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Leo der kleine Löwenkönig - Gesamtausgabe

Filmkritik von Christel Scheja

 

Rezension:

 

Eine Serie, die Generationen begeisterte bleibt nicht nur eine Eintagsfliege, sondern bringt die Macher oft genug dazu, die Vorlage noch einmal neu zu interpretieren im Osten wie im Westen. So geschah es auch bei Osamu Tetsukas Klassiker, der in der westlichen Welt nur als „Kimba“ bekannt ist.

Während man im Jahr 1965 noch sehr stark an die Vorgaben des amerikanischen Geldgebers gebunden war, weil von der Vermarktung in den USA sehr viel abhing konnte das Studio Tezuka Productions im Jahr 1989 den Manga nach eigenen Vorstellungen umzusetzen und neue Schwerpunkte in der 52-teiligen Animeserie zu setzen.

„Leo der kleine Löwenkönig“ wurde in mehrere Sprachen übersetzt und lief in Deutschland um die Jahrtausendwende im Bezahlsender „Junior“. Nipponart präsentiert nun die gesamte Serie, wenn auch ohne japanische Tonspur in einem ansprechend aufbereiteten Digipack und macht die neue Saga damit einer größeren Zuschauerschaft zugänglich.


Noch vor seiner Geburt wird Leos Vater Panja getötet und seine Mutter Eliza entführt. Die Löwin bringt den kleinen Löwen auf einem Schiff zur Welt und ermuntert ihn, kaum dass er stark genug ist, zu fliehen. Schweren Herzens wagt der kleine Leo diesen Schritt und treibt tagelang auf dem Meer, bis er von anderen gefunden und dem Wissenschaftler Ban und seinem Neffen Ken-Ichi übergeben wird.

Diese bringen ihn in einem Zoo unter, sehen aber irgendwann ein, dass Leo zurück nach Afrika gehört, wenn auch in einen Safari-Park. Doch von dort aus gelingt dem Weißen Löwen endlich die Flucht und er kann sich endlich auf den Weg in die Heimat machen.

Dabei findet er viele Freunde, erfährt aber auch, dass einige Feinde es noch nicht aufgegeben haben, ihn zu verfolgen und neue dazu kommen, die ihm aus den unterschiedlichsten Gründen an Leib und Leben wollen.

Denn auch wenn Panjas Wald eine Oase des Friedens sein soll, beschützt und behütet von Leos Familie, so gibt es doch Rivalen, die ihm seine Position streitig machen und Tiere, die ihn zunächst nicht akzeptieren wollen.

Doch der kleine weiße Löwe schafft es mit Beharrlichkeit und Diplomatie, gelegentlich auch durch Rangkämpfe, die Position zu erringen, die schon sein Vater inne hatte. Er erfährt mehr über die Vergangenheit seiner Familie, als er einer Tante begegnet und verliebt sich in ein Löwenmädchen, das bei dieser lebt.

Doch seine größte Sorge gehört dem Wals und den daran lebenden Tieren, die immer wieder bedroht werden. Jäger und Spekulanten unter den Menschen wollen das unberührte Land an sich bringen, aber gelegentlich kommen auch fremde Tiere, die noch immer nach dem Gesetz des Stärkeren handeln und keine Gnade kennen …


Nicht nur die Technik hat sich weiter entwickelt, auch die Art des Geschichtenerzählens. Das merkt man an der zweiten Serie, die zwar den Look und die Niedlichkeit von „Kimba“ aus dem Jahr 1965 besitzt, aber dennoch andere Schwerpunkte setzt. Der kleine weiße Löwe mag zwar in der Animation wie ein Kätzchen wirken, ist aber vom Verhalten her schon eher ein Jugendlicher, die Abenteuer beschreiben so mehr oder weniger seinen langen Weg zum Erwachsenwerden.

Zudem durchzieht die gesamte Serie ein dünner roter Faden. Irgendwann in den ersten zehn Folgen kommt Leo in Berührung mit der „Großen Mutter“ und einer Prophezeiung, die bis zum Ende wie ein Schatten über der Serie liegen wird. Denn was ist die „Große Bedrohung“, die seine Welt zerstören wird, wenn er nicht aufpasst? Und wie kann er ihr am Besten begegnen? Mit Kampf allein ist es sicherlich nicht getan.

Sind es die Menschen, die als Jäger und Spekulanten den Tieren und dem Wald immer wieder Schaden zufügen? Streitigkeiten unter den Tieren oder gar Naturgewalten? Die Episoden behandeln verschiedene Aspekte davon, die meisten in ein oder zwei Folgen gelöst sind, aber die Anspannung bleibt, da immer wieder darauf hingewiesen wird, dass dies nicht die letzte Sorge ist, die Leo haben wird.

