Es gab einen Antagonisten, der bei der kürzlich erschienen Marvels Superheldenfamilie etwas kurz kam. Dabei handelte es sich ausgerechnet um den – neben Doctor Doom – wohl interessantesten Gegner der F4: Galactus. Diese Auslassungen waren allerdings kein Fauxpas: Dem legendären Weltenverschlinger widmet Panini mitGalactus vielmehr einen kompletten Hardcover-Band.
Der Sammelband enthält insgesamt drei mehrteilige Geschichten. Den Anfang macht ein bereits im Jahr 1966 erschienener Dreiteiler, der aus den F4-Heften Nr. 48 bis 50 besteht. Verantwortlich dafür sind hier die Marvel-Ikonen Stan Lee und Jack Kirby. Damals war die Story eine kleine Revolution und auch heute noch besticht die Grundidee: Ein gottgleiches Wesen lässt von seinem Avatar die Galaxis erkunden, um Planeten zu finden, die ihm als Nahrung dienen können. Der Kampf der Fantastic Four ist nicht nur spannend inszeniert, sondern bietet auch eine Story in zuvor im Comic-Bereich noch nicht erreichten kosmischen Dimensionen. Stan Lee schneidet auch ethische Fragestellungen an, ohne dass dieses konstruiert wirkt, und setzt dazu unter anderem auf die Figur des Beobachters Uatu. Eingebettet ist die Geschichte allerdings in einiges Vor- und Nachgeplänkel, von dem ein Großteil verzichtbar gewesen wäre.
Auch die visuelle Gestaltung von Zeichner Jack Kirby und Inker Joe Sinnot kann sich auch heute noch sehen lassen. Dabei weiß vor allem die Reise des Silver Surfer durch den Kosmos zu gefallen, die teilweise fast psychedelisch aussieht. Auch die ganzseitig präsentierte Technologie von Galactus wirkt angemessen fremdartig, was auch eine Variation des Stils unterstützt. Bei der Farbgebung des Galaktischen bzw. von dessen Rüstung kommt anfangs allerdings eine wenig überzeugende Rot-Grün-Kombination zum Einsatz. Gut, dass die Verantwortlichen hier direkt im nächsten Heft auf ein lila und rot gefärbtes Outfit umgeschwenkt sind.
Sechs Jahre später ließ Stan Lee es sich nicht nehmen, eine weitere Galactus-Geschichte zu ersinnen. Der Weltenverschlinger spielt allerdings zunächst gar keine Rolle. Stattdessen versuchen bewaffnete Verbrecher, die F4 in deren Hauptquartier auszuschalten. Dann nimmt ein mächtiges Wesen die Menschheit im Allgemeinen und die Fantastischen Vier im Speziellen in die Mangel. Die Story bietet zwar einige Überraschungen sowie etwas mehr Action und eine sukzessive Steigerung der Bedrohungslage. Rückblickend wirkt sie jedoch nicht ganz rund und stellenweise zu konstruiert. Auch wird das angedeutete moralische Dilemma dieses Mal durch einen nicht ganz überzeugenden Taschenspielertrick gelöst.
Zeichner John Buscema ist noch etwas besser als Jack Kirby daran, die Mimik seiner Figuren herauszuarbeiten – etwa von Ben »Das Ding« Grimm, wo das gar nicht so einfach ist. Bezüglich der Gestaltung des Kosmos, durch den der Silver Surfer seine Bahnen zieht, und der Alien-Technologie überzeugen allerdings eher Kirbys Zeichnungen. Denn das sieht bei Buscema teilweise wenig realistisch bzw. etwas plump aus.
Aller guten Dinge sind drei und die dritte Galactus-Story des Sammelbandes stammt von John Byrne. Auch in der 1982 erschienenen Geschichte steht der Gewaltige nicht direkt im Fokus, sondern sein ehemaliger Herold Terrax, der sich rächen will. Weil Multitalent Byrne für Text und Bilder verantwortlich ist, wirkt die Geschichte wie aus einem Guss. Am Anfang scheint es »nur« wieder ein Alien darauf abgesehen haben, seine Macht auf der Erde zu zeigen. Bald aber wird die Story komplexer und endlich einmal sehen wir außer den F4 auch einige der anderen Helden, die das Marvel-Universum zu bieten hat. So steigert sich die Handlung zu einem fast schon epischen Showdown, bei dem viele Charaktere auftreten, die bei Marvel Rang und Namen haben. Dann ist auch noch das Ende überraschend, aber dennoch stimmig und dynamisch erzählt. Lediglich das Nachgeplänkel ist wieder etwas zu lang geraten. Auf der visuellen Ebene wählt Byrne immer wieder ungewöhnliche Perspektiven – etwa wenn sich F4 und Terrax sich sowohl vertikal als auch horizontal durch New York prügeln.