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Lesung von Marko Kloos am 19.06.2015 im Otherland

Bericht von Ralf Steinberg

Marko Kloos in Kreuzberg
Marko Kloos in Kreuzberg

Marko Kloos stammt aus dem Münsterland und lebt seit zwanzig Jahren in den USA. Er blieb der Liebe wegen und hat inzwischen auch einen US-amerikanischen Pass.

 

Seine Frontlines-Serie wurde ein überraschender eBook Erfolg, nachdem kein Verlag den ersten Band drucken wollte, brachte Marko ihn nach fünf Jahren erfolgloser Suche bei amazon selbst heraus.

 

Inzwischen erschien der Band auch bei Heyne und das ist ein perfekter Anlass, die beste Buchhandlung Berlins für eine Lesung zu besuchen.

Das Otherland stellte wieder Getränke, Bücher und jede Menge nette Worte. Simon Weinert fackelte aber nicht lange herum mit seiner Begrüßung, sondern übergab mit einem fröhlichen Lächeln an seinen Gast.

Der freundliche Gastgeber: Simon Weinert
Der freundliche Gastgeber: Simon Weinert
Hugo-Experte Hardy Kettlitz


Natürlich ließ sich auch Hardy Kettlitz es nicht nehmen, einen für den Hugo nominierten Autor in natura zu sehen und Fragen zum Rückzug der Nominierung zu stellen.

 

Doch vor den Fragen kommt die Pflicht. Marko las im Stehen aus der deutschen Ausgabe, übersetzt von Martin Gilbert, auch für ihn eine Premiere.

Aber nach Durchsicht der schwierigen Stellen, war Marko voll des Lobes für die gelungene Übersetzung. Inklusive der Weltraumklopperei in der Danksagung.


Marko Kloos liest aus Sterneninvasion
Marko Kloos liest aus Sterneninvasion
Q & A with Marko Kloos
Q & A with Marko Kloos

Der erste Roman, Terms of Enlistment entstand zunächst in seinen ersten Kapiteln als Arbeit für einen Workshop. Man musste sich dafür bewerben, aber die Deadline war nur noch eine Woche weg, und er hatte nichts. Da hat er zunächst Fantasy geschrieben, was ihm schon eine Weile im Kopf rumhing, und gab die 8000 Wörter seiner Frau.

»Maybe, you should send something else!«

 

Dann hat er eben mit der Military Science-Fiction angefangen. Das war für ihn auch eine wesentlich leichtere Zeit, weil ihm das Spaß gemacht hat. Die ersten Kapitel hat er sich quasi aus dem hohlen Zahn gezogen und wurden dann für den Workshop auch angenommen.

Einer der Instructor dort war Patrick Nielsen Hayden, der SF-Chefeinkäufer von Tor Books, eine nicht sehr kumpelhafte, freundliche Figur und gab ihm die welterste Kritik:

»It's very readable!« – ein extremes Lob. Am Ende sagte er dann »Send it to me, when it's done!«. »Okay!«

 

Strike!

 

Aber Hayden ist berühmt für seine Langsamkeit und das Buch ist dann auch nicht bei Tor gelandet. Aber er hat das Buch eben in vier Monaten rausgeballert, es gab nicht viel Research.

Jetzt, wo die Serie länger wird, muss er da natürlich einiges nachholen und abstimmen.

Aufrecht durchs Schlamassel
Aufrecht durchs Schlamassel

Ein großes Thema war fraglos der Hugo. George R. R. Martin war der Stichpunktgeber. Er fand das Buch gut, kein Starship Troopers oder Forever War, aber ein gutes Buch. Und anstatt sich Markos Bücher nach dem ganzen Hugo-Theater zu kaufen, solle er sich lieber hinsetzen und fertig schreiben. Auch unter Kollegen scheint man in den USA stets freundlich zueinander zu sein.

 

Was ist nun mit dem Hugo-Gate?

»Ich bin froh, dass ich da nicht mehr drin bin, in dem Schlamassel. Ich habe wesentlich mehr gute Presse bekommen vom Zurückziehen als wenn ich drin geblieben wäre. Ich wusste nicht, dass ich auf der Shortliste der Sad-Puppies und Rabbit-Puppies stand, als die ihr Blockvoting gemacht hatten. Nicht dass ich denke, meine Bücher sind schlecht, ich habe eine ziemlich hohe Meinung von ihnen, aber ich habe keine Illusionen, mit einigen aus unser Sparte kann ich nicht mithalten.

Es ist die höchste Ehre unseres Genres und da kommen nur fünf Bücher rein und dann habe ich rausgefunden, dass ich auf dieser Slate bin.«

 

Alles schon gebucht für den Worldcon, »und dann muss ich da kaltes Wasser über die Party gießen! Fünf Minuten, nachdem ich dies rausgefunden hatte, dass ich wohl nur auf der Shortlist stand, weil die da Blockvoting gemacht haben, habe ich dann eine eMail geschrieben an das Hugo-Komitee und meine Nominierung zurückgezogen.

