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Kristall der Macht von Monika Felten

Rezension von Christel Scheja

 

Durch ihre „Elfenfeuer“ und „Das Erbe der Runen“-Trilogien wurden Monika Felten schon früh auf eine bestimmte Art der Fantasy festgelegt: Die Schilderung der Selbstfindung und Bewährung junger Frauen in einer mystisch-archaischen Umgebung, durch die sie lernen den Funken großer magischer Macht in sich zu erwecken. Das ist auch in ihrem neusten Buch „Kristall der Macht“ nicht anders.

 

Seit langer Zeit lebt das kleine Fischervolk friedlich und im Einklang mit der Natur auf der Insel Nintau. Sie wähnen sich sicher, seit es vor vielen Jahren einer Maor-Say, der spirituellen Führerin und Beschützerin ihres Volkes gelungen ist, einen bösen Dämonen in einen Ring einzusperren und in Stein zu bannen. Seither hat niemals wieder etwas ihr Volk bedroht und viele Leben genommen.

Doch der Friede ist trügerisch. Auch wenn Noelani, die amtierende Maor-Say, die alten Rituale gewissenhaft durchführt und den Ring aus Steinen, in dem der Dämon gefangen ist, sorgsam bewacht, so wird sie doch von düsteren Träumen und Vorahnungen gequält. Etwas wird geschehen und wenn es nur das Ausbleiben der Riesenschildkröten ist, deren Eiablage eine der Nahrungsquellen ihres Volkes ist.

Doch es kommt noch schlimmer. Gelber Nebel verschlingt das Land und tötet alle Bewohner, bis auf die wenigen, die sich zu Noelani retten können. Die junge Maor-Say muss erkennen, dass vieles, was sie für wahr und eindeutig gehalten hat nur eine Lüge gewesen ist – ausgerechnet ihre Zwillingsschwester Kaori, die durch den Nebel gestorben ist, weist ihr den Weg zu den Geheimnissen der Insel und der Wahrheit über den Dämon.

Derweil haben sich auf dem Festland nördlich von Nintau die Völker der Rakshun und Baha-Udin in einen tödlichen Krieg verstrickt. Nur eine natürliche Grenze, der Fluss Gonwe trennt sie voneinander. Es gibt immer wieder Vorstöße und Rückschläge, die vielen Soldaten und selbst Prinzen das Leben kosten. Nur wenige ahnen, dass es andere Lösungen geben muss, als die, die Kräfte gegeneinander aufzureiben und immer mehr Menschen in den Tod zu schicken. Doch wie können diese aussehen?

Ausgerechnet in diesem kriegsgeschüttelten Land stranden die Flüchtlinge von Nintau. Noelani, ernüchtert von den Erfahrungen in ihrer Heimat, ahnt schon bald, dass sie sich einmischen muss, denn in ihren Händen hält sie das Mittel, um den Krieg ein für alle Mal zu beenden: Die Kristalle der Macht.

 

Der Roman erweist sich als interessante Mischung aus Klischees und Realismus. Auf der einen Seite macht es sich Monika Felten mit der Beschreibung ihrer Kulturen sehr einfach – bei den Nintau hat man sofort die pazifischen Südseevölker im Kopf, bei den Rakshun streng patriarchalische Steppenreiter – allein die Baha-Udin bleiben etwas blass. Auch was die gesellschaftliche Ordnung angeht, bleibt sie sehr konservativ. Dann aber unterläuft sie genau diese Klischees wieder mit Kleinigkeiten und demontiert, das Bild, das sie erst kurz vorher geschaffen hat. Das beginnt schon auf Nintau selbst.

So geht es nicht nur um die Selbstfindung der anfangs noch sehr unsicheren und in ihrem Amt unglücklichen Heldin, sondern auch um Wahrheit und Lüge. Denn schon bald fragt sich nicht nur Noelani: Stimmen wirklich alle Überlieferungen? Oder schreibt die Geschichte nicht viel mehr der Sieger und sorgt dafür, dass seine Sicht zur Wahrheit wird. Die Prüfungen auf der Insel helfen ihr dabei, später das Netz aus Unwahrheiten zu erkennen, dass sich auf dem Festland entwickelt hat. Und sie ist nicht die einzige, denn auch unter den Baha-Udin gibt es einige, die dazu bereit sind, ihre Meinung zu ändern.

Deshalb sollte man als Leser auch nicht erwarten, dass die Auflösung der Konflikte episch und melodramatisch werden, tatsächlich wirkt das ganze eher unspektakulär und hinterlässt einen bitteren Geschmack, auch wenn es sehr interessant und glaubwürdig aufgebaut ist. Wer also ein Happy End auf der ganzen Linie erwartet, wird eher enttäuscht.

Das aber passt auch sehr gut zu dem Stil der Autorin. Sie verzichtet zwar weitestgehend auf Schlachtenschilderungen und Kämpfe spart, so beschreibt aber dennoch Gewalt und Grausamkeiten, wenn es für den Kontext notwendig ist.

 

Alles in allem ist „Kristall der Macht“ wesentlich komplexer und reifer, als man es auf den ersten Blick erwartet. Denn statt sich ganz auf eine episch-melodramatische, vielleicht auch romantische Handlung zu konzentrieren, wagt Monika Felten es immer wieder Klischees zu durchbrechen und der Geschichte durch Reflektionen und überraschenden Entwicklungen Tiefe zu geben.

Eure Meinung:


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Kristall der Macht

Autorin: Monika Felten

Piper, erschienen September 2010

gebunden, 412 Seiten

Titelbild von Guter Punkt, Motiv von shutterstock

ISBN-10: 3492701493

ISBN-13: 978-3492701495

erhältlich bei: Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 12.12.2010, zuletzt aktualisiert: 02.05.2020 13:26