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Machete (BR; Horror; FSK 18)

Rezension von Torsten Scheib

 

Rezension:

Manche Dinge sind einfach zu schön, um jemals wahr zu werden: H. P. Lovecrafts Berge des Wahnsinns, verfilmt von Guillermo del Toro? Der Traum scheint seit kurzem wohl endgültig geplatzt zu sein. Superman vs. Batman? Stephen Kings Der dunkle Turm? Die Liste ist lang – und quälend schmerzvoll, wenngleich das eine oder andere, scheinbar unverfilmbare Projekt mittlerweile durchaus realisiert wurde (Herr der Ringe).

Zwangsläufig muss diese Aufzählung zur »Grindhouse«-Duologie aus dem Jahre 2007 führen; jener kultischen Verneigung vor den Exploitation-Streifen der 70er und frühen 80er Jahre, ausgeführt von den beiden Film-Wunderkindern und –Outlaws Robert Rodriguez und Quentin Tarantino. Neben Splatter und Unmengen von verbeultem Chrom innerhalb der beiden Hauptfilme konnten es die beiden Männer einfach nicht lassen, ihre Doppel-Vorstellung zusätzlich mit herrlich (bewusst) miesen Werbespots sowie mehreren Fake-Trailern zu garnieren, um das Bahnhofskinoerlebnis von einst auch hundertprozentig überzeugend zu rekonstruieren. Unter besagten Trailern befand sich mit Machete auch ein Betrag von Rodriguez höchstselbst; ein fast dreiminütiger Ritt voller Gewalt, politischer Inkorrektheiten, Intrigen, nackter Haut – und Kult-Hackfresse Danny Trejo. »Badass« wird so etwas im englischsprachigen Raum genannt. Aber die Chance auf einen abendfüllenden Film? Selbst wenn der Name Robert Rodriguez mittlerweile so manche Tür öffnen kann, dürfte sie wohl gen Null pendeln. Dann lieber das nächste dreistellige Projekt mit aalglatter Beschaffenheit und dem Nährwert eines ranzigen Burgers.

 

Doch manchmal geschehen eben doch Zeichen und Wunder. Die Begeisterung und Vorfreude bei den Freunden der gepflegten B-Movie-Schmuddeleien auf Höchstniveau war daher auch verständlicherweise grenzenlos, nachdem Rodriguez auf der 2008er Comic-Con in San Diego die offizielle Produktion von »Machete« bestätigte. So weit, so gut. Doch es kam noch besser. Spätestens nach Verkündigung der Besetzung musste man sich einfach die Augen reiben, denn solch eine wilde Mischung hatte es schon lange nicht mehr gegeben; treiben sich neben den B-Movie-Legenden Trejo und Steven Seagal ferner erprobte Heroinen vom Schlage Jessica Alba und Michelle Rodríguez herum. Und Skandalnudel Lindsay Lohan. Und Miami Vice-Recke Don Johnson. Und … Robert De Niro. Um nur einige zu nennen.

 

Dreh- und Angelpunkt bleibt aber Danny Trejo respektive dessen Alter Ego Machete Cortez. Dieser war einst ein mexikanischer »Federale« (Bundespolizist) von geradezu legendärem Status. Ein knallharter Verteidiger für Recht und Ordnung, der anstelle von Handfeuerwaffen lieber auf sein scharfes Buschmesser setzt. Bis die Rettung eines entführten Mädchens in einem Fiasko endet, bei dem neben Machetes Partner ferner dessen Frau und Tochter ermordet werden – durch den gefühllosen Drogenbaron Rogelio Torrez (Steven Seagal), der seine Nemesis schließlich den Flammen überlässt. Doch Machete kann der Feuerhölle entkommen.

Jahre später: Aus dem energischen Federale ist abgerissener Tagelöhner geworden, der sich mit lausigen Jobs herumschlägt – bis der zwielichtige Michael Booth (Jeff Fahey) auf Machetes markantes Profil aufmerksam wird und ihm einen ganz besonderen Auftrag anbietet: 150.000 US-Dollar, wenn er den mit rassistischen Sprüchen um sich werfenden texanischen Senator John McLaughlin (Robert De Niro) ermordet, der ein hartes Vorgehen gegen illegale mexikanische Einwanderer fordert und dafür sogar gelegentlich auch schon mal selbst zum Gewehr greift. Da ihm Booth keine besonders große Wahl lässt, willigt er ein. Wenige Tage später ist es so weit. Während McLaughlin bei einer öffentlichen Versammlung die nächste Ladung Hasstiraden auf die versammelten Zuhörer wirft, bringt Machete sich und sein Gewehr auf dem Dach eines nächstgelegenen Hochhauses in Position. Doch kommt es anders: Ein zweiter Schütze schießt dem Senator ins Bein und Machete über den Haufen, dem es zu spät dämmert, dass er Teil eines sorgsam geprägten Komplotts werden soll, welches ihn zum Sündenbock abstempeln und McLaughlin zum Wahlsieger machen soll, der danach ungehindert Geschäfte mit keinem Geringeren als Torrez durchführen kann.

