er Grouchox für seine Hilfe angeboten hat? Was hat es mit dem kopflosen Koloss auf sich, welcher der „Güldesel“ folgt?

 

Rezension:

Die Geschichte von Grouchox und Zoruna besteht aktuell aus drei Bänden: dem Prequel Schwert und Schelm, Kopfloser, Herzlose und Masken über Masken. Die ersten beiden Bände sind als eBook im Amazon Kindle-Store verfügbar, »Kopfloser, Herzlose« zudem als Buch sowie als Hörbuch. Der dritte Band Masken über Masken erscheint 2010.

 

Eine klassische Fantasy-Geschichte in einer mittelalterlichen Welt ist die Grundlage für »Kopfloser, Herzlose«. Dabei mischt Autor Michael Erle einige lustige Erweiterungen hinein. So ist der Held diesmal ein Koboldskind, allerdings nur adoptiert. Dass sich aus einer derartigen Konstellation witzige Probleme herleiten lassen, bewies uns bereits Terry Pratchett mit seinem »Zwerg« Karotte«. Grouchox verliebt sich in die Chefin einer Söldnerbande – jene titelgebende Herzlose – und schließt sich ihnen daher an. Da er nicht nur trick- und listenreich ist, wie seine Herkunft vermuten lässt sondern zudem noch etwas zaubern kann, stellt er eine passende Ergänzung der Truppe dar, als sie auf einem Handelsschiff anheuert um den Begleitschutz zu bilden. Es gibt den typischen Sturm auf See und die Piraten, aber auch ein seltsames Kloster mit kruder Philosophie und geheimnisvolle Drahtzieher im Hintergrund. Der ebenfalls im Titel vorkommende Kopflose tritt natürlich auch auf. So entwickelt sich mit der Zeit eine abwechslungsreiche und rasante Komödie mit sehr vielen lustigen Szenen. Bis auf ganz wenige Längen gelingt es Erle, Tempo und Witz auf einem Niveau zu halten. Tatsächlich möchte man am Ende wissen, wie es weiter geht in der Welt von Grouchox und Zoruna.

 

Das Buch weist leider einen seltsamen Satzspiegel auf, es gibt zu wenig Rand, gezerrte Zeilen und nicht-typografische Gänsefüßchen – in Summe wirkt das Buch daher etwas selbstgestrickt. Auch das Korrektorat könnte sich dem Text noch einmal widmen.

 

Das Hörbuch:

Michael Erle und die Musicalgruppe FairytaleFactory bringen seit September 2006 »Kopfloser, Herzlose« als Podcast kostenlos über ihre Website heraus. Inzwischen stehen 45 Folgen dort zum Download bereit. »Kopflose-Herzlose« kann man sich auch als CD mit den ersten 35 Folgen kaufen. Die Macher setzen sich zur Hälfte aus der Musicaltruppe "Fairytale Factory" zusammen, zur anderen aus Liverollenspielern aus München. Die Aufnahmen sind im Creative Chaos Studio entstanden unter Nutzung der Wachwalzen-Aufnahmetechnik.

 

Das ambitionierte Hörspielprojekt, auf dem das Buch beruht, muss man unter dem Hobby-Aspekt betrachten. Denn mit einer professionellen Produktion lässt sich das Audiobook nicht vergleichen und daher ist auch eher von einem Hörbuch zu sprechen.

Denn im Wesentlichen wird vorgelesen und nicht inszeniert. Etliche Handlungselemente werden erzählt, das Schauspiel hält sich in Grenzen, das führt zu nachlassender Konzentration beim Hören, zumal Michael Erle als Erzähler dabei mit einer atemlosen Geschwindigkeit durch die Handlung treibt und sich zudem einer sehr eigenwilligen Betonung bedient. Das Zuhören wird dadurch zum Teil Schwerstarbeit. Die einzelnen Figuren sind ebenfalls engagiert eingesprochen, aber nur in Rudimenten gespielt. Während die mittelalterliche Musik komplikationslos in die Tracks passt, sind die Geräusche offensichtlich nach Maßgabe freier Kapazitäten verteilt und mit den zur Verfügung stehenden Mitteln erzeugt worden. Das klingt an einigen Stellen etwas lustig. Leider sind die Spuren in unterschiedlicher Lautstärke abgemischt worden, sodass die Sprecher einer Szene nicht immer gleich laut sind.

Insgesamt ist das Buch dem Hörbuch vorzuziehen, nicht nur weil es mehr Szenen enthält, darunter mit einem putzigen Klabauter, sondern auch, weil etliche Gags der Handlung durch die Sprecher untergehen.

 

Fazit:

Humorvolle Fantasy aus Deutschland ist stets einen Blick wert. Michael Erle schreibt flüssig und mit großem Spaß an seltsamen Figuren. »Kopfloser, Herzlose« lebt von witzigen Szenen und Slapstick, der im Buch besser zur Geltung kommt als im Hörbuch. Aber zum Reinschnuppern und Würdigen der fleißigen Sprecher lohnen sich die kostenlosen Hörbuchteile auf jeden Fall.

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Buch:

Kopfloser, Herzlose

Autor: Michael Erle

Verlag Michael Höppner, 2006

Cover: be.Blecha

Taschenbuch, 279 Seiten

 

eBook:

ASIN: B0034XS71Y

 

Hörbuch

Autor, Musiker, Produzent, Tontechniker, Erzähler: Michael Erle

 

Sprecher

Marlies Brückl - Hewastldenbastquasthastefastverpasstl

Martin Dax -Amir

Claus Döbbrick - diverse Rollen

Michael Erle - Erzähler, Ugarminogarix

Uli Füller - Thorak

Johanna Kohnert - Zoruna

Andreas Pfeiffer - Alf, Alias und Gassinger

Christine Randlkopfer - Alis

Christian Schuberth - Parus, Hergert, Alter Mann

Johannes Kaiser - Grouchox

Patrick Pissang - Berrek

 

Weitere Infos:


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Erstellt: 02.10.2010, zuletzt aktualisiert: 29.05.2018 20:58