Es gibt einiges an wiederkehrenden Figuren. Nicht nur Ken-ichi und Ban sind mehrfach zu sehen und vertiefen die Freundschaft zu Leo, unterstützen ihn in seinem Bestreben, Panjas Wald und die Tiere zu unterstützten, auch andere wie die weiße Löwin Leona, die die alte Tradition der Familie weiter führt, sind mehrfach mit von der Partie. Oder neben Tieren aus seinem Freundeskreis auch der weise alte Stammvater einer Löwenfamilie, der in der Folge zu Leos Mentor wird.

Bei den Feinden sieht es ähnlich aus. Einige Söldner haben mehrfach Auftritten genau so wie bestimmte Jäger mit denen Leo im Grunde auch noch eine Rechnung offen hat. Und das alles bestimmt auch die durchlaufenden Themen.

Auch wenn die einzelnen Folgen oder Zweiteiler in sich geschlossen sind, so merkt man doch, das am Ende alles auf den großen Showdown zusteuert, in dem Leo beweisen muss das sein bisheriges Verhalten Früchte getragen hat. Es bleibt kein Problem, Episoden auszulassen, denn alles Notwendige wird zeitnah erzählt.

Die Serie ist zwar auf junge Zuschauer zwischen vier und zehn Jahren ausgerichtet, dennoch werden Grausamkeit und Tod nicht ganz ausgeklammert, und selbst der junge Held ist gelegentlich einmal dazu gezwungen – ganz so wie es das Gesetz des Dschungels vorschreibt, jemanden zu töten, wenn auch meistens aus guten Gründen. Aber all das ist so gehalten, dass Kindergartenkinder und Grundschüler keine Probleme damit haben werden.

Die Abenteuer entsprechen von der Dynamik her auch mehr den modernen Sehgewohnheiten, auch die Rassen- und Völkerklischees hat man bewusst weggelassen, was bei der Serie aus den 1960-er Jahren noch etwas anders war. Hier und jetzt wiegt der Charakter schwerer als die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Volk.

Alles in allem kann sich die Serie sehen lassen, bietet sie doch auch heute noch interessante und abwechslungsreiche Abenteuer, die interessant aufeinander aufbauen, dennoch sehr viele Facetten des Dschungels zeigen, ab und zu auch einmal ins Phantastische abgleiten, wenn es den kleinen Löwen etwa in eine „verlorene Welt“ verschlägt.

Sogar leise Kritik am Raubbau der Ressourcen und die Umweltzerstörung, die Europäer und Einheimische in Afrika treiben ist zu erkennen, was vermutlich der damals sehr starken Öko-Bewegung geschuldet ist.

Alles in allem bleibt die Serie aber Unterhaltung für Kinder, die all das zusammenbringt, was Jungen und vielleicht auch einige Mädchen im Alter zwischen vier und zehn Jahren begeistert: spannende Abenteuer, coole Tiere, schräge Charaktere und auch ein paar magische Momente.

Bild und Ton sind auf der Höhe der damaligen Zeit, allerdings wurde keine japanische Tonspur mitgeliefert, warum auch immer. An weiteren Extras findet sich nur ein Poster, wobei gerade hier ein Booklet sicherlich interessant gewesen wäre.



Fazit:


„Leo der kleine Löwenkönig“ ist die Neuauflage eines Klassikers, die vielleicht viele gleiche Abenteuer erzählt, aber dennoch ganz andere Schwerpunkte setzt, eine wesentlich modernere und erwachsenere Erzählweise pflegt und sogar eine durchgehende Geschichte erzählt, wenn man genau hinschaut.

Gemeinsam mit der alten „Kimba“-Serie ist aber die Konzentration auf die vielen Tiere des Dschungels und ihre Probleme beim Zusammenleben, der Umgang und Kampf gegen die Menschen, die ihnen übles wollen und die lustigen Momente, die vor allem von den schrägen Sidekicks getragen werden.

Zudem wird mit der Gesamtbox die Serie wohl erstmals seit langem auch wieder einem größeren Publikum zugänglich gemacht.


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DVD:

Leo der kleine Löwenkönig - Gesamtausgabe

Regisseur(e): Miike Takashi, Rintaro Takashi Ui

Vorlage: Osamu Tetsuka

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0)

Bildseitenformat: 4:3 – 1.33:1, RC 2

Anzahl Disks: 10

FSK: Freigegeben ab 6 Jahren

Studio: Nipponart (AV Visionen)

Erscheinungstermin: 27. Juli 2018

Produktionsjahr: 1989

Spieldauer: 1300 Minuten

ASIN: B079P9BZ7S

 

Erhältlich bei: Amazon

 

 


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Erstellt: 29.07.2018, zuletzt aktualisiert: 29.07.2018 15:38