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Kriss de Valnor 1: Ich vergesse nichts

Reihe: Die Welten von Thorgal, Bd. 1

Rezension von Christel Scheja

 

„Thorgal“ ist eine der am längsten laufenden Fantasy-Serien aus dem francobelgischen Raum, denn auch wenn Van Hamme das Interesse an der Geschichte verloren hat, trat ein anderer als Texter an seine Stelle. Grzegorz Rosinski bleibt der Hauptserie weiter als Zeichner treu, wird aber auch ein Auge auf die bisher auf sieben Bände geplante Nebenreihe werfen, in der andere Helden und Heldinnen der Serie eigene Geschichten und Abenteuer bekommen, nicht nur Thorgal und sein Sohn Jolan.

Im ersten Album der Reihe „Die Welten von Thorgal“ geht es um „Kriss de Valnor“, eine der schillernden Persönlichkeiten, die Thorgals Weg kreuzte und nachhaltig in sein Leben eingriff, weil sie ihn für sich haben wollte. Doch am Ende musste sie erkennen, dass sie mit all ihren Versuchen seine Liebe zu gewinnen nur das Gegenteil erreichte und opfert sich für ihn.

 

In „Ich vergesse nichts“, dem ersten Band der für zwei Bände vorgesehenen Story erwacht Kriss de Valnor auf einem weichen Bett und stellt fest, dass die Pfeile und ihre Wunden verschwunden sind. Die Frauen, die sich um sie kümmern, erweisen sich als Walküren und erklären ihr, dass die Göttin Freya sie prüfen will, um zu entscheiden, ob sie als Kriegerin der Götter weiterleben darf oder doch in die Unterwelt einfährt.

Denn bisher hat Kriss kein gutes Leben geführt. Sie hat gemordet, belogen und betrogen, sich Dinge einfach genommen und sich nicht um das Leid anderer geschert. Allein die Tatsache, dass sie am Ende ihr Leben geopfert hat, um andere zu retten, gewährt ihr nun diese Gnade.

Doch die Göttin macht auch keinen Hehl daraus, dass sie von Kriss absolute Wahrheit und Offenheit erwartet.

Und so beginnt die Frau mit der dunklen Vergangenheit zu erzählen - von ihrem Leben in einem kleinen abgeschiedenen Dorf, wo sie der Willkür anderer ausgeliefert ist. Im Gegensatz zu ihrer Mutter, die alles ohne Widerstand hinnimmt, regt sich in Kriss schon früh Widerstand und Hass. Nur die Tatsache, dass sie ihre Mutter nicht im Stich lassen will, hindert sie daran, einfach wegzulaufen.

So muss sie Vergewaltigungen und Demütigungen hinnehmen, die schon früh jedes Gefühl von Liebe und Zuneigung in ihr sterben lassen. Als sich ihre Mutter schließlich selbst umbringt, rächt sich Kriss und verschwindet in eine ungewisse Zukunft. Der einzige, dem sie in dieser Zeit zu trauen beginnt ist der Gaukler Sigwald, der ähnliche Grausamkeiten wie sie erlebt hat, aber noch nicht bereits dazu ist, sich dem Hass zu ergeben...

Als Bonus gibt es mehrere Interviews mit Rosinski und den neuen Mitstreitern an seiner Seite, die die Serie auf ihre Art am Leben erhalten wollen.

 

Fans von Thorgal wissen bereits, dass Kriss de Valnor nicht ohne Grund so kaltherzig und skrupellos geworden ist, denn es gibt in Bänden der Hauptreihe entsprechende Andeutungen und Erinnerungen. Der Band der nun ganz allein der Heldin und Schurkin gewidmet ist, füllt diese Bilder nun mit Leben und einer Geschichte. Dabei gehen sie nach dem klassischen Muster vor. Egal, was in Kriss bereits vorher gebrodelt hat, wirklich zu dem Luder geformt worden, ist sie durch ihre Umwelt.

Bereits ihre Kindheit in einem namenlosen Dorf hat ihr gezeigt, dass nur der Starke Glück im Leben hat, Schwache werden gedemütigt, erniedrigt und man fügt ihnen wo man kann Schmerz zu egal ob körperlichen oder seelischen. Aus diesem Grund wird sie selbst zu einem Wolf und beschließt so zu bleiben, auch wenn sie es zunächst nicht einfach hat.

Der Gaukler Sigwald ist der einzige Lichtblick in ihrem Leben. Entstellt und seiner Tochter beraubt, gibt er doch nicht den Glauben und die Hoffnung auf, das alles noch einmal gut wird und auch er das Glück genießen kann.

Hier merkt man, dass Kriss trotz aller Härte durchaus auch noch anders kann, und das macht sie zumindest ein bisschen sympathisch.

Allerdings machen es sich die Künstler sehr einfach, denn die Geschichte ist auf weiten Stecken sehr vorhersehbar und bietet keine besonderen Überraschungen. Das nimmt ihr ein wenig die Spannung und lässt die Heldin etwas blass erscheinen. Das ändert sich erst mit dem Erscheinen von Sigwald, der eine wirklich interessante Persönlichkeit ist und sich wohltuend vom Rest der unfähigen, grausamen, perversen und einfach nur bösartigen Nebencharaktere abhebt.

Die Zeichnungen von De Vita können ohne jeden Abstrich mit denen von Rosinski mithalten und haben einen eigenen Stil, auch wenn Thorgal und Co. gut wiederzuerkennen sind. Farben und Szenarien passen zu der düsteren Stimmung und vertiefen die Atmosphäre, die die Geschichte umgibt auch noch.

Sehr interessant sind auch die Interviews, durch die der Fan mehr über den Fortgang der Hauptserie und die geplanten Nebengeschichten erfahren kann, auch wenn die Fragen und Antworten manchmal abschweifen

 

 

Fazit

 

Alles in allem dürfte „Kriss de Valnor 1: Ich vergesse nichts“ wie auch die kommenden Alben von „Die Welten von Thorgal“ vor allem die Fans zufrieden stellen, die gerade die weiblichen Figuren der Serie lieb gewonnen haben.

Als für sich alleinstehender Fantasy-Comic ist der Band eher durchschnittlich, da er eine konventionelle Geschichte ohne besondere Überraschungen und mit vielen Klischees erzählt, die Fantasy-Leser vermutlich schon sehr lange kennen.

Eure Meinung:


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Comic:

Kris de Valnor 1: Ich vergesse nichts

Reihe: Die Welten von Thorgal, Bd. 1

Autor: Yves Sente

Zeichner und Farben: Giulio De Vita

Cover: Grzegorz Rosinski

Original: FR 2010

- Thorgal - Les Mondes de Thorgal Vol 1

- Kriss de Valnor - Je N’Oublie Rien!

Übersetzerin: Tanja Krämling

Hardcover-Album, 72 Seiten

Splitter-Verlag, erschienen im Mai 2011

ISBN-10: 3868693785

ISBN-13: 978-3868693782

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 07.06.2011, zuletzt aktualisiert: 17.11.2019 13:35