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Magische Spuren von Justine Larbalestier

Reihe: Reason Cansino, Band 2

Rezension von Christel Scheja

 

 

Welches junge Mädchen hat in einem bestimmten Alter nicht schon einmal davon geträumt, eine Hexe zu sein und über besondere Gaben zu verfügen, um die lästigen Pickeln verschwinden zu lassen und mit der Schönheit alle anderen Rivalinnen um den Schulschwarm auszustechen oder viele Freunde zu gewinnen. Fernsehserien wie „W.i.t.c.h.“ oder „Charmed“ kommen diesen Träumen entgegen, da die Kräfte der Heldinnen niemals verlöschen.

Die australische Autorin Justine Larbalestier geht allerdings einen anderen Weg und stellt ihren Figuren die Frage: Was ist, wenn jeder Gebrauch der magischen Kräfte einen Teil des Lebens raubt und man nicht damit rechnen kann so älter als dreißig Jahre zu werden, wenn überhaupt? Ist man dann vielleicht auch bereit, andere zu ermorden, um deren magische Lebenskraft der eigenen hinzu zu fügen.

 

Die fünfzehnjährige Reason Cansino sah sich mit diesen Fragen bereits in „Magische Töchter“ konfrontiert. Nachdem sie ihr ganzes vorheriges Leben mit ihrer Mutter Sarafina durch die Lande gezogen ist, muss sie nun zu ihrer Großmutter Esmeralda ziehen, da der Geist der ersteren sich umnachtet hat.

Das junge Mädchen bleibt jedoch sehr wachsam, denn sie weiß, dass die ältere Frau eine gefährliche Hexe ist. Die Warnungen der Mutter scheinen in allen Dingen der Wahrheit zu entsprechen und Reason bleibt sehr vorsichtig und misstrauisch. Bis zu dem Tag, an dem sie durch eine magische Tür nach New York gerissen wird. Dort gerät sie in Lebensgefahr, denn der mächtige Jason Blake will ihr die Kraft rauben. Und nun muss Reason innerhalb kürzester Zeit die Geheimnisse ihrer Familie kennen und verstehen lernen. Dabei helfen ihr Danny Tom und Jay-Tee. Die beiden letzteren begleiten sie auch zurück nach Sydney.

Im zweiten Band „Magische Spuren“ lebt Reason wieder in ihrer Heimatstadt und lässt sich von ihrer Großmutter in die Magie einführen. Sie bleibt jedoch weiter wachsam und hinterfragt jede Aktion ihrer Großmutter, weil sie es von ihrer Mutter nicht anders gelernt hat. Nach und nach bekommt sie ein besseres Verständnis für die besonderen Gaben ihrer Familie und fragt sich immer mehr, ob das Schicksal früh zu sterben wirklich unausweichlich ist und nur dadurch aufgehalten werden kann, seine Magie möglichst wenig und dann nur mit Hilfsmitteln zu nutzen.

Da bricht ein seltsames Wesen durch die Tür nach New York und ergreift Besitz von Reason und den anderen. Es zwingt das junge Mädchen schließlich, mit in das winterliche New York zu kommen, wo sie erst einem alten Mann begegnet, der ihr irgendwie vertraut ist und dann von Danny aufgenommen wird, ehe sie sich wieder Jason Blake stellen muss.

Doch diesmal ist sie nicht in der schwächeren Position, denn etwas hat sich in ihr verändert. Durch wen? Und durch was? Das junge Mädchen sucht die Antwort auf diese Fragen, aber diese sind mehr als überraschend.

 

„Magische Spuren“ spinnt die Geschichte um Reason und ihre Familie logisch weiter. Das junge Mädchen lernt mehr über die Magie und das Vermächtnis ihrer Familie, während sie trotzdem nicht so schnell aus ihrem Schatten springen kann. Sie hinterfragt weiterhin skeptisch alles, was ihre Großmutter tut und sagt. Das hilft ihr aber auch dabei, die Überraschungen, die sie in der Handlung erwarten, besser zu verkraften und klüger damit umzugehen.

Auch in diesem Band behandelt die Autorin die Magie eher pragmatisch und kühl. Sie macht deutlich, das man nichts erhält, ohne einen großen Teil von sich selbst zu verlieren und die Gabe eher ein Fluch als Segen ist.

Reason, die durch ihre Erziehung fern der Magie noch immer eine gewisse Distanz zu dem Thema besitzt, rebelliert aber weiter gegen die Gegebenheiten, die viele der anderen magisch Begabten als unveränderlich erachten. Das hilft ihr vielleicht auch dabei, einen anderen Weg zu gehen als üblich und gegen Überlieferungen zu rebellieren.

Der Roman wirkt durch seinen nüchternen aber dennoch irgendwie versponnenen Umgang mit dem Thema Magie wieder fremdartig und faszinierend zugleich, auch wenn der magische Zauber des ersten Bandes weg ist, in dem die Autorin noch mehr mit der Frage gespielt hat, ob wirklich alles, was Reason erlebt hat, wahr ist. Er wird dafür durch eine abenteuerliche Geschichte mit vielen neuen Geheimnissen ersetzt.

 

Das macht auch „Magische Spuren“ wie den ersten Band „Magische Tochter“ zu einem Roman, der sich auf erfrischend andere Weise und weniger schwülstig oder verspielt als Üblich mit dem Thema Hexen und Magie beschäftigt. Die freche und ungewöhnliche Reihe ist auf jeden Fall einmal einen Blick wert – und zwar nicht nur, wenn man ein junges Mädchen ist, dass von besonderen Gaben träumt.

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Eure Meinung:

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Buch:

Magische Spuren

Reihe: Reason Cansino

Autorin: Justine Larbalestier

Broschiert, 318 Seiten

cbt, erschienen Juli 2008

ISBN: 978-3-570-30370-1

Übersetzung aus dem australischen Englisch von Kattrin Stier

Titelbild von Jacopo Bruno

ab 14 Jahre

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 30.07.2008, zuletzt aktualisiert: 12.04.2019 10:59