Kushiel - Der Verrat (Autorin: Jacqueline Carey; Kushiel-Trilogie Bd. 2)
 
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Kushiel - Der Verrat von Jacqueline Carey

Reihe:Kushiel Trilogie Band 2

Rezension von Christel Scheja

 

Sex ist ebenso wie Action ein fester Bestandteil der Fantasy. Allerdings wurde die „schönste Nebensache der Welt“ meistens kurz und klinisch aus männlicher Sicht betrachtet, Frauen kamen bei den Schilderungen von Lust und Leidenschaft meistens zu kurz. Erst Autorinnen wie Tanith Lee änderten dieses Bild. Sie machten Erotik zu einer neuen Spielart in die Fantasy und verbanden sie spielerisch mit Abenteuer und Magie. Dabei legten sie mehr Wert auf die Beschreibung der Gefühle und versteckten den eigentlichen Akt hinter blumigen Umschreibungen.

Zwar schlief diese Bewegung in den 1990ger Jahren kurzfristig ein, wurde aber von den Dark Fantasy Autorinnen, die zumeist auch Erfahrung im Schreiben von Liebesromanen gesammelt hatten, wieder neu belebt.

Zu ihnen gehört auch Jacqueline Carey. Nach einem Fehlstart im Jahre 2003 durch den Knaur Verlag, erscheint der „Kushiel“-Zyklus nun vollständig bei Egmont Lyx. Man verzichtet darauf, die Romane zu teilen und bietet sie in großformatigen und gewichtigen Paperbacks an.

 

Phedre ist eine „Anguisette“, eine jeder wenige Frauen, die vor allem durch Schmerz Lust und Leidenschaft empfinden können. Gezeichnet mit „Kushiels Pfeil“ ist sie nach jahrelanger sorgfältiger Ausbildung für eine Laufbahn als Kurtisane und Liebesdienerin bestimmt, doch es soll anders kommen.

An der Seite des Adligen Anafiel Delauney kommt sie an den Hof von Terre d‘ Ange und gerät dort mitten in ein Nest aus Lügen, Verrat und Betrug. die ebenso schöne und faszinierende wie intrigante Melisande Sharizai arbeitet mit all ihren Kräften und Verbündeten daran, die amtierende Königin Ysande zu stürzen und sich selbst an die Spitze des Reiches zu setzen. Dafür verbünden sie sich sogar mit dem Erzfeind.

Phedre und Anafiel gelingt es, die Intrige aufzudecken und das Schlimmste zu verhindern, sie bezahlen dafür aber einen sehr hohen Preis.

Zum Dank für ihre Dienste wird Phedre freigelassen in den Adelsstand erhoben und erbt die Hinterlassenschaften von Anafiel Delauney. Doch auch jetzt kann und will sie nicht ruhen. Zum einen weiß sie, dass Melisande Sharizai nur entkommen ist, und irgendwo auf eine neue Chance lauert, Terre d’Ange zu schaden, zum anderen macht sie sich Sorgen um einen anderen Freund, denn Hyacinte, der Prinz des fahrenden Volkes hat sich in die Gefangenschaft der Feinde begeben, um dem Gemahl von Königin Ysande und ihren Truppen die Überfahrt zu ermöglichen.

Da sie die Grenzen nun sicher weiß, weil die Angreifer aus dem kriegerischen Skadia zurück geschlagen wurden und sich erst einmal ihre Wunden lecken müssen, zieht Phedre zusammen mit ihrem Geliebten Joscelin und einigen anderen treuen Kämpfern los, um nach dem Freund zu suchen und ihn gegebenenfalls aus der Gefangenschaft zu befreien. Dabei kommen sie auch in das sinnenfreudige La Serenissima. Doch in der Stadt des Dogen erlebt sie eine mehr als unangenehme Überraschung...

 

Jacqueline Carey siedelt ihren Kushiel-Zyklus irgendwo in einem alternativen Europa zwischen Renaissance und Barock an. Allerdings existiert das Christentum nur als eine Sekte unter vielen und die Götter haben auf eine stille Art und Weise Einfluss auf das Leben der Menschen.

Ähnlich opulent und weitschweifig mit einer Vielzahl von Personen und dem Hauptaugenmerk auf den zwischenmenschlichen Beziehungen wie im ersten Band „Das Zeichen“, gestaltet sich auch die Handlung in „Der Verrat“, allerdings zieht sich sich nicht mehr ganz so in die Länge. Erotische Szenen und sadomasochistische Praktiken werden nur noch sehr sparsam eingesetzt, Phedre ist sich zwar ihres Körpers und ihrer Ausstrahlung bewusst, arbeitet nun aber weniger mit vollem Körpereinsatz als ihrem Verstand.

Im Vordergrund stehen tatsächlich überwiegend die höfischen Intrigen und politisches Ränkespiel, garniert mit ein wenig mystischem Brimborium, der sich auf die Götter bezieht. Dabei werden jetzt nicht mehr nur Wortgefechte geführt, es kommt auch zu actionreichen Kämpfen und gefahrvollen Situationen, die es für die Protagonisten in sich haben und manchmal auch tödlich enden.

Was am Anfang noch Ähnlichkeit mit einem Liebesroman aus höfischen Kreisen hat, in dem nichts wichtiger als das Aussehen zu sein scheint, gestaltet sich bald zu einem spannenden Kräftemessen zwischen den einzelnen Parteien, das durchaus mit anderen Fantasy-Romanen mithalten kann.

Dennoch ist „Der Verrat“ weiterhin nicht spannend genug für Leser, die ein kurzweiliges Abenteuer mit klar gezeichneten Figuren und ohne viel Drumherum mögen. Man muss das leidenschaftliche Schwelgen in Beschreibungen und Dialogen schon mögen, um wirklich zufrieden zu sein.

 

Deshalb wendet sich der zweite Band des „Kushiel“-Zyklus vor allem an Leserinnen, die eine leidenschaftliche Geschichte mit viel Liebe und Intrigen und ein wenig Magie mögen und nicht unbedingt nach exotischen Schauplätzen oder Gestalten suchen, sondern auch mit einem stark historisch angehauchten Hintergrund zufrieden sind.

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20240713010431ba770bb2
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Kushiel - Der Verrat

Reihe: Kushiel, Bd. 2

Autorin: Jaqueline Carey

Broschiert - 859 Seiten

Lyx (Egmont Verlagsgesellschaften), Köln, erschienen März 2008

ISBN: 978-3-8025-8121-2

Übersetzung aus dem amerikanischen Englisch von Wolfgang Thon

Titelbild von Anke Koopmann., Karte von Erhard Ringer

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 02.04.2008, zuletzt aktualisiert: 08.06.2024 14:45, 6222