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Lauros - Die Heimkehr des träumenden Gottes von Michael Sagenhorn

Rezension von Christel Scheja

 

Warum sind jugendliche Helden immer vierzehn Jahre alt und nicht dreizehn, fünfzehn oder sechzehn? Was macht gerade dieses Alter so besonders? Leider beantwortet auch Michael Sagenhorn dieses Mirakel nicht, sondern widmet sich den Abenteuern seines jugendlichen Helden Raul Schein, dessen vertraute Welt langsam aber sicher zerbricht und ein Geheimnis enthüllt, mit dem er gar nicht gerechnet hat.

 

Schon seit einer ganzen Weile hat der Junge seltsame Träume. Mal helfen sie ihm eine Klassenarbeit besser zu bewältigen als gedacht, ein anderes Mal unternimmt er weite Reisen, schließlich entführen sie ihn in einen dunklen Kerker, in dem er in schwere Ketten gefesselt, die Folter erwartet. Und was noch unbegreiflicher ist – er scheint das mit ihm gefangene Mädchen Animera zu kennen.

Raul wird immer launischer und nimmt bei einem Schulausflug nach einem Streit mit seinen Lehrer sogar unerlaubterweise Reißaus. Doch damit überstürzen sich die Ereignisse. Schulkameraden, die er für Freunde gehalten hat, erweisen sich als Monster und Slim, ein Fremder tritt in sein Leben, der ihn mit nach Syrill, das Land der Götter nimmt, das der irdischen Welt gar nicht so unähnlich ist. Dort enthüllt er Raul, dass er selbst ein Unsterblicher sei – Lauros der Traumgott.

Schnell merkt der Junge, dass er nicht willkommen ist. Man betrachtet ihn mit Argwohn, einige der Götter fürchten ihn regelrecht und andere scheinen ihn töten zu wollen, weil er gefährlich sei. Niemand will ihm erklären warum, nicht einmal Animera.

So ist Raul auf sich allein gestellt. Als er akzeptiert, was er ist, und damit seine Erinnerungen nach und nach wiederkehren, versteht er endlich auch, warum man ihm so viel Abscheu entgegen bringt. Doch hat er nicht noch eine Chance verdient? Wie die Eine, die er sich genommen hat, als er seine göttliche Existenz aufgab und zu einem Menschen wurde?

 

Michael Sagenhorn variiert die Geschichte des Vierzehnjährigen, der in eine Fantasywelt gerät, um dort das Schicksal zum Guten oder Bösen zu wenden auf interessante Art und Weise. Der Beginn ist zwar klassisch, die Abenteuer, die Raul in Syrill erlebt, weichen aber deutlich vom Üblichen ab. Er ist kein Unbekannter, der sich erst beweisen muss – sondern muss sich erst selbst entdecken um zu verstehen, warum man ihm so feindselig gegenüber steht. Er kämpft gegen Vorurteile, Fehleinschätzungen und fast unüberwindbare Feindseligkeit, nicht unbedingt nur gegen das Böse. Es ist nun an ihm Stärke zu zeigen, um nicht der Finsternis zu verfallen, in die man ihn drängen will.

Michael Sagenhorns Debüt kann sich sehen lassen. Sowohl das selbst gestaltete Titelbild kann überzeigen als auch der Inhalt. Er bewegt sich stilistisch auf einem sehr hohen Niveau, erzählt lebendig, bildhaft aber nicht zu weitschweifig, wie Raul langsam zu Lauros wird und sich entsprechend verändert – ohne sich jedoch zu verlieren.

Geschickt sind Gegenwart und Erinnerungen ineinander verwoben und beeinflussen sich gegenseitig, denn je mehr der Junge über sich weiß, desto besser kann er auf das reagieren mit dem man ihn konfrontiert. Das macht die Spannung des Romans aus, in dem Probleme nicht unbedingt mit Gewalt gelöst werden, sondern durch Entwicklungen und Entscheidungen gelöst werden.

 

Das macht „Lauros“ zu einem gelungenen Erstlingswerk, das Unterhaltung und Anspruch in einer lebendigen Geschichte verbindet und sowohl für junge als auch erfahrene Leser interessante Facetten eines vertrauten Themas bietet.

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Lauros

Autor: Michael Sagenhorn

Broschiert, 164 Seiten

Book on Demand, Norderstedt, erschienen November 2006

ISBN: 3-8334-5539-X

Titelbild von Michael Sagenhorn

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 05.12.2006, zuletzt aktualisiert: 16.02.2020 11:29