Aber ich hab noch nicht send gedrückt, sondern erst meinem Verleger die eMail geschickt und hab ihm erklärt, dass wenn ich die Nominierung behalte, ich ihn nicht nur nicht gewinnen werde, sondern auch nie mehr für ihn nominiert werde. Mit diesen Leuten will ich nicht assoziiert sein.

 

Die haben mich dann angerufen und ich habe ihnen gesagt, dass es ihrem Verlagshaus mehr schadet, wenn ich da drinn bleibe, in der Kontroverse, als wenn ich mich zurückziehe. Und ich hab denen schon damals gesagt, wenn ich mich jetzt aus dem Schlamassel zurückziehe, dann wird das für mich bessere Presse geben, bessere Tantiemen, Good Will.«

Kauft sie alle – im Otherland
Kauft sie alle – im Otherland

Der Verlag stand hinter ihm und sie fliegen trotzdem nach Spokane.

 

Hardy hakte nach: »Wie sah die Antwort des Komitees aus?«

 

»Die hatten Verständnis dafür und sagten, Sorry, dass das dies Jahr so ein Schlamassel geworden ist und es sei verständlich. Die waren sehr nett. Ich hab denen ne Menge Arbeit bereitet. Ich war der Erste in der Geschichte des Hugos, der erste Nominierte, der nachdem die Nominierungen offiziell geworden sind, sich von der Nominierung zurückgezogen hat. Annie Bellet hat ihre Shortstory auch zurückgezogen, dass war auch das erste Mal, dass jemand seine Shortstory von der Liste zurückgezogen hat.«

 

Bei den Romanen kam dafür The Three Body Problem von Cixin Liu in der englischsprachigen Übersetzung von Ken Liu:

»Da bin ich sehr glücklich drüber, weil das ein tolles Buch ist. Das wird, schätze ich mal und mache die Voraussage, dass es es gewinnen wird. Da haben weder die Sad-Puppies noch die ganz normalen Science-Fiction Fans ein Problem damit, weil es aus einem ganz anderen Kulturkreis kommt. Da werden sich wohl beide Parteien einigen können. Das ist ein idealer Kompromisskandidat und es ist auch ein gutes Buch!«

Marko »kann jetzt nach Spokane gehen und Party machen, ohne dass ich krumm angeguckt werde!«

Er bekam viele positive eMails, sogar von Spider Robinson, der eigentlich niemandem schreibt und ihn unterstützt. Sein Freund John Scalzi schickte ihm eine teure Flasche Whiskey: »Ja, das sieht ja ungefähr wie nie Hugo-Rocket aus! Und im Nachhinein bin ich gar nicht traurig darüber.«

 

Jetzt sind in der wichtigsten Kategorie nur noch zwei vom Slate dabei und da ist sich Marko sicher, dass diese Romane nicht schlecht seien. Zum einen kennt er Jim Butcher und auch bei Kevin J. Anderson dürfte eine Nominierung passen, obwohl er das Buch nicht kennt.

»Es geht mir halt nur ums Prinzip, dass es unfair ist, dass durch das Slate-Voting eine kleine Anzahl der Wähler, wenn alle en masse dasselbe wählen, dann können die halt die anderen Wähler, die mehr so verstreut wählen, aus dem Rennen schieben. Und dann haben die richtig guten Romane, die rausgekommen sind, keine Chance.

 

Der Autor und der Übersetzer von »The Three Body Problem« werden auch in Spokane sein, und wir werden uns gegenseitig versuchen, bei der Hotelbar die Rechnung zu bezahlen!«


Widmung für Alle!
Widmung für Alle!

Nach diversen Fragen zum Buch durfte die obligatorische Signierrunde nicht fehlen, das Otherland war nicht voll, so dass Marko zügig fertig wurde und mit der Mannschaft des Ladens zum Griechen weiterzog.

 

Vielleicht wird er sein Geburtsland erobern und bei einem weiteren Besuch ist er dann schon kein Newcomer mehr, sondern auch bei uns ein Bestseller-Autor. Stoff für etwas ganz anderes hat er schon und auch wenn sein Verlag mit sechs Bänden noch lange nicht genug hat, Marko schon.

Frontlines werden dann erst einmal beendet sein.

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Eure Meinung:

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Buch:

Sterneninvasion

Reihe: Alien Wars 1

Autor: Marko Kloos

Übersetzer: Martin Gilbert

Original: Terms of Enlistment – Frontlines 1, 2014

Taschenbuch, 444 Seiten

Heyne Verlag, 15. Juni 2015

 

ISBN-10: 3453316738

ISBN-13: 978-3453316737

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B00QZEQKO0

 

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Erstellt: 21.06.2015, zuletzt aktualisiert: 15.09.2019 17:26