 

Allerdings kann Machete entkommen. Mit Hilfe des so genannten »Netzwerks«, die von der geheimnisvollen »Shè« (Michelle Rodríguez) angeführt wird, startet Machete einen gleichermaßen blutigen wie gnadenlosen Rachefeldzug gegen McLaughlin und seine Schergen, darunter auch der skrupellose Grenzwächter Von Jackson (Don Johnson), dem eine ganze Privatarmee unterstellt ist …

 

Es dürften weniger die buchstäblich nackten Tatsachen oder der in schwindelerregende Höhen ansteigende Bodycount des Films gewesen sein, der so manchen erzkonservativen Kinogänger in den Staaten erzürnt hat – die unbeschönigte Andeutung auf den brutalen Grenzkrieg zwischen Texas und Mexiko dagegen wohl eher. Und dafür muss man zweifelsohne vor Rodriguez den Hut ziehen, dass er anstelle einer grundsätzlich sinnlosen Action- und Gewaltorgie ein brandheißes Thema anspricht, bei dem sich so mancher eben doch ziemlich auf den Schlips getreten fühlt. Cojones sagen seine mexikanischen Landsleute wohl dazu. Doch die beweist er auch was die anderen Bereiche anbelangt: Over-the-Top-Action, Coolness, dass der Blu Ray-Player Frostbeulen kriegt und jede Menge blutrot eingefärbter Derbheiten. »Machete« ist schlichtweg ein feuchter Traum für alle, denen die austauschbare Blockbuster-Massenware längst zu den Ohren rauskommt. Wem das Ganze dann aber doch einfach zu cartoonhaft vorkommen sollte, der hat schlicht und ergreifend nicht den Sinn verstanden. Nein, »Machete« ist nichts und niemand heilig, völlig gleich ob es sich dabei um Drogenengel im Nonnenoutfit handelt (eine Rolle, bei der sich Frau Lohan wohl nicht allzu schwer verstellen musste), Darmschlingen als Fluchthilfe oder einen völlig durchgeknallten De Niro, der es sichtlich genossen haben musste, ungeniert auf die Kacke hauen zu dürften – eine Aussage, die man übrigens auch auf die anderen Schauspieler übertragen kann. Einfach herrlich! Das ist Exploitation! Augenzwinkernd und stets mit der richtigen Menge an reißerischen Schauwerten versehen. Die Blu Ray selbst erreicht übrigens ein ähnlich hohes Qualitätsmaß. Trotz der – bewussten – Alterung mancher Abschnitte erreicht das Bild fast schon Referenzcharakter. Die Farben sind unglaublich kräftig und der Kontrast mindestens so scharf wie die Lieblingswaffe des Hauptcharakters. Auf demselben hohen Niveau befindet sich desgleichen der präzise Klang, der selbst bei basslastigen Sequenzen niemals dumpf bzw. verquollen daherkommt. Abstriche müssen dagegen bei den Extras gemacht werden. Ein paar Kommentare wären sehr erfreulich gewesen, ein aussagekräftiges Making-of ebenfalls. Stattdessen gibt es lediglich ein paar entfallene Szenen und die Zuschauerreaktionen, die man parallel zum Hauptfilm laufen lassen kann. Letzteres sorgt übrigens dafür, dass »Machete« in fröhlich-bierseliger Runde gleich noch einen Zacken mehr Laune macht als ohnehin schon.

 

Fazit:

Fans kommen an diesem exzellenten Edeltrash-Meisterwerk einfach nicht vorbei. »Machete« stößt bewusst den guten Geschmack über Bord und verteilt großzügig jede Menge Blut, Gekröse, derbe Action und nackte Haut. Und es kommt noch besser, da Rodriguez unlängst die beiden Fortsetzungen als beschlossene Sache bestätigt hat. Einfach zu schön, um wahr zu sein …

Eure Meinung:


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BR:

Machete

USA, 2010

Regisseure: Robert Rodriguez und Ethan Maniquis

Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch

Region: Region A/1, Region B/2

Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1

Umfang: 1 BR

FSK: 18

Sony, 21. April 2011

Spieldauer: 105 Minuten

 

ASIN: B004G8Q2T0

 

Erhältlich bei Amazon

 

Darsteller:

Danny Trejo

Robert De Niro

Jessica Alba

Michelle Rodríguez

Steven Seagal

Jeff Fahey

Cheech Marin

Don Johnson

Lindsay Lohan

Tom Savini


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Erstellt: 24.09.2011, zuletzt aktualisiert: 27.03.2020 10:23