Kushiel - Das Zeichen (Autorin: Jacqueline Carey; Kushiel-Trilogie Bd. 1)
 
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Kushiel - Das Zeichen von Jacqueline Carey

Reihe: Erste Kushiel Trilogie Band 1

Rezension von Christel Scheja

 

Vor zwanzig Jahren und mehr brachte Tanith Lee durch ihre Romane um die „Herrin des Vulkans“ und die „Chroniken der Flachen Erde“ eine neue Spielart in die Fantasy ein: die Verbindung von Magie, Abenteuer und handfester Erotik.

Zwar versteckte sie die Schilderung von Liebkosungen und Akt noch hinter blumigen Umschreibungen, machte das Thema Leidenschaft und Lust trotzdem zu einem der wichtigsten Inhalte ihrer Romane.

Sie war nur die Vorreiterin einer ganzen Welle von Romanen mit Sex-Szenen. Die flaute zwar schnell wieder ab, wurde aber in den letzten fünf Jahren durch die Dark Fantasy Autorinnen wiederbelebt. Zumeist wussten jene, die auch leidenschaftliche Liebesromane für den Romantik-Markt geschrieben hatten, sehr schnell eines: „Sex sells“. Auch und gerade deftige Erotik von und für Frauen.

 

„Kushiel“ ist eine jener Trilogien, die auf dem amerikanischen Markt Erfolge feierten, hier aber nicht einmal Fuß fassen konnten. Im Jahr 2003 wurden zwei Drittel des Buches vom Knaur-Verlag heraus gegeben, das letzte Drittel erschien aufgrund schlechter Verkaufszahlen nicht mehr.

Nun, gut vier Jahre später scheint der Markt günstiger gestimmt zu sein, da die Romane von Anne Bishop, die in die gleiche Richtung gehen, von den Lesern dankbar angenommen wurden. Deshalb gibt nun ein neuer Verlag die Reihe als großformatige Paperbacks heraus und verzichtet auf eine Teilung.

 

Jacqueline Carey erzählt die Geschichte der jungen Phedre. Sie ist eine „Anguisette“, eine jeder wenige Frauen, die vor allem durch Schmerz Lust und Leidenschaft empfinden können. Gezeichnet mit „Kushiels Pfeil“ ist sie für eine Laufbahn als Kurtisane und Liebesdienerin ausersehen, die sie bis an den Hof von Terre d’Ange führen wird. „Das Zeichen“, der erste Roman der „Kushiel“-Trilogie ist ihrer Jugend und den ersten Abenteuern zwischen Gewalt und Intrigen gewidmet.

Das Königreich Terre d’Ange ist vom Glück gesegnet. In einer Zeit des Friedens können sich die einer Verbindung zwischen Göttern und Sterblichen entstammenden Menschen frei ihren Gelüsten widmen und vor allem der Adel frönt dem Grundsatz: „Liebe wie du willst“. Dementsprechend viele Huren und Kurtisanen gibt es, die Liebesdienerschaft ist ein anderkannter und offen praktizierter Beruf, in dem man in speziell dafür ausgerichteten Häusern ausgebildet werden kann.

Auch die junge Phedre ist für einen solchen Dienst ausersehen. Zwar erwartet das uneheliche Balg einer Hure zunächst ein eher mäßiges Schicksal, dann aber erkennt der Adlige Anafiel Delauney ihren Wert und erwirbt ihren Kontrakt, um sie auf spezielle Art und Weise ausbilden zu lassen. Denn es kommt nicht oft vor, dass ein Mädchen an Schmerz Lust empfinden und damit auch zum Spielball dunklerer Leidenschaften werden kann.

Dazu ist Phedre auch noch klug und aufgeweckt, behält vieles von dem, was sie in den Stunden der Lust mitbekommt.

Nach Jahren der Ausbildung beginnt Phedre ihren Dienst als „anguisette“. Schon bald ist sie bei den Adligen sehr beliebt und gelangt so an den königlichen Hof von Terre d‘ Ange. Dort merkt sie, dass hinter all dem Prunk und Glanz nicht alles eitel Sonnenschein ist, sondern eher eine Schlangengrube auf sie lauert, die sie sehr schnell umbringen kann. Denn wer trauert schon einer Kurtisane nach?

Phedre hält die Augen offen und erkennt schon bald, in welche Richtung das Spinnennetz aus Intrigen und Verrat führt. Sie gewinnt Freunde und leider auch sehr mächtige Feinde. Aber das hindert sie schließlich nicht daran, etwas zu unternehmen, als eine Verschwörung droht das Königshaus zu stürzen und den räuberischen Nachbarn aus dem östlich gelegenen Skaldia Tür und Tor zu öffnen. Den gerade ihre Erzfeindin Melisande Sharizai scheint der Mittelpunkt all dieser Intrigen zu sein...

 

Opulent und weitschweifig, mit einer Vielzahl von Personen und dem Hauptaugenmerk auf den zwischenmenschlichen Beziehungen erzählt Jacqueline Carey ihre Geschichte, die in einem alternativen Europa, irgendwo zwischen Renaissance und Barock angesiedelt ist und wie viele historische Romane aus diesen Epochen vor allem in der Adelsschicht spielt. Ähnlich dekadent geht es auch in Terre d’Ange zu.

Ein von Leidenschaft vernebelter Verstand ist die stärkste Triebfeder der Helden und Schurken und Ausgangspunkt ihrer Motivation. Doch nicht immer äußert sich das in der Ausübung von lustvollen Spielen aller Richtungen. Zwar gibt es gerade in der ersten Hälfte des Buches zahlreiche erotische Szenen, diese nehmen aber im Verlauf des Buches aber sprunghaft ab und machen einer sehr klassischen Handlung voller höfischer Intrigen und Fallen Platz.

Dabei benutzt die Autorin durchweg ein Vokabular, das in den sinnlichen Liebesromanen für Frauen üblich ist - nicht zu derb und vulgär, aber auch nicht so verharmlost und romantisch. Sie spielt immer wieder mit der erotischen Phantasie ihrer Leser und lässt keine Wünsche in den Beschreibungen offen.

Phedre nimmt dabei alles ruhig hin. Sie hat kein Problem damit, sich voll und ganz den Willen ihrer Freier zu unterwerfen und sich demütige zu lassen, das ist Teil ihres ambivalenten Charakters, der auf der anderen Seite sehr willensstark und stolz ist. Das mag ein Frauenbild sein, wie es sich scheinbar nur Männer wünschen, das aber auch in den Liebesromanen für Frauen sehr oft zu finden ist.

Action ist zwar auch in dem Buch vorhanden, spielt aber eher eine untergeordnete Rolle. Es überwiegen Beschreibungen der Kultur und des Lebens in Terre d’Ange und seitenlange Dialoge. Die Interaktion der Figuren untereinander bestimmt die Spannung des Buches, Intrigen und verbale Fallen ersetzen weitestgehend Kämpfe und Schlachten.

Leider führt das auch dazu, das hin und wieder - gerade im Mittelteil des Romans - Längen auftreten, die man einfach überlesen muss und die Geduld eines actiongewohnten Lesers eher überstrapazieren dürfte.

 

Im Prinzip wendet sich „Das Zeichen“ aus der „Kushiel“-Trilogie vor allem an die Leserinnen, die sinnliche und leidenschaftliche Liebesromane vor einer exotischen und opulenten Kulisse mögen und auch einem kleinen phantastischen Aspekt nicht abgeneigt sind. Denn auch wenn verschiedene Dinge anders heißen. Kulturen und Religionen ein wenig verbrämt sind, so sind die historischen Vorlagen doch sehr leicht zu erkennen, fremde Magie und Rassen spielen keine oder so gut wie keine Rolle, und man hat es so leicht, das Vertraute schnell wieder zu finden.

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20240720050323ed90401b
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Kushiel - Das Zeichen

Reihe: Kushiel Band 1

Autor: Jacqueline Carey

Egmont-Lyx, September 2007

broschiert, 953 Seiten

ISBN-10: 3802581202

ISBN-13: 978-3802581205

Übersetzung aus dem amerikanischen Englisch von Ann Lecker

Titelbild von Anke Koopmann, Karte von Erhard Ringer

 

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 17.10.2007, zuletzt aktualisiert: 08.06.2024 14:45, 5086